Mi 08.02.12

Jeder Zweite sitzt auf gepackten Koffern


Bayerische Feriengebiete zogen im vergangenen Jahr mehr deutsche Gäste an als Nordafrika, Asien, Nordamerika und die Karibik zusammen
Bayerische Feriengebiete zogen im vergangenen Jahr mehr deutsche Gäste an als Nordafrika, Asien, Nordamerika und die Karibik zusammen. Foto: Bayern Marketing

Die Deutschen tüfteln wieder einmal mit Feuereifer an ihren Reiseplänen: Nach der Kieler FUR-Reiseanalyse 2012 bescheinigt nun auch die 28. Deutsche Tourismusanalyse der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen den Bundesbürgern eine ungebrochene Reiselust. Fast die Hälfte der Nation sitze gedanklich schon auf gepackten Koffern und plane für 2012 mindestens eine Reise von fünf Tagen Dauer oder länger. "Die Tourismusbranche kann aufatmen und sich auf stabile bis leicht steigende Gästezahlen einstellen", so Ulrich Reinhardt, Wissenschaftlicher Leiter der Stiftung.

Für die Tourismusanalyse wurden 4.000 Bundesbürger nach ihrem Urlaubsverhalten 2011 und ihren Reiseabsichten für 2012 befragt. Demnach will jeder Neunte in diesem Jahr sogar mehrfach verreisen. "Die Deutschen werden lieber im Alltag den Gürtel etwas enger schnallen als die besten Wochen des Jahres daheim zu verbringen", meint Reinhardt. Doch es gibt auch noch eine große Gruppe der Unentschlossenen: Jeder Dritte weiß noch nicht, ob er Balkonien verlassen wird. Und jeder fünfte der Befragten ist sich sicher, in diesem Jahr keine Reise anzutreten.

Die Renaissance des Deutschland-Tourismus wird sich laut den Hamburger Marktforschern fortsetzen: Jeder Vierte trage sich mit Urlaubsplänen für ein Ziel zwischen den deutschen Küsten und Bergen. Die Prognose der Stiftung: Zwei Fünftel aller Reisenden werden 2012 ihre Ferien im Inland verbringen.

Gut sieht es auch für europäische Destinationen aus, die sich auf ein stabiles Urlauberaufkommen einstellen können. Spanien wird voraussichtlich das beliebteste Auslandsreiseziel bleiben, gefolgt von Italien, der Türkei, Österreich und Kroatien. Für Fernreisen zeichnet sich kein einheitliches Bild ab: Während die USA und Kanada, die Karibik und Mittelamerika und vor allem asiatische Länder zahlreiche Gäste erwarten können, ist die Skepsis bei nordafrikanischen Urlaubsgebieten hoch.

Im vergangenen Jahr stieg die Reiseintensität der Deutschen trotz Diskussionen um Rettungsschirme und Euro-Krise sowie Nuklear- und Naturkatastrophen leicht auf 53 Prozent. Je höher der Bildungsgrad und das Einkommen, desto höher war die Reiseintensität. Deutschland blieb mit großem Abstand der Favorit. Allein die bayerischen Feriengebiete lockten mehr Gäste als Nordafrika, Asien, Nordamerika und die Karibik zusammen. Etwa 37 Prozent der Deutschen verbrachten ihre Ferien zwischen Flensburg und Oberstdorf. Diesen Marktanteil erreichen selbst die fünf beliebtesten Auslandsziele zusammen nicht.

Urlaub blieb auch 2011 die "populärste Form des Glücks", bilanziert Reinhardt. Dieses ließen sich die Deutschen durchschnittlich 1.012 Euro kosten - 68 Euro pro Person und Reise mehr als im Vorjahr. Die Reisedauer reduzierte sich hingegen leicht auf 12,5 Tage.

Weitere Ergebnisse der 28. Deutschen Tourismusanalyse stehen unter www.stiftungfuerzukunftsfragen.de.