Mo 21.03.16

Türkei: Branche diskutiert Schmetterling-Absage


Wie sicher ist der Urlaub an den Stränden der Türkei in diesem Jahr? Die Meinungen darüber sind unterschiedlich. Foto: LoggaWiggler/www.pixabay.de

Wie sicher ist der Urlaub an den Stränden der Türkei in diesem Jahr? Die Meinungen darüber sind unterschiedlich. Foto: LoggaWiggler/www.pixabay.de

Die angespannte Sicherheitslage in der Türkei spaltet die Touristikbranche. Während die einen die Urlaubsgebiete an der Riviera und der türkischen Ägäis weiterhin für sicher halten und aktiv vermarkten, gehen andere immer mehr auf Distanz.

Deutlich wird dies unter anderem an der Werbestrategie der Veranstalter und der Buchungsentwicklung: Während bei einem großen Reisekonzern das Türkei-Geschäft mit den Reisebüros um 30 Prozent im Minus liegt, ist der Rückgang im Online-Vertrieb deutlich geringer. „Viele Reisebüros raten derzeit offenbar aktiv von der Türkei ab“, vermutet ein Vertriebs-Manager, der nicht genannt werden will.

Dass dies zumindest auf einen Teil der Reisebüros zutrifft, wird an den intensiven Diskussionen nach der überraschenden Absage der Schmetterling-Jahrestagung Ende vergangener Woche deutlich. Zu dem Treffen Ende April in Kusadasi waren ursprünglich 600 Teilnehmer erwartet worden. „Die Rückfragen zur Sicherheit“ sowie eine Vielzahl von Stornos hätten „deutliche Zweifel“ aufkommen lassen, ob man in der aktuellen Lage an der Tagungsdestination festhalten sollte, heißt es in dem Absageschreiben.

Eine Entscheidung, die Schmetterling-Mitglied und Reisebüro-Inhaber Klaus Günther von Fantastic Travel in Erfurt nachvollziehen kann: „Es ist vollkommen richtig, die Tagung abzusagen. Das Sicherheitsaufgebot an Polizei und Militär wäre so groß gewesen, dass es einen Anschlag förmlich angezogen hätte. Wer sollte das verantworten?“, schrieb Günther auf der Facebook-Seite von touristik aktuell.

Ähnlich argumentiert Wolfgang Hoffmann von Krefelder Reisen: „Wer schon mal eine Tagung mit 600 Touristikern sowie Promis, Politikern und TV-Teams organisiert hat, der darf hier urteilen. Ansonsten: Eine Tagung ist abgesagt. Nicht die Türkei!“, betont Hoffmann, der ebenfalls Mitglied der Schmetterling-Kooperation ist.

Doch Schmetterling schlägt auch Unverständnis entgegen: „Mich entsetzt nicht die Absage der Jahrestagung, sondern die katastrophale Außenkommunikation einer der größten Reisebüro-Kooperationen in Deutschland“, kritisiert etwa FTI-Manager Andreas Lambeck und fragt: „Was sollen jetzt Kunden und Gäste denken? Was sollen Reisebüros jetzt erzählen?“

Ähnlich äußert sich auch Roula Jouny, Chefin der FTI-Zielgebietsagentur Meeting Point: Die Entscheidung  sei „schlecht und unfair“ gegenüber den türkischen Partnern. „We are killing our own industry”, so Jouny.

Etwas zurückhaltender zeigt sich Anke Budde von Budde Urlaubsreisen in Bretzenheim in ihrem Kommentar: „Ich glaube nicht daran, dass etwas passieren würde und habe auch keine Angst, in die Türkei zu fliegen. Ob ich aber die Verantwortung für eine Tagung tragen wollte, ich weiß es nicht.“

Tamara Schellander vom gleichnamigen Reisebüro in Scheifling schreibt auf der ta-Facebook-Seite: „Es ist eine wirklich schwierige Situation. Die Signalwirkung ist nicht gut, aber wem kann man das Unbehagen im Moment verübeln?“

Anderer Meinung ist dagegen Anja Kecke, Büroleiterin im Sonnenklar Reisebüro in Rudolstadt. Sie hält es für unnötig, Kunden von einem Urlaub an den Küsten der Türkei abzuraten. „Ich würde jederzeit fliegen“, betont Kecke.

Für die Küsten mag diese Aussage durchaus stimmen – für Istanbul trifft sie spätestens seit Samstag nicht mehr zu: Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten gab es dort ein blutiges Attentat mitten im Zentrum der Metropole.Die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amtes finden Sie hier.

 

Weitere Nachrichten zu Destinationen

 

Home | Kontakt | RSS-Feed | Sitemap | Impressum | Datenschutz

© 1969 - 2016 touristik aktuell, DIE WOCHENZEITUNG FÜR Touristiker - Alle Rechte vorbehalten

 

touristik aktuell ist ein Produkt des EuBuCo Verlags

Weitere Produkte: Print & Produktion | Professional Production | Mountain Manager