Mo 24.10.16

Sovereign Hill: Goldrausch in Victoria


Die Goldgräberstadt ist Australiens beliebtestes Freilichtmuseum


Besucher können sich mit der Kutsche herumfahren lassen.

Besucher können sich mit der Kutsche herumfahren lassen.

Wie vor 150 Jahren: Zigtausende kamen damals nach Australien, um Gold zu suchen. Fotos: heu

Wie vor 150 Jahren: Zigtausende kamen damals nach Australien, um Gold zu suchen. Fotos: heu

Die Zeitreise beginnt für uns mit einem Kleiderwechsel. Am Eingang von Sovereign Hill werden wir in ein Fotostudio geführt und dürfen uns ein historisches Gewand auswählen, das Kostüm eines reichen Gentleman, das eines Goldminenarbeiters oder das eines Soldaten. Für die Frauen stehen Festtagskleider aus dem 19. Jahrhundert und ein Zigeunerinnenkleid zur Verfügung.

Sovereign Hill, das beliebteste Freilichtmuseum Australiens, hat wenig gemein mit einer sterilen Ausstellung, es entführt die Besucher vielmehr mit allen Sinnen in die Vergangenheit. Sei es, dass eine Gruppe traditionell gekleideter Musiker am Straßenrand ihre Instrumente ertönen lässt, sei es, dass man mit der Pfanne in der Hand selbst im Fluss nach Goldnuggets sucht, sei es die durch den Raum spürbare Hitze eines Goldbarrens, der gerade geschmolzen wird.

Das zweigrößte Goldnugget der Welt, auch das erfährt man im Museum, wurde im australischen Bundesstaat Victoria gefunden. Es enthielt rund siebzig Kilogramm Gold und wurde 1871 entdeckt.

Der Goldrausch begann 1851
Knapp 100 Jahre später, im Jahr 1970, wurde das Mitmach-Freilichtmuseum Sovereign Hill gegründet. Es erinnert an den australischen Goldrausch in der Zeit von 1851 bis etwa 1870. Die Stadt Ballarat, in deren Außenbezirken das Sovereign Hill Museum zu finden ist, liegt etwa neunzig Minuten (oder 120 Kilometer) von Melbourne entfernt, im Herzen des Minengebiets. Menschen aus aller Welt kamen damals hierher, um ihr Glück zu suchen – heute ziehen Prachtbauten aus der Gründerzeit Besucher an, vor allem aber das Museum Sovereign Hill.

Wer dieses ansteuert, kann durchaus zwei Tage bleiben, denn neben den Möglichkeiten zu unterirdischen Gold- und Quarzminentouren bietet das Museum unter anderem Einblicke in die Arbeit von Schmieden, Kutschbauern, Konfektherstellern, Goldschmelzern und Kerzenziehern. Man kann durch das Gelände spazieren, besonders stilecht ist es jedoch, sich mit einer vierspännigen Pferdekutsche durch das Open Air-Museum fahren zu lassen.

100 Gebäude auf 25 Hektar
„Wir sind kein Themenpark, sondern wir verstehen uns als Anbieter von kulturellem Tourismus, ausgehend von einem Museum“, erklärt Geschäftsführer Jeremy Johnson, der sich über mehr als 700.000 Besucher pro Jahr freut. In einigen Häusern befinden sich zeitgenössische Läden, in anderen Ausstellungsstücke. Insgesamt verfügt das 25 Hektar große Museum rund um die ehemalige Red Hill Mine über mehr als 100 Gebäude.

Viele der 390 Museumsmitarbeiter, die von 250 freiwilligen Helfern unterstützt werden, tragen historische Kostüme – und lassen Geschichte lebendig werden: In kleinen Szenen verfolgen Ordnungskräfte die Goldwäscher, weil diese angeblich keine Lizenz haben oder Raubüberfälle begangen haben.

Am Goldrausch verdienten nicht nur diejenigen, die mühsam das Edelmetall auswuschen und schürften, sondern auch und vor allem Händler und korrupte Verwaltungskräfte. 1854 kam es deshalb zu einem Aufstand, bei dem die Goldwäscher und Minenarbeiter ihre Lizenzen verbrannten und eine Rebellenarmee bildeten. Heute wird im Museum allabendlich eine Sound- und Lightshow präsentiert, die an diese Eureka-Rebellion erinnert. Dabei wird die Reise in die Vergangenheit durch modernste Technik unterstützt.

Weitere Informationen findet man im Internet unter www.sovereignhill.com.au und www.visitballarat.com.au.


Rainer Heubeck

 

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