Fr 17.02.12

Unbekannt und schön


Novi Sad an der Donau glänzt mit einer attraktiven Altstadt


Komplett erhalten: die Peterwardeiner Festung in Novi Sad. Foto: Tourist Organization City of Novi Sad

Auch im wirklichen Leben ist die kleinere Schwester oft die schönere. So läuft die Stadt Novi Sad, begehrtes Ausflugsziel von Belgrad-Besuchern, der Hauptstadt Serbiens den Rang ab. In den Randbezirken stellenweise durchaus hässlich wie viele Städte, die sich unter kommunistischer Regie entwickelten, glänzt die Donau-Metropole mit einer schönen Innenstadt. Doch diese ist für eine Stippvisite viel zu schade, Novi Sad hat einen längeren Aufenthalt verdient.

Die meisten Gebäude entstanden in der Mitte oder zum Ende des 19. Jahrhunderts. Den prächtigsten Eindruck macht der Platz der Freiheit mit schmuckem Rathaus im Stil der Neorenaissance und der neugotischen Pfarrkirche Mariä Namen. Die Einheimischen sprechen stolz von ihrer Kathedrale, aber das ist ein wenig hochgestapelt: Novi Sad ist kein Bischofssitz. Vom zentralen Platz der Stadt führt die Zmaj-Jovina-Straße zu einem stattlichen Gebäude, das sich Wladika-Hof nennt und byzantinische Stilelemente bietet. Die niedrigen Häuser der Zmaj-Jovina-Straße mit ihren farbigen Fassaden besitzen zum Teil schöne Innenhöfe - hier laden Restaurants und Cafés zum Verweilen ein.

"Novi Sad ist viel ruhiger als Belgrad", beschreibt Gordana Stojakovic von der örtlichen Tourismusorganisation das Lebensgefühl, das sich bei Besuchern unweigerlich einstellt, wenn sie durch die Innenstadt schlendern. Diese Ruhe ist aber hin, wenn alljährlich im Juli das Musik-Festival Exit stattfindet. Schauplatz ist die riesige, intakt erhaltene Festungsstadt Peterwardein auf dem gegenüberliegenden Donau-Ufer. An der Festung bauten die Österreicher ein Jahrhundert und bestückten sie mit 400 Kanonen, um die Region im 18. und 19. Jahrhundert vor dem Ansturm der Türken zu schützen.

Novi Sad hat über 300.000 Bewohner; die Zahl hat sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt. Die Stadt, in der übrigens Einstein von 1907 bis 1909 lebte und in der zwei seiner Söhne geboren wurden, besitzt die zweitgrößte Universität des Landes. Seit Kurzem werden hier Messen- und Kongresse abgehalten.

Traurige Berühmtheit erlangte Novi Sad, als beim Nato-Bombardement während des Kosovo-Konflikts die Donau-Brücken zerstört wurden und der Verkehr über die Donau über Ponton-Brücken stattfinden musste. Sie wurden nur dreimal pro Woche für den Schiffsverkehr geöffnet, was die Fahrpläne der Kreuzfahrtschiffe total durcheinander brachte.

Seit Eröffnung der Freiheitsbrücke vor gut sechs Jahren läuft das Geschäft mit den Donau-Kreuzfahrten wieder glatt. Pro Jahr legen an den Ufern von Novi Sad knapp 300 Kreuzfahrtschiffe an - das macht 35.000 bis 40.000 Ausflügler, die Belgrads schönere Schwester bestaunen.


Horst Schwartz