Mo 17.10.16

Teneriffa: Von der Pechmarie zum Goldkind


Garachico im Norden ist perfekt für Individualtouristen


Küste bei Garachico

Küste bei Garachico

Die Plaza Glorieta de San Francisco wartet auf Cafébesucher und Dominospieler. Fotos: cd

Die Plaza Glorieta de San Francisco wartet auf Cafébesucher und Dominospieler. Fotos: cd

Zehn Uhr morgens auf der Plaza Glorieta San Francisco: Die Sonne ist endlich über den Bergrücken hinter dem Ort geklettert und gießt Glanz über den schön begrünten Platz. Die ersten Dominospieler finden sich zu einer Partie an den Tischen des Cafés rund um den Jugendstilpavillon ein. Der Kirchendiener sperrt die Tür der Franziskuskirche auf. Dass dieses Gotteshaus in seinem altehrwürdigen Stolz noch heute hier aufragt, ist ein kleines Wunder.

Denn Garachico ist im Laufe seiner langen Geschichte von einer ganzen Abfolge von Katastrophen heimgesucht worden. Unmittelbar nach der Eroberung Teneriffas wurde der Ort 1496 vom Genueser Entrepreneur Cristobal de Ponte gegründet. Im 16. und 17. Jahrhundert entwickelte sich Garachico zum wichtigsten Handelshafen der Insel und war zeitweise sogar die Hauptstadt. Dann begann die Epoche der Unglücke. 1645 ereilte die Stadt eine Sturmflut, bei der 40 Schiffe versenkt und 80 Menschen in die Fluten gerissen wurden. 1697 wütete ein Großfeuer und zerstörte über 100 Gebäude.

Historisches Stadtbild
Das Ende Garachicos als Handelsmetropole kam 1706, als der Vulkan Montana del Estrecho ausbrach und unter seinen Lavamassen fast alles Leben begrub. Nur die Franziskanerkirche und wenige angrenzende Gebäude sowie das Kastell am Hafen blieben erhalten. Im Park El Jardin kann man noch erkennen, wie dick die Lavaschicht war. Die wieder ausgegrabene Puerta de Tierra, einst das Tor zum Hafen, liegt tief unter dem heutigen Straßenniveau.

Die Malvasier-Weinhändler verlagerten ihre Geschäfte nach der Katastrophe ins Orotava-Tal, der Ort wurde neu aufgebaut und zeigt sich heute als historisches Ensemble des 18. und 19. Jahrhunderts. Mit Kopfsteinen gepflasterte Gassen führen an weiß geschlämmten alten Häusern entlang. Wie aus der Zeit gefallen wirkt das malerische Ensemble rund um die Plaza. Garachico mit rund 5.000 Einwohnern hat nichts mit den Retorten-Ferienzentren im Süden der Insel gemein.

Ein halbes Dutzend kleine Hotels
Draußen vor der Küste erhebt sich der markante Felsen El Roque, der den Seevögeln als Brutplatz dient. Strände hat Garachico nicht zu bieten. Aber die Lavamassen haben sich einst als lange Zungen in den Atlantik ergossen und dazwischen natürliche Meerwasser-Pools entstehen lassen. Im Winter ist die See zuweilen zu rau, aber von Frühling bis Herbst kann man wunderbar im glasklaren Wasser der Felsbecken baden.

Garachico wartet zudem mit einem halben Dutzend kleiner Hotels auf. Da ist das luxuriöse San Roque in einem ehemaligen Adelspalast, das gediegene La Quinta Roja direkt an der Plaza Glorieta oder das Isla Baja Suites direkt gegenüber von den Seewasser-Pools.

Das hochherrschaftliche Haus hat nur sieben schöne Suiten mit Küchenzeile, die den Gast unabhängig von Restaurantbesuchen machen. Wer sich noch abgeschiedener erholen will, findet im Hotel Rural El Patio im benachbarten Weiler El Guincho den perfekten Rückzugsort. Inmitten ausgedehnter Bananenplantagen wartet der historische Gutshof mit knapp über 20 ruhigen Zimmern, einem Pool und herrlich begrüntem Innenhof auf.


Claudia Diemar

 

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