Mo 14.11.16

La Palma: Eine Dusche im Lorbeerwald


Feuer, Wasser und Wind haben ein fantastisches Wandergebiet geschaffen


Um in der Caldera de Taburiente zu wandern, braucht man eine gute Kondition.

Um in der Caldera de Taburiente zu wandern, braucht man eine gute Kondition.

Ein Spaß für die ganze Familie: die Wanderung durch 13 Tunnel im Nordosten. Fotos: mw

Ein Spaß für die ganze Familie: die Wanderung durch 13 Tunnel im Nordosten. Fotos: mw

Ein „Erlebnis der Elemente“ hatte das Spanische Fremdenverkehrsamt für den Besuch von La Palma versprochen – und damit nicht übertrieben. Augenblicklich kommen die Elemente von allen Seiten.

Im zwölften und vorletzten alten Kriechtunnel, der die Quellen Marcos und Cordero im Nordosten der Kanareninsel seit mehr als 100 Jahren durch einen schmalen Kanal ins Tal zu den Bananenplantagen leitet, rauscht von beiden Wänden ein Wasserfall auf Köpfe und Rucksäcke herab. Hier muss hindurch, wer ans andere Ende möchte. Die kalte Dusche ist so laut, dass man schreien muss, um sich zu verständigen.

Einige der grob ausgeschlagenen Tunnel sind fast 250 Meter lang. Wer sich mit Taschenlampe und bestenfalls mit einem Helm auf dem Kopf auf den meist nur armbreiten Pfaden hindurchgetastet hat, der erlebt an jedem Ausgang eine Überraschung.

Die grünste Kanareninsel
Immer wieder öffnen sich auf dem windungsreichen Versorgungspfad neue Ausblicke auf wolkenverhangene Berge und grüne Nebelwälder. Und nach dem letzten Durchlass führt der Pfad dann 900 Meter steil abwärts durch ein schroffes Flussbett mit mächtigen Felsbrocken in den schummrig dunklen Lorbeerwald von Los Tilos mit seinen Riesenfarnen, mit krautiger Baumheide und 57 endemischen Arten. Am Ende lädt ein Wasserfall vor einer Wand aus Farnen zum Pausieren ein. Nur Dinosaurier gibt es in dieser Urlandschaft nicht – allenfalls Frösche.

La Palma ist nicht nur die jüngste Kanareninsel, sondern auch die grünste. Ein Vulkanausbruch hob sie aus 4.000 Metern Meerestiefe hervor. Das Gestein wirkt als mächtige Barriere für die Passatwinde. Die Bäume kämmen den fast täglich an den Bergen hängenden Wolken die Feuchtigkeit aus und sorgen so für das fruchtbare Mikroklima.

Während der Vulkanismus im Süden der Insel noch in letzten Zuckungen Schwefelgase abgibt, knabbern Wind und Wolken beständig an den schroffen Kratern, die fast 2.500 Meter aus dem Wasser ragen. So entsteht der fruchtbare Boden.

Zum Baden lädt dieses Umfeld mit seinen durchweg schwarzen Stränden weniger ein als andere Inseln. Die meisten der etwa 170.000 Besucher im Jahr – 80 Prozent davon sind Deutsche – schnüren deshalb ihre Wanderschuhe oder setzen sich aufs Mountainbike. La Palma ist ideal für Aktivurlauber, auch wenn mit verschiedenen Museen, Aussichtspunkten und Aktivitäten wie Sternenbeobachtung neuerdings auch ein Bildungspublikum angesprochen wird.

Wanderwege für jeden Geschmack
Mehr als 1.000 Kilometer Wanderwege sind ausgeschildert und häufig gut ausgebaut. Vor allem die gelb markierten Tagestouren sind von hohem Reiz. Die spektakulärste führt durch den Nationalpark Caldera de Taburiente. Die rund neun Kilometer lange Schlucht ist der Rest eines mächtigen Vulkankegels. Ein ziemlich kurviges Sträßchen führt durch die Schlucht der Ängste – Barranco de las Angustias – bis zu einem Parkplatz in knapp 1.100 Metern Höhe.

Von hier geht es zu Fuß weiter. Zuerst läuft man auf der Höhe durch lichten Wald mit Kanarischen Kiefern zum markanten Roque de Huso. Dann geht es über den Fluss und an seinem Ufer talwärts – mit einem Panorama fast so imposant wie im Grand Canyon. Durch das Bachbett marschieren die Wanderer dann noch einige Stunden lang dem unteren Parkplatz und der Zivilisation entgegen.


Martin Wein

 

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