Mi 11.04.18

Snowdonia: Bella Cymru


Ein kurioses Dörfchen in dem Nationalpark in Nordwales ist ein großer Besuchermagnet


Inmitten des Dorfes befindet sich die große Piazza

Inmitten des Dorfes befindet sich die große Piazza

Vom Dom blickt man hinab auf den Campanile, Fotos: jt

Vom Dom blickt man hinab auf den Campanile, Fotos: jt

Portmeirion ist ein walisisches Disneyland, höre ich einen deutschen Urlauber sagen, kaum dass wir durch das apricotfarbene Torhaus getreten sind. Na, da darf ja man gespannt sein auf das malerische Dorf im Nordwesten von Wales. Im Laufe unseres Besuchs wird mir bewusst, wie unpassend ich diesen Vergleich finde. Hier gibt es keine Fahrgeschäfte, keinen Glitzer, keine Mäuse. Wohl aber eine künstliche Welt. Das ist das Einzige, was Portmeirion mit Disneyland gemeinsam hat.

Traumhaft ist es hier, im wahrsten Sinne des Wortes. Im ersten Moment fühlt man sich nach Italien versetzt. Wie eine farbenfrohe Theaterkulisse schmiegen sich die bunten Gebäude den Hang hinab zum Meer. Das von 1925 bis 1975 erbaute, von einem Park umgebene Dorf befindet sich auf einer Halbinsel zwischen zwei Flussmündungen und war das erste Ferien-Resort Großbritanniens.

Architekt mit Italien-Liebe

Erbaut wurde das kuriose Dorf von dem bekannten walisischen Architekten Clough William-Ellis, der sich hier einen Lebenstraum verwirklichte und seiner Italien-Liebe Ausdruck verlieh. Der Naturschützer wollte zeigen, dass man schöne und farbenfrohe Unterkünfte erschaffen kann, ohne die Umgebung zu verschandeln.
Im oberen Teil des Dorfes gruppieren sich bonbonfarbene Häuser um kleine Plätze, schlängeln sich entlang der Gassen. Portmeirion wurde für Touristen erschaffen und es lebt noch heute für und von ihnen. Noch immer befinden sich in den Gebäuden Ferienwohnungen und unten, am Ufer des Flusses, beherbergt The Hotel Portmeirion seit 1926 Gäste.

Ausblicke und englischer Kitsch

Durch einen Terrassengarten geht es zu einem Aussichtsturm, der den Blick auf die breite Flussmündung freigibt. Es ist Ebbe, schmale Rinnsale schlängeln sich durch breite Sandbänke in Richtung Meer, am gegenüberliegenden Ufer saftiggrünes Weideland. Zwei Rentnerpaare sitzen auf einer Bank und lassen sich die Mai-Sonne ins Gesicht scheinen.

Cafés und Restaurants laden zur Rast ein, Souvenirläden zum Kauf von allerlei Unnützem, alles mit der richtigen Portion englischen Kitsches. Dazu zählen Keramikgeschirr, Tafel- und Küchenzubehör aus der von William-Ellis’ Tochter Susan gegründeten Portmeirion Pottery. Es gibt auch einen „Prisoner“-Shop, der Devotionalien der gleichnamigen Fernsehserie feilbietet, die in den Sechzigern hier gedreht wurde und die das Dorf weltweit berühmt machte. Noch immer pilgern Fans hierher.

William-Ellis verarbeitete in Portmeirion architektonische Relikte aus in Großbritannien abgerissenen Gebäuden. Überall findet man Skulpturen, Wappen und hübsche Details. Hinter dem Dom erstreckt sich eine große Piazza mit Teichen, Brunnen, Kolonnaden, Blumenrabatten und Palmen. In einem Tempel thront ein goldener Buddha und betrachtet die liebliche Szenerie.
Wir ergattern einen Tisch vor dem Caffi Glas – walisisch für Blaues Café – und stärken uns mit einem Cheese & Tomato Sandwich und Fenchel-Risotto mit Barsch, bevor wir weiterschlendern, hinab zum Flussufer. Hier baute William-Ellis das bei einem Sturm vor Portmeirion zerstörte Schiff Amis Réunis als steinernes Boot in die Kaimauer vor dem Hotel ein. Im ersten Moment wirkt es täuschend echt – wie alles in Portmeirion.


Julia Treuherz

 

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