Mi 12.04.17

Mauritius: Hammerhai mit Aussicht


Die Insel bietet viel zu viel, um nur am Strand zu liegen


Der Le Morne Brabant ist so etwas wie das inoffizielle Wahrzeichen von Mauritius

Der Le Morne Brabant ist so etwas wie das inoffizielle Wahrzeichen von Mauritius

Guckt, da drüben ist der Nationalpark: Guide Matthieu kennt sich aus

Guckt, da drüben ist der Nationalpark: Guide Matthieu kennt sich aus

Der Muskelkater vom Aufstieg gerät auf der Strandliege schnell in Vergessenheit. Fotos: Bamba Sourang/MTPA, sl (2)

Der Muskelkater vom Aufstieg gerät auf der Strandliege schnell in Vergessenheit. Fotos: Bamba Sourang/MTPA, sl (2)

Ach, ihr lieben Honeymooner auf Mauritius, jetzt müsst ihr mal kurz Augen und Hände voneinander lösen und diesen Text lesen. Fällt schwer, klar, aber es könnte sich lohnen. Denn ihr seid ja ziemlich weit geflogen, um hier, in einer der schönsten Destinationen im Indischen Ozean, eure Zeit zu verbringen.

Und da wäre es doch fast ein bisschen schade, zwei Wochen lang nur mit einem bunten Cocktail in der Hand unter der Palme zu liegen und aufs Wasser zu schauen (obwohl das zugegebenermaßen auch seinen Reiz hat). Denn Mauritius ist entgegen der landläufigen Meinung kein reines Strand- und Palmen-Ziel, sondern auch für Aktivurlauber durchaus eine Reise wert.

Aufstieg morgens um sechs
Eine der imposantesten Touren führt auf den Le Morne Brabant. Das ist der Berg auf der hammerhaiförmigen Halbinsel, die als Eyecatcher jeden Reiseprospekt über Mauritius ziert. 556 Meter ist der felsige Brocken hoch, das Gipfelkreuz steht aus Umweltschutzgründen etwas niedriger.

Um Punkt sechs Uhr morgens packt uns unser Führer Matthieu vom Outdoor-Anbieter Yanature in seinen irre klapprigen Geländewagen und juckelt mit uns zum Ausgangspunkt der Tour. „Später wird es viel zu heiß“, sagt er. Der Zugang zum Le Morne Brabant ist nur geführten Gruppen erlaubt.

Im Juni 2016 wurde diese Regel außer Kraft gesetzt, nach Matthieus Worten „ein besonders bescheuertes Wahlversprechen“. Die Bilanz: Am ersten Wochenende stürmten 2.000 Menschen den Berg hoch, neun von ihnen transportierte der Rettungsdienst mit Knochenbrüchen wieder herunter. So ging es in den kommenden Monaten munter weiter, seit Dezember sind Guides wieder Pflicht.

Klettern und staunen
„Aber keine Sorge, euch passiert nichts“, sagt Guide Matthieu. „Macht nur immer das, was ich euch sage – und haltet euch bloß nicht an den Seilen fest, die sind Schrott.“ Verstanden. So laufen wir die erste halbe Stunde im trüben Morgenlicht gemächlich bergan und auch die folgenden steileren Kletterpassagen überstehen wir problemlos.

Am ersten Felsabsatz eröffnet sich eine völlig neue Perspektive: Unten das Wäldchen, in dem Rehe Schutz vor den ersten Sonnenstrahlen suchen, weiter hinten das Meer und in der Ferne die gezackten Gipfel des Black-River-Nationalparks (in dem man übrigens auch ganz ausgezeichnet wandern oder mountainbiken kann).

Nicht ganz so schön ist die Geschichte des Berges, von der allerdings niemand weiß, ob sie sich tatsächlich so zugetragen hat: Der Legende nach versteckten sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts Dutzende Sklaven in den unzähligen Höhlen des Le Morne Brabant. Als dann im Jahr 1835 das Militär den Berg hinaufmarschierte, sprangen die Sklaven freiwillig in den Tod – nichtahnend, dass die Soldaten losgeschickt wurden, um das Ende der Leibeigenschaft zu verkünden.

Wir stehen nach knapp zwei Stunden nassgeschwitzt und mit zitternden Knien am Gipfelkreuz. Der Blick entschädigt jedoch für alles: der Himmel blau, das Wasser türkis, die Hotels am weißen Palmenstrand eine Handvoll Spielzeughäuser.
Dort unten werden wir am Nachmittag wieder liegen, die Füße im Sand, den Cocktail in Reichweite. Was man im Traumurlaub eben so macht.


Susanne Layh

 

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