Mo 06.03.17

Teotihuacan: Einfach gewaltig


Die Pyramidenstadt ist jeden Stau wert – Tula nicht weniger


Sonnenschutz und etwas zu trinken mitnehmen: Für den Aufstieg auf die Pyramiden in Teotihuacan benötigt man viel Kraft

Sonnenschutz und etwas zu trinken mitnehmen: Für den Aufstieg auf die Pyramiden in Teotihuacan benötigt man viel Kraft

In Tula, dem kulturellen Zentrum der Tolteken, finden sich knapp fünf Meter hohe Kriegerstatuen. Fotos: jm

In Tula, dem kulturellen Zentrum der Tolteken, finden sich knapp fünf Meter hohe Kriegerstatuen. Fotos: jm

Das Hemd klebt klitschnass auf der Haut. Das Thermometer zeigt hier in Mexiko zwar nur 22 Grad, gefühlt sind es aber zehn Grad mehr. Es ist diesig, doch die Sonne brennt erbarmungslos herunter. Dazu kommt die Höhe, auf der wir uns befinden: Auf 2.300 Metern über Null fällt das Atmen schwer. 

Teotihuacan – was auf aztekisch bedeutet: wo Menschen Götter werden – ist nicht ganz so einfach zu erkunden, vor allem nicht, wenn man hoch hinaus und auch das Herzstück der einstigen Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern besteigen will: die 65 Meter hohe Sonnenpyramide mit ihren fünf mächtigen Stufen und unzähligen steilen Treppen. 

Nach Volumen ist die Pyramide in der Nähe von Mexiko-Stadt hinter Gizeh in Ägypten und Cholula bei Puebla die drittgrößte Pyramide der Welt, erbaut aus zwei Millionen Tonnen Steinen und Erde. Ist man oben, ist die Anstrengung vergessen. Oben ist man überwältigt: Der Blick auf diese 1.000 Jahre lang bewohnte, nach astronomischen Prinzipien angelegte Stadt gehört zu den imposantesten Aussichten auf eine antike Stätte weltweit. 

Entlang der vier Kilometer langen Straße der Toten, die sich vom Süden an der Sonnenpyramide vorbei zum Norden mit der etwas kleineren Mondpyramide zieht, stehen weitere Tempel und Pyramiden. „Über die Erbauer weiß man nichts“, sagt eine Reiseführerin mit Regenschirm als Sonnenschutz zu ihrer Gruppe. „Die Azteken wählten die Namen und dachten, bei den Pyramiden handele es sich um Königsgräber. Als sie kamen, war Teotihuacan ja bereits seit rund 700 Jahren verlassen.“ 

Aufgrund der seit 1900 andauernden und bis heute noch nicht abgeschlossenen Ausgrabungen vermuten die Wissenschaftler, dass Teotihuacan in den ersten rund 650 Jahren unserer Zeitrechnung die mächtigste Stadt in Mittelamerika gewesen sein muss – und gleichzeitig eine der größten Städte der Welt. Die Fläche wird auf 20 Quadratkilometer taxiert. 

Es gab ein Wohngebiet mit Apartment-Häusern fürs niedere Volk und, durch hohe Mauern abgegrenzt, eine Villensiedlung für die hohen Schichten. Dazu kamen natürlich Tempel und Opferstätten sowie Gräber. Das kleine Museum am Südeingang am Parkplatz 1 bietet anhand von Zeittafeln und Exponaten einen guten Überblick. 

Der Weg von Mexiko-Stadt nach Teotihuacan ist so beschwerlich wie der Aufstieg auf die Sonnenpyramide. Für die gut 50 Kilometer aus dem Zentrum braucht man zuweilen zwei, manchmal sogar drei Stunden. Doch jeder Staumeter ist es wert. 

Ein weiterer Tipp: Etwa 20, meist staufreie Kilometer vom Weltkulturerbe Teotihuacan entfernt, liegt eine weitere sehenswerte Ausgrabungsstätte: Tula, das kulturelle Zentrum der Tolteken, imponiert den Besucher mit den knapp fünf Meter hohen Kriegerstatuen. Die so genannten Atlanten krönen die dortige Pyramide des Morgensterns. Zwei der Kolossalstatuen sind allerdings Reproduktionen. Die Originale findet man im sehenswerten Nationalmuseum von Mexiko-Stadt. Zurück in die Metropole muss man meist sowieso und vielleicht klappt ja die Rückfahrt ins Zentrum auch mal unter zwei Stunden.


Jochen Müssig

 

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