Reisebüros im Porträt

Teil 2 - Onlineweg.store, Würzburg

Hat viele Pläne für die eigene Homepage: Reisebüro-Inhaber Bernd Kuschner in seinem Reisebüro

Hat viele Pläne für die eigene Homepage: Reisebüro-Inhaber Bernd Kuschner in seinem Reisebüro. Foto: privat

Das Büro ist winzig, doch die Lage in der Würzburger Innenstadt ideal. Und dann ist da ja auch noch das Internet. „Natürlich wollen wir versuchen, auch Online richtig Umsatz zu machen“, sagt Bernd Kuschner.

Der Satz ist nicht so lapidar, wie er klingt. Kuschner hat im Januar 2018 das erste Ladenlokal eröffnet, das den Namen von Deutschlands größtem Reisebüro-‧Portal trägt: Onlineweg. Statt der Endung „.de“ endet Kuschners Büroname auf „.store“ – sowohl stationär als auch im Internet.

Mehr als zehn Jahre lang war Kuschner Angestellter bei TUI und leitete an gleicher Stelle das Würzburger Discount Travel Reisebüro. Dann machte er sich selbstständig und betrieb das Büro als Inhaber weiter. Auf einen langfristigen Franchise-Vertrag hatten allerdings weder er noch TUI Lust. „Ich wollte mein eigenes Ding machen, ohne Konzern und starre Strukturen im Rücken. Und ich wollte im Internet aktiver werden.“

Onlineweg-IBE: „Einfach stark“
Also suchte er nach Reisebüro-Systemen mit einem starken Online-Auftritt. Doch die gibt es nach seiner Beobachtung kaum, auch die TVG mit ihrer Marke Sonnenklar konnte ihn online nicht so recht überzeugen.

Ganz anders Onlineweg.de. „Die IBE ist einfach stark. Und die Kommunikation mit der Zentrale ist einfach und unkompliziert“, berichtet Kuschner unter anderem über Gespräche mit Hans Simon, Chef des Portals, an das über 1.000 Reisebüros angeschlossen sind.

Gegründet wurde Onlineweg.de im Jahr 2002 auf Initiative von TSS-Chef Manuel Molina. Das heißt nicht, dass die angeschlossenen Büros nur von TSS kommen: Das Portal ist offen für Büros aller Ketten und Kooperationen, Kuschner selbst ist bei RTK.

Zum Konzept des Vier-Personen-Büros gehört, das Internet aktiv in die Beratung einzubeziehen. „Wir wollen online-orientierte Kunden animieren, zu Hause über unsere Website selbst einzubuchen“, sagt der Reisebüro-Inhaber.

Wichtig sei natürlich, ihnen vorher die Vorteile deutlich zu machen: Den Service eines klassischen Reisebüros, den große Portale so nicht bieten. Zu ihnen gehören das Online-Check-in und das kostenfreie Buchen von DB-Tickets, die Hilfe bei Buchungsfehlern und Änderungen im Reiseverlauf. Nicht zu vergessen, der schnelle Kontakt bei Rückfragen.

Sieben Tage pro Woche erreichbar
Die Gefahr, dass der Kunde – einmal im Internet – auf andere Portale ausweicht, nimmt Kuschner in Kauf. Angst davor hat er nicht: Es gebe eine „zunehmende Sensibilität“, bei den lokalen Anbietern zu buchen. Und: „Unsere Kunden wissen, dass wir ‧sieben Tage die Woche persönlich erreichbar sind. Auch wenn das sehr anspruchsvoll ist und von uns viel Organisation und Bereitschaft verlangt.“

Positive Erfahrungen hat er mit Whatsapp gemacht. Früher gab es diesen Service nur für Freunde und Bekannte, heute wird er von immer mehr Kunden genutzt. Rund 20 Prozent seiner Kunden kommen für eine Buchung gar nicht mehr ins Büro. „Viele schätzen aber auch heute noch das persönliche Gespräch vor Ort“, hat Kuschner festgestellt.

Gebucht wird unter anderem über Toma, die IBE von Onlineweg.de und über das Partnerprogramm TAAP von Expedia. Einige Buchungen kommen ‧inzwischen auch bereits über die eigene Website Onlineweg.store, obwohl die noch lange nicht so ist, wie der Reiseprofi sie haben will.

Eigener Content besser als Google-Ads
Erste, selbstgedrehte Filme zeigen, wohin es gehen soll: „Wir möchten möglichst viel eigenen Content einstellen und uns unverwechselbar machen. Mittelfristig sollen die Kunden merken, dass sie auf unserer Website sind.“ Das werde einige Jahre dauern, sei aber sinnvoller als Werbung in Google.

Darüber hinaus macht es offensichtlich Spaß: „Per Drohne Aufnahmen zu filmen, die Videos dann zu schneiden und zweiminütige Filme zu produzieren, das liegt mir einfach“, erzählt Kuschner. Die Aufnahmen für Instagram seien da fast nur noch eine Nebensache.

 
Von Matthias Gürtler