Reisebüros im Porträt

Teil 3 - Ohagen Reisen, Essen

Schick und gemütlich zugleich ist die Atmosphäre bei Ohagen Reisen

Schick und gemütlich zugleich ist die Atmosphäre bei Ohagen Reisen. Foto: Frank Kungl Design

Das Team (von links): Simone Bauer, Jürgen Ohagen, Maria Nattermann und Anne-Kathrin Rose

An dieser Straße neben Pizzerien, Spielotheken und Kneipen würde man Jürgen Ohagens Reisebüro wirklich nicht vermuten. Chic ist das Büro, das an eine Lounge in einem hippen New Yorker Stadtteil erinnert. Vielleicht etwas zu chic für die Arbeitergegend im Norden Essens. Und dennoch würde es dem 54-Jährigen nicht im Traum einfallen, das Viertel, in dem er groß geworden ist, zu verlassen.

Erst vor zwei Jahren gestaltete Ohagen das Büro um, in das seine Mutter 1978 mit einem Shop-in-Shop-System eingezogen war: Lotto spielen und eine Reise buchen, Bücher ausleihen und Kaffee kaufen. „Wer verreisen wollte, musste den ganzen Raum durchqueren“, erzählt Ohagen. „Die Counter waren hinten, das hat einige Kunden abgeschreckt, den Laden zu betreten. Und dann war da noch diese hässliche Lottotheke.“

2016 gewann er den Globus Award
Die verschwand 2016 ebenso wie die Kataloge. Wände wurden eingerissen, das Reisebüro wurde offener, das Mauerwerk an die Oberfläche geholt. Ohagens Schreibtisch steht im hinteren Teil, daneben die Kataloge. Von dort kann er in den Raum schauen. Wer mal warten muss, kann es sich auf einem Ledersofa gemütlich machen. Der industrielle Chic ist Konzept, für das Ohagen 2016 den Globus Award erhielt.

Der Reisebüro-Inhaber zeigt Flagge. Er zeigt, dass Essen seine Heimat ist, nicht zuletzt durch ein Foto der Mannschaft von Rot-Weiss Essen an der Wand. Ohagen brennt für den Verein. Vor Jahren hat er eine Facebook-Gruppe für Rot-Weiss-Essen-Fans gegründet. Nicht, dass er dort Angebote posten würde. „Die Fans interessieren sich, wer hinter der Seite steckt und landen so auf der Reisebüro-Seite.“

Pfand für Beratung
Wer im schwieriger gewordenen Reise-Geschäft bestehen will, muss rührig sein. Das hat der Essener erkannt. Wie viel Geld er investiert hat, will er nicht sagen. Und auch nicht, wie sich die Umgestaltung konkret auf den Umsatz aus‧gewirkt hat. „Es läuft gut, sehr gut sogar.“

Als einen Grund nennt Ohagen eine hohe Weiterempfehlungs-Quote. „Ich habe viele Kunden, die mich schon früher weiterempfohlen haben. Doch die Bekannten haben sich wegen der Optik nicht reingetraut.“ Ohagen, das sei die Lottobude gewesen. „Jetzt sind wir das schicke Reisebüro in Essens Norden, zu dem gezielt auch Kunden aus der Südstadt kommen.“

Je mehr der Experte erzählt, desto deutlicher wird, dass er gar nicht so sehr auf der Suche nach neuen Kunden ist. Unter anderem hat Ohagen nach der Wiedereröffnung einen Pfand eingeführt. 30 Euro zahlen Kunden für eine Beratung. „Die bekommen sie wieder, wenn sie buchen.“ Das schrecke den ein oder anderen Fremdkunden ab, was den Reisebüro-Inhaber aber auch nicht groß wurmt. „Mir geht es eher darum, meine Bestandskunden zu halten“, sagt er. Das gehe nur, wenn man etwas Besonderes schaffe.

Ohagen blickt sich um. „Bei uns sieht man keine Veranstalterwerbung, die Atmosphäre ist gemütlich.“ Der Kunde stehe im Mittelpunkt. „Er soll sich bei uns wie zu Hause fühlen.“

Wer einen Eindruck von Jürgen Ohagens Büro in Essen bekommen will, kann sich einen Imagefilm auf Youtube anschauen: www.youtube.com/watch?v=nW-FRgYnXnI

Von Ute Fiedler