Reisebüros im Porträt

Teil 6 - Inge's Reisewelt, Geilenkirchen

An der Beach-Bar werden ab und an Cocktails serviert

An der Beach-Bar werden ab und an Cocktails serviert. Foto: Inge's Reisewelt

Inge Scheffler
Mit diesem Auto fährt die Reiseexpertin durch die Straßen

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat Inge Scheffler nie bereut. Mehr als zehn Jahre ist es her, dass sie ihrer damaligen Chefin Lebewohl sagte und sich ihren Traum verwirklichte: mobile Reiseberaterin bei Solamento zu sein. 2018 hat die Geilenkirchnerin mit Inge’s Reisewelt die Eine-Million-Euro-Umsatzmarke geknackt.


Scheffler lebt für ihren Beruf. In ihrem ersten Leben, so erzählt sie, war sie Beamtin bei der Telekom. Nach dem Mutterschutz begann für sie dann das zweite, das richtige Leben. „Ich bin schon immer gerne viel gereist. Ich kannte alle Flughafencodes.“ Als sie Ende der 1990er Jahre wieder einmal eine Reise buchen wollte, machte es bei ihr klick. „Die Reiseverkäuferin wusste so vieles nicht. Da habe ich gedacht, das kann ich viel besser.“ So schaute sie sich nach einer Stelle im Reisebüro um. Und wurde fündig.

Lehrgänge, Schulungen, Webinare folgten. „Eine kaufmännische Ausbildung hatte ich ja bereits, zudem Erfahrungen durch die Öffentlichkeits‧arbeit bei der Telekom, so dass ich mich schnell eingearbeitet habe.“ Von 1997 bis 2008 blieb Scheffler in dem stationären Büro, bis ihr Unmut zu groß wurde. „Die besten Buchungen kamen oft erst gegen Abend“, erzählt sie. Darüber hinaus habe häufig die Zeit gefehlt, um die Kunden gut zu beraten. „Wir wurden oft unterbrochen, weil Leute ins Büro kamen.“ Sie habe sich nicht so verwirklichen können, wie sie sich das eigentlich vorgestellt hatte.

Während einer Inforeise lernte Scheffler 2004 eine Solamento-Reiseberaterin kennen. „Anja erzählte mit solcher Freude – das ließ mich einfach nicht mehr los.“ Vier Jahre später hatte sie den Mut, es ihrer Kollegin gleichzutun.

Ein Zimmer in ihrem Haus wurde zum Reisebüro umfunktioniert, die Wände mit Urlaubsbildern und Postkarten geschmückt, ein großer Monitor gekauft. „Bei einer Beratung schauen die Kunden mit auf die Angebote, was sie sehr schätzen. Ich arbeite transparent.“

Scheffler hat zahlreiche Stammkunden. Viele sind ihr gefolgt, als sie ihr damaliges Büro verließ. „Wo ist denn die Inge?“ – die Frage stellten damals nicht wenige. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda kamen immer mehr Kunden, auch Menschen, die nicht in Geilenkirchen leben. Scheffler berät auch Kunden etwa aus Holland und dem Süden Deutschlands.

Sie arbeitet nur auf Termin. Nicht selten nimmt sie sich anderthalb bis zwei Stunden Zeit. „Die Kunden fühlen sich gut aufgehoben“, sagt sie. Ab und an bietet sie den Gästen auch einen Cocktail an, „zum Beispiel wenn es um eine Aida- oder Karibik-Buchung geht“. Zu diesem Zweck gibt es eine Beach-Bar im Garten: Dort verbreiten Strandmuscheln, Palmen und Surfbretter Urlaubs-Feeling.

Abgefahrene Autowerbung
„Man muss Ideen haben, um sich von anderen abzuheben“, sagt Scheffler. „Und zwar eigene“, fügt sie hinzu. Immer wieder überlegt sie, wie sie auf ihr Büro aufmerksam machen, die Kunden binden kann. Vor Kurzem hat sie Reise-Bärchen nähen lassen, kleine Teddys, die mit den Kunden auf Reisen gehen sollen. „Die Fotos werden auf Facebook veröffentlicht.“

Auch dort ist Scheffler fast rund um die Uhr aktiv. Fotos von ihren zahlreichen Touren sind dort zu finden, Angebote, Aktionen. Fotos von ihrem schmucken Büro. Und eines von ihr in ‧einem Auto mit außergewöhnlicher Beklebung: Auf der Fahrerseite ist ein Frauenkörper im Bikini abgebildet. Setzt sich Scheffler hinters Steuer, sieht es aus, als würde sie im Bikini am Strand sitzen. „Die Werbung habe ich einmal bei einem Solamento-Wettbewerb gewonnen. Seitdem fahre ich damit umher. So manch einer würgt da schon einmal den Motor an der Ampel ab“, sagt sie und lacht. Man merkt, dass sie zufrieden ist. „Ich liebe einfach das, was ich tue.“

 

Von Ute Fiedler