Reisebüros im Porträt

Teil 8 - Reisebüro Kai Franzke, Andernach

Gute Laune ist ansteckend: Kai Franzke und seine Kolleginnen

Gute Laune ist ansteckend: Kai Franzke und seine Kolleginnen. Foto: Kai Franzke GmbH

 Mit außergewöhnlichen Kampagnen sorgen Kai Franzke und sein Team immer wieder für Aufmerksamkeit

„Wer am Markt bestehen will, muss den Umsatz pro Mitarbeiter nach oben bringen“, hatte Bernd Zillich 2018 eindringlich gewarnt und 800.000 Euro als unteren Richtwert angegeben. Damit hatte der Leiter der DRV-Arbeitsgruppe Reisebüro-Barometer heftige Diskussionen in der Branche hervorgerufen.

Einer, der diese Aussage unterstützt, ist Kai Franzke. Der 53-Jährige arbeitet seit 28 Jahren in der Touristik. 20 Jahre lang leitete er mit Partnern ein RTK-Reisebüro in Andernach, bevor er vor sieben Jahren sein eigenes Büro eröffnete. „Wenn ich lese, dass ein Büro mit sechs oder sieben Vollzeitkräften einen Umsatz von zwei Millionen pro Jahr hat, dann wundere ich mich schon etwas. Wie sollen da zum Beispiel immer die Gehälter gezahlt werden“, sagt Franzke.

Ein Handbuch wurde erstellt
Wie viel Umsatz er und sein Team machen, in dem vier Vollzeit- und drei Teilzeitkräfte arbeiten, will er nicht verraten. „Ein Coach hat mal gesagt, dass man erst von einem guten Mitarbeiter sprechen könne, wenn dieser einen ‧Umsatz zwischen 900.000 Euro und einer Million mache“, sagt Franzke. Er habe gute Mitarbeiter.

Franzke ist einer, dem man anmerkt, dass ihm das Wohl seiner Kollegen und die Atmosphäre im Büro wichtig sind. Er besucht Fortbildungen, tauscht sich mit anderen Büroleitern aus und delegiert. So hat er auch das Bespielen der Facebook-Seite einer versierten Marketing-Expertin übergeben, die auch Instagram betreut und Kontakte zu einem lokalen Radiosender hat. „Wir sind die Profis im Reisebereich, andere sind Profis im Bereich soziale Medien.“

Auch ein Reisejournal gibt das Reisebüro heraus. Täglich werden die Angebote online erneuert, ab und an erscheint das Journal als Print-Ausgabe mit Geschichten und Tipps seiner Mitarbeiter. „Das lassen wir ebenfalls von Profis machen, die auch Anzeigen der Veranstalter akquirieren.“ Der Andernacher ist rührig. Stillstand sei nichts für ihn, sagt er. Doch auch ihm fehle ab und zu die Motivation.

Ende 2018 holte er sich deshalb Unterstützung von einem Coach. Dieser beobachtete die Mitarbeiter beim Beratungsgespräch, schaute sich Arbeitsprozesse und Aufgabenbereiche an. Und auch die Einrichtung des Büros. „Wir hatten einen Rollwagen mit Katalogen im Eingangs‧bereich stehen. Den haben wir abgebaut und eigene Deko aufgestellt.“

Gemeinsam wurde ein Firmenunternehmenshandbuch erstellt. Darin steht zum Beispiel, wie Ordnung zu halten ist, wie man mit Service-Entgelt umgeht, wie man im Krankheitsfall die Kollegen informiert. Und wie eine Beratung ideal abläuft. „Dazu gehört, dass man aufsteht, wenn man den Kunden begrüßt und dass man ihn zum Beratungsplatz führt“, sagt der Reisebüro-Inhaber.

In seiner Heimatstadt ist Franzke bekannt wie ein bunter Hund, unter anderem auch durch sein Engagement in dem 700 Mitglieder starken Fußballverein SG 99 Andernach. Zwei Busse hat Franzke angeschafft. Mit diesen, beklebt mit Reisebüro-Werbung, geht es zu den Auswärtsspielen. „Wir nutzen sie aber auch als Flughafentransfer für unsere Kunden.“

Stammkunden in der Schweiz
Allein über die Vereinsarbeit hat er zahlreiche Stammkunden gewonnen. Und auch über Mund-zu-Mund-Propaganda. „Wir hatten vor Jahren mal einen Kunden aus der Schweiz. Mittlerweile haben wir dort an die 50, Menschen, die wir noch nie gesehen haben.“ Vor Weihnachten hat Franzke sie besucht – mit Geschenken im Gepäck. „Die beste Werbung sind zufriedene Kunden“, sagt er.

Auch wenn es bei ihm gut läuft, stören ihn doch der gestiegene Zeitdruck und weitere Veränderungen. „Was mich sehr ärgert, sind die extremen Nebenarbeiten, die uns Veranstalter ohne mehr Vergütung auferlegen. Auch die Antworten auf Beschwerden der Kunden, die wir aufgrund von Flugverspätungen, Ausfällen weiterleiten, dauern mitunter Monate, so dass die Kunden glauben, wir kümmern uns nicht.“ Das müsse sich in der nächsten Zeit dringend ändern, fordert er.

 
Von Ute Fiedler