Reisebüros im Porträt

Teil 21 - Scharff-Reisen, Speicher, Bitburg, Prüm

In den drei Reisebüros werden viele Reisen vor allem nach Afrika verkauft

In den drei Reisebüros werden viele Reisen vor allem nach Afrika verkauft. Foto: Scharff-Reisen

Jörg Scharffs Herz schlägt für Afrika

Schon immer sind Jörg Scharff und sein Vater eigene Wege gegangen. „Wir wollten zu keiner Zeit von einem Veranstalter abhängig sein“, sagt Jörg Scharff. „Das hat sich gerade jetzt, nach der Insolvenz von Thomas Cook, als absolut richtig erwiesen.“

Scharff ist Inhaber von drei TUI-Reisebüros in Speicher, Bitburg, Prüm und einem Veranstalter-Büro mit insgesamt 22 Mitarbeitern. Sein Vater Helmut hatte 1976 in Speicher angefangen, in seinem Zeitschriften- und Tabakladen mit Lottoagentur Reisen zu verkaufen. „Wie doch so viele damals“, erzählt Jörg Scharff. Er selbst machte eine Ausbildung zum Einzelhandels-, dann zum Reiseverkehrskaufmann, war nun als Reiseleiter viele Jahre in Namibia und Südafrika unterwegs. Und beschloss, als er Mitte der 1990er Jahre nach Deutschland heimkehrte, das Büro umzukrempeln. Die Anfrage einer Bank, eine Gruppenreise für 125 Teilnehmer nach Mexiko auszuarbeiten, brachte Vater und Sohn Scharff auf die Idee, ein neues Geschäftsfeld aufzubauen: Gruppenreisen. „Zum einen macht das Spaß. Zum anderen kann man andere Margen erzielen und Kunden ‧binden“, sagt der 50-Jährige. Und so boten Vater und Sohn vor gut 25 Jahren als eines der ersten Reisebüros Touren für Gruppen an.

Großes Gruppenreisen-Segment
Das Segment wurde immer größer. Zu den weltweit begleiteten Gruppenreisen kamen Leserreisen für Zeitungen und zu diesen Touren nach Afrika. „Wir haben sehr früh angefangen, direkt einzukaufen und nicht über Veranstalter zu buchen“, sagt Jörg Scharff, der beste Kontakte ins südliche Afrika unterhält.

Das Reisebüro wurde zum Reiseveranstalter. Mittlerweile umfasst der Afrika-Katalog 90 Seiten. Das Familienunternehmen ist an einer Agentur in Namibia und einer Lodge in Südafrika beteiligt.

Ein weiteres Geschäftsfeld hat sich der Reisebüro-Chef durch einen Zufall mit Tischtennis-Reisen aufgebaut. „Mein Vater hat Tischtennis gespielt und zu mir gesagt: ,Schau doch mal bei der Senioren-WM vorbei, da sind viele Menschen‘. Das habe ich gemacht.“ Vor Ort trafen Scharffs die Organisatoren, aus den Gesprächen entwickelte sich eine Zusammenarbeit: „Seit 16 Jahren bieten wir für die ,Tischtennissenioren‘ im Zuge der Senioren-Welt- und Europameisterschaften ein Programm an, organisieren die logistischen Herausforderungen vor Ort und bewegen so mehrere Hundert Gäste rund um den Globus.“ Zudem werden Fanreisen organisiert.

Das klassische Reisebüro-Geschäft macht bei den Scharffs noch etwa 45 bis 50 Prozent aus. „Ich glaube, dass Reisebüros sich spezialisieren müssen, um am Markt bestehen zu können.“ Gerade auf Messen, wo er und seine Mitarbeiter mit einem Jeep im Zebrastreifen-Look unterwegs sind, zeige sich, „dass die Menschen nach Spezialisten suchen, die sie persönlich beraten“.

Ein Risiko ist immer da
Eine gute Ausbildung der Mitarbeiter in diesem Bereich ist für Jörg Scharff das Nonplusultra. „Wir legen sehr viel Wert darauf, dass sie eigene Reisen begleiten und sich Fachwissen aneignen. Praktika im südlichen Afrika werden ebenso angeboten.“

So wichtig das Gruppengeschäft für Reisebüros ist, so schwierig ist es auch, weiß Scharff. „Man muss Luft haben, dieses zu realisieren. Und es muss einem bewusst sein, dass es auch Rückschläge geben kann.“ Des Öfteren sei er von einer Reise überzeugt gewesen, die jedoch keinen Anklang gefunden habe. „Und die, die wir ausprobieren wollten, liefen super. Man muss bereit sein, Risiken einzugehen. Und Geld, Herzblut und Leidenschaft zu investieren.“

Vor allem die Afrika-Reisen, die auch von anderen Reisebüros mit Provision gebucht werden können, liegen dem Experten am Herzen. Mittlerweile unterstützt sein Unternehmen eine Schule in Namibia und die Hope-Capetown-Stiftung in Südafrika, die sich um Kinder von an Aids erkrankten Eltern kümmert. „Mit vielen unserer Kunden sind wir vor Ort. Da geht einem das Herz auf“, sagt Scharff. „Vor allem solche Erlebnisse machen Kunden zu Stammkunden.“

Ute Fiedler