Reisebüros im Porträt

Teil 22 - Die Reisefee, Ingolstadt

Ungewöhnlicher Ort: das Reisebüro im Möbelhaus

Ungewöhnlicher Ort: das Reisebüro im Möbelhaus. Foto: Die Reisefee

Edith Leupold berät eine Kundin

Links die Abteilung für Handtücher, rechts der Aufzug und dann vis-à-vis die Fläche mit der Weihnachtsdeko. Edith Leupolds ‧Reisebüro „Die Reisefee“ ist in einem Möbelhaus, im Möbelhof in Ingolstadt zu finden.

Dort hat sie sich gemütlich eingerichtet: Katalogwände, zwei Counterplätze und Ledermöbel sowie Plakate an den Glasscheiben, durch die die Agentur abgetrennt ist, zeigen sofort, dass hier ein Reisebüro sein muss.

So ungewöhnlich der Standort ihres Reisebüros ist, so außergewöhnlich ist auch die Geschichte, wie die Fränkin zu ihrem Büro kam. 2014 war die damals noch mobile Reiseberaterin in dem Möbelhaus unterwegs. „Da mein mobiles Angebot bei den Leuten nicht so ankam, ‧hatte ich mir die ganze Zeit schon überlegt, mich stationär niederzulassen“, erzählt Leupold. Als sie einen kleinen Raum in dem Möbelhaus entdeckte, hatte sie sofort ein Bild von ihrem Büro vor Augen. „Ein Counter, eine Katalogwand – mehr Platz brauche ich doch nicht, habe ich mir gedacht.“

Auf der Rückfahrt nach Nürnberg, wo die Reiseexpertin bis heute lebt, hatte sie ihrem Mann von ihrem Projekt erzählt. Zu Hause angekommen, schrieb sie an den Hausleiter, der nach einigem Überlegen einverstanden war.

Die Möbel wollte das Paar gebraucht übers Internet kaufen, von einem Reisebüro, das zugemacht hatte. „Doch der Deal platzte und ich fuhr frustriert auf eine Inforeise“, erzählt die Reisebüro-Inhaberin. Was sie nicht ahnte: Das Geschäft mit den Reisebüro-Möbeln war nicht gescheitert. Ihr Mann hatte sie hereingelegt.

Während Leupold auf Mallorca weilte, holte er in Hamburg die Möbel ab, lagerte sie im Keller ein. „Und schenkte sie mir zum Geburtstag. Das war der Wahnsinn.“ Im Mai 2014 eröffnete die Quereinsteigerin, die sich Schmetterling anschloss, ihr Büro, damals noch im Kassen‧bereich des Möbelhofs. „Und dann passierte rein gar nichts. Ich hatte so gut wie keine Kunden, dafür schlaflose Nächte. Doch dann kam die Hauptbuchungszeit und die Leute standen vor meinem Reisebüro Schlange.“ Der Andrang sei riesig gewesen. „Der Knoten war geplatzt, auf einmal lief es.“

Schon bei ihrem ersten Besuch hatte Edith Leupold davon geträumt, ihr Reisebüro im Möbelhaus zu betreiben. Als das Erdgeschoss umgebaut werden sollte, packte sie die Gelegenheit beim Schopf, präsentierte dem Verantwortlichen die Idee – und zog um.

Seit November 2018 ist das Büro der Reisefee auf der Fläche, wo einst die Bettenabteilung war. Sie hat eine Halbtagskraft eingestellt, die sie vertritt, wenn sie auf Infoabenden, -reisen und Messen unterwegs ist.

Sie habe mittlerweile viele Stammkunden. „Die Leute sind froh, dass sie nicht in die Stadt fahren und dort dann erst einen Parkplatz suchen müssen. Sie kommen zu mir, sagen, was sie wollen, und gehen dann Möbel anschauen oder einen Kaffee trinken. Bis sie zurückkommen, habe ich ihnen Angebote zusammengesucht.“

Auch wenn der Anfang schwierig war, sie die Insolvenz von Thomas Cook gefordert hat – bereut hat sie den Schritt nicht. „Es macht riesigen Spaß“, sagt die Reiseexpertein. Vor allem Bausteinreisen stellt sie gerne zusammen. „Individuelle Reisen sind die Zukunft“, sagt sie. „Die Kunden erinnern sich viel eher an eine schöne Reise, die wir zusammen herausgesucht haben, als an eine Reise von der Stange.“

Von Ute Fiedler