Reisebüros im Porträt

Teil 23 - Kleine Reisewelt, Hagenbüchach

Außergewöhnlicher Arbeitsplatz: Christina Krauß arbeitet in einem Bauwagen

Außergewöhnlicher Arbeitsplatz: Christina Krauß arbeitet in einem Bauwagen. Foto: Kleine Reisewelt

Gemütlich ist es im Innern
Zwei Stühle, ein Schreibtisch, eine Kaffeemaschine - der Bauwagen hat alles, was ein Reisebüro braucht
Christina Krauß kann sich ein Arbeiten in einem "normalen" Büro nicht mehr vorstellen

Eigentlich war der Bauwagen als Übergangslösung gedacht. Doch heute, gut zehn Jahre später, steht für Christina Krauß fest: „Hier gehe ich nicht mehr raus“. Gemütlich hat die 49-Jährige ihre Kleine Reisewelt im fränkischen Hagenbüchach, 30 Kilometer von Nürnberg entfernt, eingerichtet. „Vielleicht ein bisschen oldschool“, sagt Krauß. „Ich habe wohl nicht den schicksten Schnickschnack, aber alles, was ein Reisebüro braucht.“

In dem Wagen, den Krauß’ Vater im vergangenen Jahr frisch in Grau gestrichen hat, gibt es einen Schreibtisch, zwei Stühle, einen Drucker, einen Kühlschrank und eine Kaffeemaschine. Außerdem ein paar Kataloge und Deko-Elemente. Über einen Bildschirm an der Wand können Kunden zudem sehen, was die Expertin an ihrem PC macht, „ohne sich den Kopf verdrehen zu müssen“.

Dunkelbraunes Holzlaminat, Postkarten an den Wänden und eine grüne Dschungelfototapete verströmen einen besonderen Charme. Die Kleine Reisewelt liegt mitten in einem Wohngebiet. Wer sie betritt fühlt sich schon fast wie im Urlaub. Und weil auch der Service stimmt, funktioniert die Mundpropaganda. In die Kleine Reisewelt gelangt man übrigens über einen hölzernen Steg, den Krauß’ Ehemann extra für Menschen mit Handicap gebaut hat. Ganz barrierefrei ist der Zugang zwar nicht, aber: „Ich hatte auch schon Rollstuhlfahrer hier.“

Die Idee, ihr Reisebüro in einem Bauwagen einzurichten, hatte Krauß nach der Geburt ihres zweiten Sohnes. 20 Jahre hatte sie zuvor in einer stationären Agentur gearbeitet. „Für mich war immer klar, dass ich in meinen Job zurückkehren werde“, erzählt sie. „Die Frage war nur, wie? Ich wollte meiner Familie gerecht werden, aber auch nichts im Job verpassen, was oft passiert, wenn man Teilzeit arbeitet.“

Besonderer Charme

Lange überlegte Krauß hin und her, bis in einer geselligen Runde die Idee aufkam, das Büro in einem Wohnmobil einzurichten. „Das wollte ich aber nicht. Schließlich hat mein Mann zu mir gesagt: ,Mach’s doch einfach wie Peter Lustig aus der Kultsendung Löwenzahn, der aus seinem blauen Bauwagen den Kindern die Welt erklärt hat‘.“

In einer Anzeige entdeckte die Familie ihren Wagen, den sie für 700 Euro kaufte und ‧zunächst auf dem Nachbargrundstück neben ihrem Haus aufstellte. Die Wände wurden mit Schrankwandplatten verstärkt und der Bollerofen wurde aus-, eine elektrische Marmorplatten-Heizung eingebaut. „Mittlerweile habe ich noch einen beheizbaren Teppich für die Füße. Da ist’s schön kuschelig warm im Winter.“

Für die heißen Tage im Sommer hat die Reiseexpertin mit einer Klimaanlage vor‧gesorgt. „Denn so ein Bauwagen heizt sich schnell ziemlich ein. Jetzt lässt es sich auch im Sommer gut aushalten.“

Dreimal musste das Gefährt in den vergangenen Jahren umgestellt werden. Die Eigentümer hatten das Grundstück, auf dem der Wagen stand, verkauft. Vor wenigen Jahren haben Krauß und ihr Mann jedoch die benachbarte Doppelhaushälfte und somit auch das Grundstück erworben. „Eigentlich hätte ich mit meinem Büro in das neue Haus ziehen können“, sagt Krauß, entschied sich aber dagegen. Der Grund: „ Ich wollte nicht das Besondere und Einzigartige verlieren.“ Der Bauwagen ist längst zum Markenzeichen ihrer Kleinen Reisewelt geworden.

Ute Fiedler