Reisebüros im Porträt

Teil 29 - Reisebüro Stiefvater, Weil am Rhein

Dass sich das Reisebüro auf Kreuzfahrten spezialisiert hat, zeigt schon die besondere Einrichtung

Dass sich das Reisebüro auf Kreuzfahrten spezialisiert hat, zeigt schon die besondere Einrichtung. Foto: Markus E. Ruf, Ralf Quass Innenarchitektur, Grabner Projects

Bilder und Accessoires aus der Schifffahrt entführen den Gast an Bord eines Ozeanriesen
Viel Liebe zum Detail
Auch Aron Stiefvater bindet sich ab und an selbst die Schürze um

Mit Innovationen und außergewöhnlichen Ideen hat die Familie Stiefvater schon oft für Gesprächsstoff gesorgt. Da macht der neueste Coup, ein Café mit Kreuzfahrten-Reisebüro, keine Ausnahme.

Die Idee dazu hatte Aron Stiefvater 2017 während einer Kreuzfahrt auf der Europa von New York auf die Bahamas. „Die Vielfalt hat mich begeistert, ebenso das Gastro-Angebot. Ich habe mich sehr wohlgefühlt. Warum kann man nicht ein solches Konzept auf ein Reisebüro übertragen, habe ich mich damals gefragt?“

Bei der Träumerei blieb es nicht. Gut anderthalb im April dieses Jahres eröffneten Stiefvaters ihren siebten Standort. In Weil am Rhein, einem Örtchen im Dreiländereck, in einer Region, die ihren Fokus nicht gerade auf dem Kreuzfahrtsegment hat. Der Umsatzanteil liegt derzeit etwa bei zehn Prozent. „Mit unserem neuen Konzept wollen wir ihn deutlich steigern. Das Potenzial ist da“, ist der 34-Jährige überzeugt.

„Kaffee und Kreuzfahrt“ heißt das gemütliche Café mit ausgebildetem Barista und mit integriertem Reisebüro. Dass es sich auf Kreuzfahrten spezialisiert hat, wird schon beim Betreten der Räume deutlich: Die Theke ist als Schiffsbug gestaltet. Die Counter sind geschwungen, der Boden besteht aus Planken, es gibt sogar ein Shuffleboard. Taue sind zwischen Decke und Boden gespannt, Bilder, Accessoires aus der Schifffahrt entführen den Gast an Bord eines Ozeanriesen.

Das Konzept hat Stiefvater mit dem Architekten Ralf Quass und der Schreinerei Grabner gemeinsam erarbeitet. „Alle Möbel sind Maßanfertigungen und Unikate“, erzählt Stiefvater. Wie viel er in Büro Nummer 7? investiert hat, will er nicht sagen. „Es ist die größte Investition in der Geschichte unseres Unternehmens.“

Fünf Mitarbeiter beraten die Urlauber. Zum Teil sind es externe Kreuzfahrtexperten, die Stiefvater eingestellt hat. „Zum Teil haben wir aber auch unsere eigenen Mitarbeiter fortgebildet. Sie haben zum Beispiel Praktika in Reedereien gemacht.“ Sie sind auch für Kreuzfahrt-Buchungen der anderen Büros zuständig.  

Know-how ist für den Geschäftsführer der Schlüssel zum Erfolg. „Reisebüro-Mitarbeitern ist es unmöglich, sich in allen Bereichen auszukennen, deshalb haben wir uns in diesem Büro spezialisiert.“ Für jeden Kunden gebe es das passende Schiff, zeigt sich Stiefvater überzeugt. Das passende Produkt könne man jedoch nur finden, wenn man seinen Kunden auch kenne.

Deshalb hat die Familie mit „Kaffee und Kreuzfahrt“ einen Ort geschaffen, der auch zum Austausch dienen soll. „Die Leute können auch einfach nur auf einen Cappuccino vorbeikommen und mit uns reden.“ Ein Stück Kuchen gibt es auch dazu. Den backen seine Schwester, seine Mutter und eine Cousine seiner Mutter täglich frisch. Eine weitere Besonderheit, die die Gäste neben dem hervorragenden Schweizer Kaffee laut Stiefvater schätzen.

Gut zwei Monate nach der Eröffnung ist der Unternehmer durchaus zufrieden mit der Entscheidung für das besondere Reisebüro. „Spaß macht es“, sagt er. Und meint damit auch, dass er ab und zu selbst die Schürze anlegt und seine Kunden mit Kaffee und Kuchen bewirtet.

Für das Konzept wurde Aron Stiefvater mit dem Globus Award 2019 ausgezeichnet. Kaffee und Kreuzfahrt landete in der Kategorie "Beste Gestaltung" auf Platz 1 - alle Juroren vergaben die Höchstpunktzahl.

 
Ute Fiedler