Polarlichter in Nordskandinavien sehen – aber wo stehen die Chancen wirklich gut? Ein neuer Index bewertet nicht nur Sonnenaktivität und Wetter, sondern auch Lichtverschmutzung, Erreichbarkeit und Unterkünfte. Das macht die Reiseplanung erheblich realistischer.
Praktisch immer kommen die Leute zu uns und sagen: Ich will für ein langes Wochenende nach Tromso, um Polarlichter zu sehen“, erzählt André Detroit. Solche Anfragen sind für den PR-, Marketing- und Innovationsverantwortlichen von Nordic Team Travel Alltag. Das auf Skandinavien und die Polarregionen spezialisierte Reisebüro berät seit mehr als 20 Jahren zu Reisen in den Norden.
Tromso sei dabei nicht das Problem, betont er. In die norwegische Stadt gebe es Direktflüge ab Deutschland, zahlreiche Hotels und eine gut ausgebaute touristische Infrastruktur. Doch wer nur für die Polarlichter komme, sollte genauer hinschauen. Die gebe es, allerdings nicht direkt vor der Haustür. Viele Reisende erwarteten aber, in der Stadt einfach vor die Tür zu treten und das Naturschauspiel zu erleben. Doch Lichtverschmutzung, Küstenwetter und Wolken erschweren die Sicht. Polarlicht-Touren führten deshalb aus Tromso hinaus: Laut dem Polarlichtindex liegt die Sichtungschance direkt in der Stadt bei rund 30 Prozent, im außerhalb gelegenen Malangen dagegen bei bis zu 75 Prozent.
Aus dieser wiederkehrenden Beratungssituation entstand die Idee für den Polarlichtindex. Detroit wollte nicht einfach bekannte Ziele für Nordlichtreisen auflisten. Ihn beschäftigte vielmehr die Frage, wo Reisende die Chancen auf Sichtungen mit einem angenehmen Urlaub verbinden können: also mit guter Erreichbarkeit, passenden Unterkünften und möglichst ohne abendliche, stundenlange Fahrten durch die Kälte.

Mehr als hohe Sichtungsquote
„Ich möchte Polarlichter sehen und brauche eben auch eine entsprechende Umgebung“, beschreibt Detroit seinen Ansatz. Es gehe nicht nur darum, einen Punkt auf der Karte mit einer hohen theoretischen Wahrscheinlichkeit zu finden. Ein kleiner Ort im Polarlichtoval könne statistisch hervorragend abschneiden – doch wenn er schwer erreichbar sei und keine geeigneten Hotels biete, sei er für viele Reisende keine wirkliche Alternative.
Für die Entwicklung des Index recherchierte Detroit mehr als vier Wochen. Er trug Daten zusammen, verglich Regionen und arbeitete sich Schritt für Schritt durch immer neue Fragen. So fließen in die Bewertung nicht nur Sonnenaktivität und die Lage innerhalb des Polarlichtovals ein. Berücksichtigt werden auch historische Sichtungsdaten, die durchschnittliche Bewölkung in den Wintermonaten, Lichtverschmutzung und regionale Wetterbesonderheiten.
Hinzu kommen praktische Kriterien, die bei klassischen Aurora-Apps meist außen vor bleiben: Wie ist ein Ziel erreichbar? Gibt es gute Unterkünfte? Kann man Polarlichter direkt von der Unterkunft aus beobachten? Oder sind geführte Touren fast zwingend nötig?
Realistische Erwartungen für die Reiseplanung
Auch die Aufenthaltsdauer spielt laut Detroit eine zentrale Rolle. Wer am Freitagabend anreise und am Montagmorgen zurückfliege, brauche für eine Sichtung viel Glück. „Der ideale Zeitraum ist eigentlich fünf Nächte, um in den entsprechenden Regionen wie zum Beispiel Alta, Nordschweden oder Nordfinnland mindestens einmal Polarlichter zu sehen.“
Der Index soll damit keine Garantie liefern, sondern Erwartungen realistischer machen und die Beratung erleichtern, erklärt der Experte. Je nach Reisewunsch könnten unterschiedliche Ziele passen: Finnisch-Lappland etwa für Gäste, die von einem Glasiglu träumen, Alta für entspanntere Norwegen-Reisen oder die Lofoten und Senja für Reisende, denen vor allem die spektakuläre Landschaft wichtig sei. Allerdings seien gerade die norwegischen Küstenregionen stärker vom Wetter abhängig.
An der Spitze des Rankings steht Abisko in Nordschweden. Die Region punktet mit geringer Lichtverschmutzung, einer günstigen Lage im Polarlichtoval und einem besonderen Mikroklima. Der sogenannte Blue-Hole-Effekt sorgt dort häufig für Wolkenlücken, während es in der Umgebung bedeckt sein kann. Nordic Team Travel nennt für Abisko zwischen Oktober und März durchschnittlich 125 bis 135 Nächte mit Polarlichtern.
Abisko ist zugleich Detroits Favorit. „Zum Fotografieren und auch zum Filmen ist das für mich der perfekte Ort“, sagt er. Der Index findet sich auf nordicteamtravel.de.



