
Update 10. August 2026
Wegen des anhaltenden extremen Niedrigwassers operieren die Flusskreuzfahrtanbieter weiterhin im Krisenmodus. Reiseabsagen, Umroutungen und Schiffswechsel nehmen zu, eine Besserung der Lage ist nicht in Sicht.
Die Situation auf Europas Wasserstraßen, insbesondere auf den wichtigsten Flusskreuzfahrtrevieren Rhein und Donau, spitzt sich mit Blick auf die sinkenden Pegelstände weiter zu. Durch Hitze und ausbleibenden Niederschlag nehmen die Pegelstände bereits seit Wochen stetig ab. In Kaub am oberen Mittelrhein beispielsweise beträgt der Wasserstand nach Angaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes schon jetzt nur 17 Zentimeter – für kommenden Freitag werden gerade noch vier Zentimeter erwartet.
Kreuzfahrtanbieter versuchen, Absagen zu vermeiden
Trotz dieser dramatischen Entwicklung auf einem Teil des Rheins sollen Reiseabsagen die Ausnahme bleiben, betonen die Flussreiseanbieter. Häufiger sind Änderungen von Routen, Reiseabläufen sowie Ein- und Ausschiffungshäfen. touristik aktuell liefert zum Wochenbeginn einen aktuellen Stand.
Arosa
Bei Arosa kommt es zu Anpassungen bei der Ein- und Ausschiffung und stellenweise auch bei den Anlaufhäfen. Ziel sei es nach wie vor, die geplanten Routen möglichst wie vorgesehen durchzuführen, heißt es aus der Reedereizentrale in Rostock. Im Falle von Änderungen oder Einschränkungen prüfe man die Ansprüche der Gäste auf Grundlage der jeweiligen Reisesituation und der geltenden AGB. Sollte ein Reiseverlauf nur noch mit umfangreichen Einschränkungen möglich sein, sehe man sich leider gezwungen, Abfahrten abzusagen, so Arosa. Auch in diesen Fällen informiere man so früh wie möglich und biete flexible Umbuchungen an.
Croisi Europe
Derzeit seien bei den deutschsprachigen Abfahrten weder Schiffe noch Routen oder Passagiere von Absagen oder wesentlichen Programmänderungen betroffen, teilt die französische Reederei auf Anfrage mit. Die vorgesehenen Reisen und Reiseverläufe konnten demnach bislang wie geplant durchgeführt werden. Croisi Europe setzt auf vielen europäischen Flüssen vergleichsweise kompakte Schiffe mit geringem Tiefgang ein – teils von lediglich 80 bis 90 Zentimetern. Ergänzend kommen auf ausgewählten Routen eigens entwickelte Schaufelradschiffe mit kombiniertem Jet-Antrieb zum Einsatz. Diese Konstruktion ermöglicht es laut Unternehmen, auch Flüsse mit geringeren Wassertiefen zu befahren und erhöht die operative Flexibilität bei Niedrigwasser.
Sollten aufgrund außergewöhnlicher Pegelsituationen Anpassungen erforderlich werden, will Croisi betroffene Gäste und Vertriebspartner umgehend informieren und gemeinsam nach der bestmöglichen Lösung suchen. Etwaige Ansprüche richten sich dabei nach Art und Umfang der jeweiligen Änderung und werden im Einzelfall geprüft, heißt es.
Nicko Cruises
Die Stuttgarter konnten nach eigener Aussage viele Reisen auf dem Rhein durch Anpassungen im Routing durchführen. Lediglich zwei Kreuzfahrten seien bislang abgesagt worden. Aktuell sind Ein- und Ausschiffungen in Köln, Düsseldorf und Duisburg aufgrund der Wasserstände nicht möglich. Daher weichen die Nicko-Schiffe auf alternative Häfen wie Nijmegen oder Utrecht aus.
Ob eine Reise angepasst oder abgesagt werden müsse, werde auf Basis der aktuellen Entwicklung der Pegelstände, Temperaturen und Niederschläge entschieden, erläutert Nicko Cruises. Partner und Gäste würden „proaktiv“ informiert – „so früh wie möglich, aber mit dem nötigen Vorlauf, um eine verlässliche Prognose abgeben zu können“, heißt es aus Stuttgart.
Auf der Donau mussten die Schwaben bislang 19 Reisen absagen. Anfangs waren ausschließlich die langen Routen zum Schwarzen Meer beziehungsweise ins Donaudelta betroffen. Aufgrund der anhaltend niedrigen Wasserstände konnten zuletzt jedoch auch klassische achttägige Reisen von Passau nach Budapest und zurück nicht stattfinden.
Zur Einordnung erläutert das Unternehmen, dass die 21 bislang abgesagten Reisen rund 2,5 Prozent des gesamten jährlichen Abfahrtsvolumens entsprächen.
Phoenix Reisen (Update 13.30 Uhr)
Phoenix Reisen will die geplanten Flusskreuzfahrten trotz der derzeit niedrigen Wasserstände nach Möglichkeit wie vorgesehen durchführen. Das Unternehmen verweist auf seiner Website darauf, dass sich die Lage auf den einzelnen Flussabschnitten stark unterscheide und teils bereits wenige Zentimeter darüber entschieden, ob eine Passage möglich sei. Routen- oder Schiffsänderungen könnten aufgrund der nicht vorhersehbaren Lage aber auch kurzfristig notwendig werden.
Für gebuchte Flusskreuzfahrten auf Rhein und Donau mit Abfahrt bis einschließlich 21. August 2026 bietet der Veranstalter aber eine kostenfreie Umbuchung an. Ausgenommen sind Reisen nach Holland und Belgien.
Plantours (Update 13.50 Uhr)
Zwei Schiffe des Hamburger Veranstalters liegen derzeit ohne Passagiere fest: die Lady Cristina und die Rousse Prestige. Die Rhein-Kreuzfahrten der Lady Diletta und der Elegant Lady wurden in die Niederlande umgeroutet. Das Boutiqueschiff Sans Souci befährt indessen fahrplanmäßig den hohen Norden.
Thurgau Travel
Stand heute steht Thurgau Travel nach eigenen Angaben bei 15 Umroutungen seit Juni, allesamt betreffen Rhein, Mosel oder Donau. Kunden erhalten die Möglichkeit der Umbuchung auch auf eine komplett andere Reise im gleichen Zeitraum, beispielsweise auf auf Havel und Oder, wo derzeit noch keine wasserstandsbedingten Anpassungen vorkommen. Je nach Maß der Änderung ist auch der Reiserücktritt möglich. Laut Thurgau Travel waren bisher rund 1.900 Gäste betroffen.
Dass es bislang noch zu keiner Absage kam, erklärt die deutsche Tochter des Schweizer Flussreisespezialisten mit der Flussreisebegeisterung der schweizerischen Stammkunden: Dass diese auch Alternativen in Kauf nehme und Reisen dadurch durchgeführt würden, komme letztlich auch den deutschen Gästen zugute.
Viva Cruises
Die anhaltende Niedrigwassersituation ist nach Einschätzung von Viva Cruises vor allem wegen ihrer bislang ungewöhnlichen Dauer eine Herausforderung für die Flusskreuzfahrtbranche. Die Mosel sei bereits im Juli nicht mehr befahrbar gewesen, betroffene Reisen wurden auf den Rhein umgeroutet. Auf der Donau können die Viva-Schiffe nicht mehr von Wien in Richtung Bratislava und Budapest fahren. Die Strecke zwischen Passau und Wien wird laut Anbieter dagegen weiterhin bedient.
Auf dem Rhein hat Viva Cruises einen Schiffswechsel vorgenommen: Im Zeitraum vom 24. Juli bis 14. November 2026 wird anstelle der Viva Moments die baugleiche William Wordsworth eingesetzt. Für Gäste ändere sich durch den Schiffswechsel nichts weiter, Unterschiede gebe es lediglich beim Innendesign. Die Route, das Reiseprogramm, die Kabinennummer und alle gebuchten Leistungen bleiben unverändert. Die betroffenen Reisen hat der Veranstalter in einer Übersicht aufgelistet.
Zwei Reisen mussten abgesagt werden. Planmäßig stattfinden können dem Unternehmen zufolge Reisen auf Seine, Rhone, Douro sowie auf regulierten Kanälen und entlang der norddeutschen Küste.


