Reisevertrieb

Schmetterling: Reisebüro-Beirat fordert elf Prozent Provision

Der Schmetterling-Reisebüro-Beirat fordert elf Prozent Provision ab der ersten Buchung: Mehr Geld für die Reisebüros

Der Schmetterling-Reisebüro-Beirat fordert elf Prozent Provision ab der ersten Buchung: Mehr Geld für die Reisebüros. Foto: pixabay

„Zehn Prozent ab der ersten Buchung ist nicht klug.“ Diese kürzlich getätigte Aussage von Hubert Kluske, Vertriebs- und Marketing-Chef von TUI Deutschland, schlug in der Branche hohe Wellen. Andre Bruns, Sprecher des Schmetterling-Reisebüro-Beirates und Vertreter von mehr als 2.000 Reisebüros, dreht den Spieß jetzt um. Er fordert für Reisebüros mindestens elf Prozent Provision ab der ersten Buchung.

Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, hat der Schmetterling-Reisebüro-Beirat eine Kampagne unter dem Hashtag „#11plus“ gestartet. Der Beirat fungiert als Schnittstelle zwischen der Geschäftsführung der Schmetterling-Kooperation und ihren Mitgliedern. „Seit Jahren müssen Reisebüros eine effektive Provisionskürzung fast aller Veranstalter widerstandslos hinnehmen“, meint Bruns. Auch die großen Reisebüro-Kooperationen hätten daran nicht viel ändern können.
 

Umdenken in der Branche

Bruns, der als Inhaber des Reisebüros Höhenflug Reisen in Osnabrück auch seit 15 Jahren im TUI-Inhaberbeirat sitzt, fordert deshalb ein Umdenken in der Branche. Reisebüros müssten sich gegen diesen Trend zur Wehr setzen. Mit der neuen Kampagne soll eine Diskussion über die Zukunft des Reisevertriebs aus Sicht des Reisebüros angestoßen werden. „Ich suche keine Konfrontation“, meint Bruns. Es gebe unter den Reisebüros aber sehr viel Frust.

Der Reisebüro-Inhaber fordert zudem die Reisebüro-Kooperationen auf, sich der Kampagne „#11plus“ anzuschließen und sieht insbesondere seine eigene Schmetterling-Kooperation, die der Reisebüro-Allianz QTA angehört, in einer „besonderen“ Verantwortung. „Herr Bösl als Sprecher der größten Reisebüro-Allianz in Deutschland muss dieses Thema mit uns ernsthaft diskutieren und Lösungen erarbeiten“, fordert Bruns.
 

Reisebüros sind in der Pflicht

Er sieht aber auch andere Reisebüro-Kollegen in der Verantwortung. „Wir selbst müssen auch umdenken“, ist Bruns überzeugt. Kein ordentlicher Kaufmann könne Produkte verkaufen, die für ihn nicht auskömmlich seien. Es könne niemand ernsthaft darüber nachdenken, beispielsweise L'Tur-Produkte für eine Provision von fünf Prozent zu verkaufen.

Es sei fast schon ein Hohn, dass Reisebüros ihre Margen mit Service-Entgelten erhöhen sollen. „Es kann nicht Aufgabe der Reisebüros sein, das Versagen der Veranstalter, den Vertriebspartnern eine auskömmliche Provision zu zahlen, dadurch kompensieren zu müssen“, so der Sprecher des Schmetterling-Reisebüro-Beirats.

 
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Kommentare (5)

  • Marita Althaus
    vor 1 Woche
    Auch ich bin für 11%. Was ich allerdings schon seit Jahren vermisse, ist ein Aufbegehren der Branche, dass sich der Branchenriese TUI erlaubt, bei Storno nur 5% an seine Handelsvertreter aus zu zahlen. Das ist besonders ungehörig. Keiner sagt hierzu ein Wort???
  • Harald Weber
    vor 1 Woche
    Wenn man sich die vergangenen Jahrzehnte anschaut, hat man das Gefühl die Reisebüros sind die Pussis der Wirtschaft. Warum gibt es immer noch Reisebüros die trotz nicht gezahlter Provisionen Flüge buchen?
    Es wird in den Medien viel Mist verbreitet. Der größte Mist ist der Ratschlag eine Bearbeitungsgebühr von Seiten der Reisebüros einzuführen. Wenn man gar keine stationären Buchungen mehr haben will, sollte man das machen. Dann könnte man aber auch gleich die Webadressen der großen Buchungsportale weitergeben.
  • ta - Matthias Gürtler
    vor 1 Woche
    Hallo Frau Althaus, die Storno-Provision von TUI wird seit Jahren immer wieder öffentlich kritisiert. TUI weiß das auch. Das Argument dazu ist seit Jahren gleich, wird aber nur hinter vorgehaltener Hand geäußert: Man könne diese Provision erhöhen, müsse dann aber woanders kürzen.
  • H. Lessner
    vor 1 Woche
    Ich teile die Meinung von Herrn Bruns. Es gibt diese Veranstalter ja durchaus. Dazu gehört vielleicht einfach das Umdenken von allen Reisebüros dort zu buchen und nicht "gesteuert" buchen in Hoffnung auf gute wirtschaftliche Ergebnisse. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Ehemalige Leitveranstalter sind immer noch im Steuermodus, während andere dem Reisebüro vertrauende Veranstalter die Buchungen einsammeln. Kein Reisebüro muss Reisen unterhalb jeglicher Wirtschaftlichkeit buchen. Es gibt Alternativen. In jeder anderen Wirtschaftsbranche prüft die Chefin/der Chef die Wirtschaftlichkeit der Produkte und Dienstleistungen.

    Wir Reisebüros möchten uns nicht damit beschäftigen, ob der Reisegast in der Direktvermarktungsmaschinerie des Veranstalters verschwindet. Leider gibt es auch da reichlich Beispiele. Das schwächt gegenseitig. Gemeinsame Marketingaktionen direkt mit uns Reisebüros sind nahezu ausgestorben. Warum eigentlich? Insbesondere denke ich an Postmailings. Mittlerweile die Excoten der Werbung. Aber mit Eintritt der DSGVO sehe ich da echte Chancen der Kundengewinnung.

    Der Kunde sollte dort buchen, wo alle gewinnen!
  • Alfred Rohrmoser
    vor 5 Tagen
    Ich finde es toll das der Schmetterling Beirat dieses Thema angeht! 11% Mindestprovision sind allerhöchste Zeit.

    Denn es ist höchste Zeit für mindestens 11% Provision! Die Reisebüros ersticken an immer mehr Arbeit: Datenschutz, Informationspflichten, Flugänderungen, Reiseänderungen durch die Veranstalter, Pauschalreiseverordnung, uvm... und den damit verbundenen Mehrkosten sowohl bei Personal, Arbeitszeit und Material. Hinzu kommt das kaum ein Reiseveranstalter noch Reiseunterlagen gedruckt zur Verfügung stellt und die Reiseveranstalter diese Kosten ebenfalls an die Reisebüros abwälzen! Also 11% ist höchste Zeit als Mindestprovision, 13% sollten bei Veranstaltern wo man durchschnittlich bucht sowieso die Regel sein, und Steigerungen bis 15-16% für sehr gute Umsatzpartner. Die Mietwagenanbieter wie z.B. Sunnycars machens vor mit über 15% bzw. 16,5%. Da sollten sich die anderen Leistungsträger ein Beispiel nehmen.

    In unserem Büro haben sich zum Beispiel in den letzten 1,5 Jahren die Kosten für Druck, Papier, Toner, Kopier unglaublich aber wahr (Auswertung Buchhaltung) vervierfacht. 4x soviele Kosten nur weil die Veranstalter und Reedereien nicht Mal der logischen Verpflichtung nachkommen ordentliche Reiseunterlagen zur Verfügung zu stellen. Kosten für Dokumententaschen, Kofferanhänger und Voucherhefte sind da, die wir nun ebenfalls selbst drucken lassen noch gar nicht eingerechnet. Ebenso sind auch nicht die Kosten für Reiseführer eingerechnet, war es früher üblich das man z.B. für Rundreisen vom RVA auch einen Reiseführer bekam, muß man auch das nun auf eigene Kosten machen.

    Ebenfalls nicht zu vergessen sind die immer höhreren Kosten die uns im Büro entstehen, weil die Veranstalter immer öfter Reiseverläufe, Reiseänderungen und Flugänderungen an uns herantragen und auch hier wir immer mehr Mehrarbeit haben die Kunden zu informieren, umzubuchen bzw. neue Unterlagen auszustellen. Ganz zu schweigen vom Ärger der Kunden - den wir Reisebüros abfedern müßen, Fluglinien und Reiseveranstalter verstecken sich hinter Callcentern mit ewig langen Wartezeiten und so läßt Kunde bei diesen Dingen auch den Dampf im Büro und nicht bei Airline und Veranstalter ab.

    Auf Grund der enorm gestiegen Kosten für uns als Büro für das Ausstellen der Unterlagen sind wir auch beim Überlegen ob wir in Hinkunft nicht den Reiseveranstaltern einen Druckkostenbeitrag verrechnen. Denn es kann ja nicht sein das wir diese Kosten tragen, die die Pflicht des VA sind. Wenn ich in den Supermarkt gehe und mir eine Packung Kekse kaufe, dann muß auch der Produzent die Verpackung herstellen und kann nicht den Supermarkt damit beauftragen die Kekse zu verpacken und die Kosten dann auch noch zu tragen. Es gibt wohl keine Branche die in letzter Zeit so viel geneppt wird, wie die Reisebüros! Also - tolle Sache das der Schmetterling Beirat hier die Stimme erhebt! Weiter so - wieder Mal Stolz Partner von Schmetterling zu sein.

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