Reisevertrieb

Cook-Insolvenz: Erste Klagen gegen Reisebüros

Hätten Reisebüros vorhersehen müssen, dass Thomas Cook kurz vor der Pleite steht?

Hätten Reisebüros vorhersehen müssen, dass Thomas Cook kurz vor der Pleite steht? Foto: mg

Sechs Wochen nach der Insolvenz von Thomas Cook haben die ersten Reisebüros Kundenklagen aufgrund angeblich falscher Beratung erhalten. Dabei geht es um die Frage, ob Reisebüros die Pleite von Thomas Cook hätten voraussehen können.

So wird etwa ein Thüringer Reisebüro auf Schadenersatz in Höhe von annähernd 2.000 Euro verklagt, da man die Kunden auf Anweisung von Neckermann darauf hingewiesen habe, den noch zu entrichtenden Reisepreis per Überweisung zu bezahlen. Der Grund dafür war, dass Thomas Cook zu diesem Zeitpunkt das Sepa-Verfahren ausgesetzt hatte.

Aus Sicht von RTK-Chef Thomas Bösl sind die Vorwürfe haltlos: „Das ist völliger Blödsinn“, zeigte sich Bösl auf der RTK-Jahrestagung in Hamburg überzeugt. Dem schließen sich auch andere Vertriebsprofis an: Bei Thomas Cook Deutschland habe es noch drei Tage vor der Insolvenz keinerlei Zahlungsengpässe gegeben, die auf eine Pleite hätten schließen lassen. Auch große Online-Reisebüros hätten Reisen von Neckermann & Co weiter ohne Einschränkungen vermittelt.

Darüber hinaus seien Provisionen immer pünktlich gezahlt wurden, in Berlin habe der Konzern im August sogar noch ein neues Flagship-Reisebüro eröffnet. Zudem sei immer wieder beteuert worden, mit Fosun einen soliden Investor gefunden zu haben (siehe hier)

Von den obigen Klagen abgesehen steigen die Schadensfälle für Reisebüros weiter an. Besonders betroffen sind Öger-Profi-Partner, die zum Teil Provisionsausfälle in Höhe von rund 100.000 Euro verkraften müssen. Allein bei der QTA-Allianz sind inzwischen 60.000 Schadensfälle mit einer Gesamtausfallsumme von 15 Millionen Euro aufgelaufen. Und dabei seien weder alle Fälle für 2019 noch die Ausfälle für gebuchte Reisen im Jahr 2020 enthalten, betont QTA-Sprecher Thomas Bösl.

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Kommentare (5)

  • Wolfgang Hoffmann
    am 08.11.2019
    ...gut. Es hat also vorher kein Thinktank existiert, in dem die offensichtlich katastrophalen Folgen - nicht nur für einzelnen Reisebüros - wenigstens mal vorher durchgespielt worden wären. Mich juckt das nicht. Als Rheinländer lebe ich eh nach dem Rheinischen Imperativ, der da heißt: Et kütt wie et kütt. Und im Nachsatz, Artikel 2: Et hätt noch immer juut jejange.
    Äwwer et hätt nicht! Und jetzt? Setzt man sich jetzt zusammen? Werden jetzt fähige Köpfe ausgeguckt, die man gefälligst solange in einen gemeinsamen Sack steckt, bis die Stimme raus dringt: Lasst uns raus, wir haben eine gemeinsame Lösung gefunden! Nein! Nix! Da heißt es immer noch: Nee, mit der setz ich mich nicht zusammen, die is blöd. Oder Wenn der dabei is, dann komm ich nicht!
    Liebe Branche, so geht das nicht weiter. Wir stehen vor einem dicken Problem. Der mensch muss essen. Er muss atmen. Und watt für't Häzz brauch er auch. (für Süddeutsche: Was zum Schmusen wäre nicht schlecht)
    ...aber der Mensch muss nicht verreisen! Muss er nicht. Ehrlich! Vielleicht muss er ja Urlaub machen. Aber dafür braucht er uns, unsere Branche am allerwenigsten. Das ist unsere nahe Zukunft. Und mittelfristig wird der Schaden, der gerade erst sichtbar wird nicht kleiner, sondern größer.
    Einer sagt, "nö, wir müssen die Pauschalreise nicht neu erfinden" Hallo?! Wenn nicht jetzt, wann dann? Die gesamte Touristik gehört auf den Prüfstand. Und dazu gehören alle, die mitreden können, alle von der Vertriebsfront und alle von der Herstellerfront. Und alle gehören in den oben beschriebenen Sack!
  • lisa möller
    am 08.11.2019
    wolfgang hoffmann hat vollkommen recht, dass sich alle, die in der tourisitk tätig sind, sich um eine gemeinsame lösung zur haftung zusammensetzen müssen und am besten gleichzeitig die PRRL anpassen.
  • Hans-Peter Jeschke
    am 11.11.2019
    Leeven Wolfjang,

    es drängt sich sowieso mehr und mehr der Eindruck auf, dass vor allem eine Kooperation versucht hier Kapital für weitere Expansion aus der Sache Cook zu schlagen. Außer viel Gesundbeterei nichts Neues an der Reisebürofront .... ävver Haupsaach es, dat Hätz is jot :-)

    Drink doch ene met- Alaaf und guten Start in die Session
  • Karina Höchel
    am 11.11.2019
    Sogar in gewissen Fachzeitschriften werden Kommentare gedruckt die wie „ wir haben keine Provisionsausfälle, unsere Kunden haben einfach wieder neu gebucht“. Na da kommt einem doch die Galle hoch bei soviel Überheblichkeit den 100.000 anderen Büros gegenüber.
    Und wer hat nicht die Durchhalte-Mails von Neckermann bekommen. Sollen wir uns jetzt von jedem Veranstalter monatlich die Bilanzen schicken lassen. Damit wir die Kunden nicht falsch beraten? Ich bin gespannt wie der Richterspruch lautet. Springt dann auch eine Versicherung ein? Ist die Versicherung auch gedeckelt? Bei soviel Rechtsfragen steht man ja bei einer Reisebuchung mit einem Bein im Gefängnis oder in der Insolvenz. Wo führt das bloß noch hin?
  • Kölscher
    am 20.11.2019
    Ich komme zwar nicht aus der Reisebranche bin aber Betroffener und selber Selbstständig.
    Mir drängt sich die Frage auf ob am Schluß wie in unserer Branche der Stationäre Verkauf leidet.Für meine
    Familie bin ich dazu übergegangen im Netz bei Ex.. oder anderen zu buchen.Hintergrund ist das wir meist einen günstigeren Preis wie beim Komplettanbieter bekommen,das Ausfallrisiko insoweit weniger wird das die Summe die verloren gehen kann weniger ist.Sollte dies wie bei uns Schule machen fallen ggf. einzelne Bereiche oder Büros hinten über.
    Bei uns mussten wir weil keiner (Staat,Fachverband..) sich dafür interessiert wie wir den Endkunden mit einem Werkvertrag beglücken und das Netz mit der Lieferung einen Kaufvertrag der einfacher zu Händeln ist
    viele Bereiche an das Netz abgeben.
    Wenn die Branche nicht geschützt wird,die Missstände (Unterversicherung) bleiben könnte manch einer Umdenken und andere Wege gehen.So schaue ich mir im Moment die Holländer an ..günstig... was hat man zu verlieren...Einfach Grottig wie Selbstständige im Regen stehen wenn andere Mist bauen.

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