Reisevertrieb

QTA-Chef Bösl: „Ein Lagerdenken wäre fatal“

„Es geht um das Überleben unserer ganzen Branche“, sagt Thomas Bösl über die Folgen des Coronavirus

„Es geht um das Überleben unserer ganzen Branche“, sagt Thomas Bösl über die Folgen des Coronavirus. Foto: mg

Thomas Bösl ruft zur Einigkeit auf. Der RTK-Chef und Sprecher der Reisebüro-Allianz QTA möchte einen „Krieg“ zwischen Reisebüros und Reiseveranstaltern verhindern. Im Gespräch mit touristik aktuell fordert er von den touristischen Partnern Zusammenhalt. Bösl weiß aber auch, dass die Provisionsmodelle nach der Krise neu diskutiert werden müssen.

Herr Bösl, welche Frage stellen Ihnen Reiseverkäufer derzeit am häufigsten?
Sie lautet: Wann ist die Krise endlich vorbei und wann kann ich wieder normal Reisen verkaufen? Eine Antwort darauf habe ich leider nicht.

Wie schätzen Sie die staatliche Hilfe für Reisebüros ein?
Es gibt Möglichkeiten wie Überbrückungskredite und Beihilfen. Leider sind viele dieser Optionen gerade für den Mittelstand von der Politik viel zu langsam umgesetzt worden. Das war und ist für viele Reisebüro-Unternehmer alles sehr mühsam.

Was ist in den nächsten Wochen für Reisebüros entscheidend?
Extrem wichtig ist die Liquiditätssicherung ohne Wenn und Aber.

Einige Touristikexperten behaupten, sehr viele Reisebüros werden die Krise nicht überleben. Wie schätzen Sie das ein?
Ich möchte mich an diesen Spekulationen nicht beteiligen. Es ist eine völlig sinnfreie Diskussion, die niemandem hilft. Die aktuelle Lage ist schlimm genug.

Was ist mit den Mindestumsätzen der Reisebüros? Diese zu erreichen dürfte durch die Corona-Krise nicht mehr möglich sein. Deshalb fordern Reisebüros ein deutliches Signal der Veranstalter bezüglich der Provisionsmodelle.
Ich kann die Frage der Reisebüros verstehen. Aber derzeit darf kein Lagerdenken entstehen. Wir brauchen jetzt keinen Krieg zwischen Reisebüros, Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften. Das wäre fatal. Vielmehr ist Einigkeit gefragt. Es geht um das Überleben unserer ganzen Branche. Wir werden das Thema aber zum richtigen Zeitpunkt ansprechen.

Aber wie sieht es mit den Provisionen nach dem Ende der Krise aus?
Dieser wahnsinnige Umsatzausfall betrifft alle Partner in der Touristik. Klar ist, die bisherige Provisionslogik kann nicht weiter Bestand haben. Das Fundament dieser Logik muss nach der Krise neu aufgestellt werden. Denn die immer größer werdende Mehrarbeit der Reisebüros ist wirtschaftlich einfach nicht mehr darstellbar.

Wird es noch ein Kurzfristgeschäft für den Sommer geben?
Ich kann es nicht sagen. Eine Prognose ist derzeit nicht möglich. Ich hoffe es natürlich.

Wie sehen die aktuellen Umsatzzahlen von RTK aus?
Die aktuelle Umsatzentwicklung ist sehr überschaubar. Wir hören vereinzelt immer wieder, dass es Neubuchungen für Reisen gibt, aber das ist die Ausnahme. Schön ist, dass viele Reisebüros von sehr loyalen Kunden berichten. Diese würden ihre Reisen nicht stornieren, sondern umbuchen. Das gibt Hoffnung.

Wie ist die Stimmung bei QTA?
Ich bin stolz auf meine Kolleginnen und Kollegen. Wir arbeiten seit mehr als drei Wochen im Krisenmodus fast 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche. Ich möchte den QTA-Büros sagen, wir haben einen klar strukturieren Notfallplan und unterstützen Sie nach besten Kräften.

Arne Hübner