Reisevertrieb

TSS-Umfrage: Harsche Kritik und klare Forderungen

Kritisiert das Krisen-Management vieler Veranstalter und Airlines: TSS-Chef Manuel Molina. Foto: mg

Kritisiert das Krisen-Management vieler Veranstalter und Airlines: TSS-Chef Manuel Molina. Foto: mg

Die 2.400 Reisebüros von TSS zeigen sich optimistisch, die Corona-Krise zu meistern, haben dazu aber klare Forderungen an Veranstalter und Airlines, die ihre Kooperation nun umsetzen soll. Dies sind erste Ergebnisse einer mehrteiligen Mitgliederbefragung. 

„Das Bemerkenswerteste für mich war der Kampfeswille und die Zuversicht angesichts der akuten existenziellen Bedrohung in der jetzigen Phase“, kommentiert TSS-Chef Manuel Molina die Umfrage. Trotz dieser Lage gaben über 90 Prozent der Partnerbüros an, ihre Unabhängigkeit behalten zu wollen. „Nicht wenige Büros haben angemerkt, dass es gerade in Krisenzeiten für sie wichtiger denn je ist, frei agieren zu können. Diesen Weg werden wir auch zukünftig nicht verlassen“, so Molina.  

„Die Performance Vieler war beschämend“
Kein Verständnis zeigten die TSS-Büros für das Krisenmanagement mancher Veranstalter und Fluggesellschaften. Kritikpunkte sind die schlechte Erreichbarkeit, mangelnde Kommunikation gegenüber Reisebüros und Endkunden, lange Bearbeitungsdauer und der Umgang mit Kundengeldern.

„Auch wenn es natürlich positive Ausnahmen gibt und Kurzarbeiterregelungen keinen Regelbetrieb darstellen, so muss man dennoch sagen, dass die Performance Vieler wenig partnerschaftlich, teilweise unterirdisch und für das eigene Qualitätsversprechen an sich beschämend war und zum großen Teil leider noch immer ist“, fasst Molina den Unmut der Agenturen zusammen.

Die Aufträge an TSS sind damit klar formuliert: die Verhandlung langfristiger Verträge mit den Handelsherren, die frühzeitige Veröffentlichung einfacher Vergütungsmodelle, ein Qualitätsversprechen bei der Erreichbarkeit sowie der Wegfall der Mindestumsätze und Provisionszahlungen im Stornofall. Durchgefallen ist hingegen eine Abkehr vom Handelsvertreterstatus. und auch mit Beratungs- oder Service-Entgelten tun sich die Büros laut TSS weiterhin sehr schwer.

Forderungen nur schrittweise zu erfüllen
Molina hofft, die Forderungen der Mitgliedsbüros schrittweise umsetzen zu können. Angesichts der aktuell angespannten Finanzlage vieler Veranstalter und Airlines müsse man ab einem bestimmten Punkt „Realitäten im allgemein immer länger werdenden Forderungskatalog berücksichtigen“, so der TSS-Chef.

„Uns sollte klar sein, dass nicht alles sofort bei allen gehen wird.“ Er sei aber überzeugt, „mit vielen Playern in mehreren Schritten zu den gewünschten Ergebnissen kommen zu können“. Schließlich bräuchten Veranstalter die Reisebüros mindestens genauso wie die Reisebüros funktionierende Veranstalter.

Die Ergebnisse der Mitgliederbefragung sind im TSS-Intranet zu finden.

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