Reisevertrieb

Azubis: Jetzt kommt die Generation „Corona“

Auch Azubis demonstrierten vor dem Brandenburger Tor

Auch Azubis demonstrierten vor dem Brandenburger Tor. Foto: Michael Hoffmann

Die Tourismusbranche muss aufpassen, dass ihr der Nachwuchs nicht abhanden kommt. Denn nach den Rückgängen der vergangenen Jahre wird die Zahl der Ausbildungsplätze 2020 noch einmal deutlich zurückgehen.

Laut einer Umfrage des DRV unter kleinen und mittelständischen Unternehmen sind 60 Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als noch im Vorjahr. Man spreche bereits von einer „Generation Corona“, heißt es beim größten deutschen Reiseverband.

Dass diese Zahl durchaus realistisch ist, bestätigen verschiedene Manager auf Anfrage von touristik aktuell. So hat FTI die Zahl der Azubis von 41 im vergangenen Jahr auf 15 in diesem Jahr reduziert.

Bei Reiseland starteten 2019 rund 60 Kollegen in den Beruf, nun rechnet man maximal mit einem Viertel dieser Zahl. Auch bei Alltours Reisecenter spürt man eine große Zurückhaltung: „Viele unserer Franchiser wollen erst die Krise überstehen, um vielleicht im Frühjahr mit der Ausbildung zu starten, wenn sich die Lage hoffentlich gebessert hat“, berichtet Geschäftsführer Nils Jenssen.  

Auch Albin Loidl, Chef von Schauinsland-Reisen Partner, weiß noch nicht, wie viele seiner Büros ausbilden werden. Aber: „Wir haben die Kooperationspartner ermutigt, das staatliche Unterstützungsprogramm zu prüfen“, sagt er. Der Staat unterstütze mit Prämien zwischen 2.000 und 3.000 Euro, wenn Agenturen das Ausbildungsniveau der vergangenen drei Jahre halten oder sogar steigern.

Auch der DRV appelliert, den Nachwuchs zu fördern. „Engagierte und gut ausgebildete Fachkräfte sind das Herzstück der Branche“, sagt Präsident Norbert Fiebig. Man könne die Ausbildung in einem anderen Monat beginnen und mit der Berufsschule dafür eine Lösung entwickeln. Der DRV fordert, dass notfalls staatliche Mittel zur Verfügung gestellt werden, falls einer Tourismusklasse wegen einer zu geringen Schülerzahl das Aus drohte.

2015 hatten rund 1.900 Tourismuskaufleute eine Ausbildung aufgenommen, 2019 waren es gerade einmal 1.600 Azubis. In diesem Jahr wird die Zahl definitiv nur dreistellig sein.

   
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