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FTI: Certares-Konsortium will Finanzverbindlichkeiten erwerben

FTI-Zentrale in München: Die Schulden- und Zinslast des Veranstalters wird kleiner. Foto: FTI

FTI-Zentrale in München: Die Schulden- und Zinslast des Veranstalters wird kleiner. Foto: FTI

Nach der Unterzeichnung der Investitionsvereinbarung mit FTI hat das von Certares geführte Investorenkonsortium, zu dem unter anderem die Familie Sawiris gehört, nun auch einen Vertrag über die Übernahme der Schulden von FTI unterzeichnet. Die „Vereinbarung zum Erwerb von Finanzverbindlichkeiten der FTI Group“ erfolge nach einem „marktüblichen Verfahren“, heißt es in einer Mitteilung. 

Summen werden nicht genannt

Es handele sich um „Darlehen und andere finanzielle Unterstützung“. Um welche Summen es geht, wird nicht mitgeteilt. Die Gesamtschulden von FTI sind weiterhin enorm und belaufen sich auf knapp 900 Millionen Euro: Zum einen geht es um zwei Nachrangdarlehen und eine stille Einlage des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes mit einem Gesamtvolumen von 595 Millionen Euro. Zum anderen hatte die Hausbank Unicredit ein Darlehen über 280 Millionen Euro gewährt. Gebürgt hatte dafür der Bund und der Freistaat Bayern.

Erwähnt wird in der aktuellen Mitteilung lediglich das bereits angekündigte Einbringen von Eigenkapital des Konsortiums in Höhe von 125 Millionen Euro. Diese Summe sei ein „ausreichend“ großes Kapital für den laufenden Geschäftsbetrieb sowie für die Umsetzung der digitalen Transformation von FTI, heißt es aus München.

Bund nimmt Verlust in Kauf

Im Zusammenhang mit der jetzigen Mitteilung ist zu hören, dass der Bund schon länger mit FTI und Certares über die WSF-Hilfen verhandelt. Der Staat sei dabei sogar bereit, Verluste hinzunehmen, heißt es. Das bedeutet: Es ist durchaus denkbar, dass die ausstehenden WSF-Forderungen mit einem Abschlag verkauft werden.

Mit dem staatlichen Entgegenkommen würde der Bund die Gewissheit erhalten, dass es bei FTI weitergeht und die Kredite nicht verloren gehen. Einen grundsätzlichen Schuldenschnitt hatte das Finanzministerium abgelehnt. Für FTI wiederum ist die neue Vereinbarung der schon Mitte April versprochene Start in eine neue Zukunft: Mit sinkender Zinslast kann es tatsächlich bald wieder aufwärts gehen in München. 

Certares: Auch Reisebüros gehören zum Imperium

Damit hält Certares bislang, was man sich von der Investorengruppe erhofft hat. Ihr wird in der Branche ohnehin ein großes Vertrauen entgegengebracht. Das 2012 gegründete Unternehmen engagiert sich ausschließlich in der Reise- und Hospitality-Branche und sieht in dieser langfristig großes Potenzial.

Ziel ist den eigenen Angaben zufolge, die eigene Erfahrung und die vorhandenen finanziellen Mittel zu nutzen, „um Wachstum zu fördern“. Genau das soll auch bei FTI umgesetzt werden. Das gesamte von Certares verwaltete Vermögen wird auf rund zehn Milliarden US-Dollar beziffert.

Zu Certares gehören unter anderem die Spezialreiseveranstalter G-Adventures, Rückenwind Reisen und SE Tours (beide als Teil der Eurofun Group) sowie der französische Anbieter Voyageurs du Monde. Auch an der portugiesischen Mystic Investholding, Mutter von Nicko Cruises, sowie Ama Waterways in den USA ist Certares beteiligt. Darüber hinaus sind rund 530 französische Reisebüros unter dem Dach der Investment-Unternehmens angesiedelt, die bekannteste Marke ist Havas Voyages.

Matthias Gürtler