Verkehr

Germania-Insolvenz: Airlines holen Gäste zurück

Update 10:40 Uhr
Nun ist es amtlich: Germania ist insolvent, die Flieger bleiben am Boden

Nun ist es amtlich: Germania ist insolvent, die Flieger bleiben am Boden. Foto: Germania

Nach dem Grounding der insolventen Fluggesellschaft Germania bieten zahlreiche Airlines den im Ausland gestrandeten Passagieren Hilfe an. Fluggästen, die keine Pauschalreise gebucht haben und ihren Germania-Rückflug verloren haben, werden Rückfluge nach Deutschland je nach Verfügbarkeit zu Sonderkonditionen angeboten, wie der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) mitteilt. Dazu können sie sich direkt an die Fluglinien wenden. 

Beteiligt an dem Service sind die Lufthansa-Airlines Lufthansa, Eurowings, Austrian Airlines und Swiss sowie die Ferienflieger Condor und TUI Fly. Auch Sun Express, Easyjet und die Ryanair-Tochter Laudamotion bieten Sonderkonditionen und „Rettungstarife“ an. Laut Medienberichten sind mehrere tausend Fluggäste betroffen.

In der Nacht zum Dienstag hatte die finanziell angeschlagene Germania die Segel gestreckt: Die Germania Fluggesellschaft mbH, die Germania Technik Brandenburg GmbH sowie die Germania Flugdienste GmbH haben beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz beantragt, wie der Berliner Charter- und Ferienflieger mitteilt. Somit bleiben nun gut 30 Germania-Maschinen am Boden, die Tochter-Airlines Germania Flug AG in der Schweiz und Bulgarian Eagle sind hingegen nicht betroffen.

„Leider ist es uns schlussendlich nicht gelungen, unsere Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen“, so Germania-Chef Karsten Balke. „Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantragstellung blieb.“

Das Grounding der Berliner Airline mitten in der Hochphase für die Sommerbuchungen kommt für die Touristik zur Unzeit. Alle großen Reiseveranstalter waren bislang Charterkunden und haben auch für die kommende Saison Sitzplatzkontingente bei Germania eingekauft. Nun müssen sie schleunigst Ersatz finden und ihre Kunde auf andere Airlines umbuchen.

„Von der Einstellung des Flugbetriebs betroffene Fluggäste, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, können sich zur Organisation einer Ersatzbeförderung direkt an ihren jeweiligen Reiseveranstalter wenden“, heißt es denn auch von Germania. Passagiere, die ihr Ticket direkt bei der Airline gekauft haben, können diesen Anspruch nicht geltend machen.

Zumindest finanziell entschädigt werden Reisebüro-Kunden, die über ein Mitgliedsbüro der Allianz QTA gebucht haben: In deren Service- und Versicherungspaket Quality Plus ist auch ein Insolvenzschutz für Nur-Flug-Buchungen enthalten.

Germania hatte schon länger mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Der Schritt in die Insolvenz war nun nötig geworden, weil es der Fluglinie offensichtlich nicht gelungen ist, ein akutes Finanzloch in Höhe von 15 Millionen Euro zu stopfen. Nachdem die Airline Mitte Januar bekannt gegeben hatte, dass sie Geldgeber gefunden hat, kamen in der vergangenen Woche Zweifel daran auf. So konnte das Unternehmen die Januar-Gehälter für seine Mitarbeiter nicht auszahlen. Laut einem Medienbericht vom Montag soll der frühere Air-Berlin-Chef Joachim Hunold zusammen mit anderen Investoren noch versucht haben, die angeschlagene Fluggesellschaft zu retten (siehe hier).

Germania ist zwar mittelständisch geprägt, zählt aber neben der Lufthansa-Gruppe, Condor und TUI Fly zu den größten deutschen Airlines. Die konzernunabhängige Gesellschaft hatte bislang auf der Kurz- und Mittelstrecke jährlich rund vier Millionen Passagiere befördert. Bedient werden von 18 Abflughäfen aus über 60 Ziele.

Kommentar (1)

  • Helmut Samstag
    am 06.02.2019
    Ich hatte schon vor ein paar Wochen damit gerechnet dass Germania Insolvenz anmelden wird. Leider hat sich das bestätigt. Wie schon in meinem Kommentar damals geschrieben ist es wenn Probleme publik werden 5 nach und nicht 5 vor Zwölf. Wieder verabschiedet sich eine deutsche und mittelständige Airline aus dem Markt und es wird nicht die letzte sein. Nur die global Player werden am Schluss übrig bleiben und die Zeche zahlt dann der Kunde mit höheren oder auch vielleicht realistischen Verkaufspreisen.

Kommentar schreiben