Verkehr

Bahnreisen: Umsatzplus dank Klima-Debatte?

Bahnreisen boomen – aber nicht nur wegen der Klimadiskussion

Bahnreisen boomen – aber nicht nur wegen der Klimadiskussion. Foto: Harald Biebel/iStockphoto

Wer sich für die Bahn entscheidet, entscheidet sich für ein umweltschonendes Verkehrsmittel. Für diesen Zusammenhang entwickelt auch die breitere Gesellschaft mehr und mehr ein Bewusstsein. Und das zahlt sich aus: „Die Klimaschutzdiskussion bringt uns momentan viel Zusatzumsatz“, bestätigt Martin Kopetschke von der Bahnagentur Schöneberg in Berlin ebenso wie sein Kollege Helmut Lutz vom Kopfbahnhof. Ob jedoch der viel bemühte „Greta-Effekt“ das Reisen auf der Schiene generell pusht, muss differenziert betrachtet werden.

Nicht der alleinige Grund
Bei Nahzielen wie Städten in Deutschland oder den Nachbarländern zum Beispiel dürften Klima- und Umweltaspekte sicherlich eine Rolle spielen. Dies belegen Nachfragetrends beim Kurzreisespezialisten Ameropa. „Wir konnten den Anteil der Buchungen mit Bahnanreise im abgelaufenen Jahr um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern“, berichtet Produktchef Stefan Binder. Daher erhöht die DB-Tochter ab April 2020 in diesem Segment auch ihre Auswahl an Reisezielen.

Etwas anders sieht es bei Bahnerlebnisreisen insbesondere in ferne Destinationen aus. Hier sei die Klimadebatte nicht der Treiber für eine stärkere Nachfrage, meint Felix Willeke, Geschäftsführer bei Lernidee Erlebnisreisen: „Schließlich – so ehrlich müssen wir sein – bedeuten Zugreisen bei uns ja in der Regel nicht, dass es sich nur um eine komplett landgebundene und damit möglicherweise klimafreundliche Reiseform handelt.“

Lob an Reisebüros
Daher sind andere Gründe für den anhaltend positiven Trend bei den so genannten Schienenkreuzfahrten maßgeblich. Ameropa führt dies unter anderem auf eine starke mediale Präsenz von Luxuszügen wie Rovos Rail in Südafrika und den spanischen Al Andalus oder den Panoramazügen in der Schweiz zurück. Zur „deutlich gestiegenen Produkt- und Markenbekanntheit“ habe aber auch der Reisebüro-Vertrieb beigetragen, betont Lernidee-Manager Willeke.

Und teilweise geht der wachsende Zuspruch Hand in Hand mit bestimmten Reisezielen. So kommt der Nachfrage-Boom in Kanada auch den dortigen Zugreisen zugute, während der Markt in den USA eher schwächelt, wie Nordamerika-Spezialist CRD International feststellt. Dino Steinkamp, Europa-Chef bei DER Touristik, begründet die guten Zahlen beim Transsib-Sonderzug Zarengold derweil auch „mit dem allgemein gestiegenen Interesse an Russland-Reisen“.

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