Namibia

Namibia: Wildtiere in der Dunkelheit

Der Etosha Nationalpark zählt jährlich 200.000 Besucher.

Der Etosha Nationalpark zählt jährlich 200.000 Besucher. Foto: gsg

Im Etosha Nationalpark in kann man Nachtsafaris unternehmen

Der neunsitzige Landrover ruckelt über Schotterwege durch die Dunkelheit. Im Etosha Nationalpark ist die Sonne vor Stunden abgetaucht. Jesiah sitzt am Steuer des offenen Geländewagens und schwenkt eine grelle Rotlichtlampe durch die Nacht. Springböcke kreuzen die Piste, ein Giraffenpärchen durchquert gemächlich die üppige Graslandschaft am Wegesrand. Zebras, Gnus und Oryxantilopen tummeln sich unbeeindruckt im Lichtkegel des Scheinwerfers, der die Tiere nicht zu stören scheint. Erstmals seit Bestehen von Afrikas größtem Naturschutzareal können Tierbeobachter jetzt auch in den späten Abendstunden auf Safari gehen. Erfahrene Guides von Nambia Wildlife Resorts sind Begleiter der Nachttouren. Die Fahrt führt zu einem der 64 Wasserlöcher im Park. Das nächtliche Schauspiel am Rietfontain lässt verstummen. Einen Steinwurf entfernt labt sich ein Löwenrudel an einem verendeten Spitzmaulnashorn. Die Elefantenherde samt Nachwuchs lässt die Szenerie kalt, sie streift schnaubend um die Wasserstelle. Weil Touren bei Dunkelheit auf eigene Faust verboten sind, müssen solche Trips bei der staatlichen Organisation gebucht werden. Eine Zweistundenpirsch kostet rund 40 Euro. Ob Tag- oder Nachtsafari, eine eiserne Regel gilt immer: Niemals das Auto verlassen oder auch nur die Türe öffnen. Wird man dabei erwischt, droht Ausweisung. Der Etosha Nationalpark, der im vergangenen Jahr sein 100-jähriges Bestehen feierte, zählt 200.000 Besucher pro Jahr, davon übernachtet die Hälfte in Park-Lodges. Rund 300 Ranger kümmern sich um Tierbestand und Zustand des berühmten Vorzeigeareals, das seinen Namen einer riesigen Salzpfanne verdankt. In der Sprache der Ovambo bedeutet Etosha „großer weißer Platz“. Die Population sei kein Problem, sagt Michael Sibalatani, Chef der Parkverwaltung, das regele die Natur selbst. Nur hin und wieder würden einzelne Exemplare an andere Parks weitergegeben. Arbeit dagegen bereite, die zahlreichen Pump- und Solarenergiesysteme auf dem Gebiet, das halb so groß ist wie die Schweiz, funktionsfähig zu halten. Sie sorgen dafür, dass die 44 künstlichen Wasserlöcher immer ausreichend gefüllt sind. Für dieses Jahr erwartet Sibalatani ein zehnprozentiges Besucherplus. „Immer mehr Europäer, darunter viele Individualtouristen, suchen das Etosha-Erlebnis und profitieren zurzeit vom günstigen Wechselkurs des Namib-Dollars.“ Aber auch aus Südafrika und Namibia selbst kämen immer mehr Gruppen, die sich als Tagesgäste (Eintritt zwischen drei und sechs Euro pro Person) im Park umschauen.
Weitere Informationen online unter www.namibia-tourism.com.
Günter von Saint-George

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