Tunesien

Tunis: Märchenhafte Schätze

Im weiß getünchten Künstlerdorf Sidi Bou Said dominieren die Souvenirhändler nur auf den ersten Blick.

Im weiß getünchten Künstlerdorf Sidi Bou Said dominieren die Souvenirhändler nur auf den ersten Blick. Foto: akk

Warum die Veranstalter einen Bogen um Tunis machen, ist unverständlich

Vögel zwitschern in den Bäumen im Park um den Bardo-Palast. Souvenirhändler verkaufen Postkarten an Touristen. Die hohen Mauern, hinter denen einst ein Bey residierte, bergen heute märchenhafte Schätze aus der wechselvollen Geschichte Tunesiens, in der Berber, Punier, Griechen, Römer, Byzantiner, Araber und Franzosen ihre Spuren hinterließen. Seinen Ruhm unter Kunstfreunden jedoch verdankt das Bardo-Museum, vier Kilometer westlich von Tunis im gleichnamigen Vorort gelegen, der weltweit größten Sammlung römischer Mosaiken. Und tatsächlich kommt man hier aus dem Staunen nicht heraus: Die antiken Meisterwerke bedecken die Wände riesiger Säle, schmücken weitläufige Treppenhäuser und Flure – und das in sagenhafter Farbenpracht noch nach über 2.000 Jahren. Kaum zu glauben, dass die meisten Exponate aus der Zeit des Kaisers Augustus stammen sollen, dem Herrscher der neuen römischen Provinz Africa. Obwohl allein das Bardo-Museum eine Reise nach Tunis wert ist, ist die tunesische Hauptstadt in den Katalogen deutscher Veranstalter nicht zu finden. Dabei ist Tunis das ganze Jahr über ein geeignetes Städteziel. Mit seiner orientalischen Medina, den breiten, französischen Boulevards samt Markthalle und Shopping-Zentren bietet die Metropole am Meer mit ihren 2,5 Millionen Einwohnern Abwechslung genug. Auch das gastronomische Angebot kann durchaus mit dem anderer Hauptstädte konkurrieren. In den vergangenen Jahren wurden besonders in der hoch gelegenen Kasbah, der historischen Altstadt, traditionelle Adelspaläste renoviert und in feine, kleine Hotels oder elegante Restaurants umgewandelt. Und nur ein Katzensprung ist es von Tunis zur Küste von Karthago mit ihren Ausgrabungsstätten aus punischer und römischer Zeit, darunter die direkt am Meer gelegenen imposanten Thermen des Kaisers Antonius Pius. Von hier sind es auch nur wenige Kilometer ins berühmte Künstlerdorf Sidi Bou Said. Auf den ersten Blick scheinen Souvenirhändler und Tagesausflügler den malerischen Ort mit seinen weiß-blauen Häusern zu dominieren. Aber in den ruhigen Seitenstraßen ist noch etwas von der Atmosphäre zu spüren, die einst den Maler August Macke und seine Freunde faszinierte. Wären da nicht die Autos, die sich durch enge Gassen quälen! Ein Muss für Nostalgiker ist ein Besuch im Café des Nattes, dem wohl bekanntesten Café Tunesiens, das Macke auf seinen Bildern verewigt hat. Rund um Karthago wurden in den vergangenen Jahren mehrere neue Vier- und Fünf-Sterne-Hotels in Betrieb genommen. Viele bieten Tagungs- und Konferenzräume. Der letzte Schrei ist die hoch über dem Meer gegenüber dem Hügel von Sidi Bou Said thronende Villa Didon, ein Design-Hotel mit zehn geräumigen Suiten, Hamam und hochmodernem Wellnesscenter.
Anne-Kathrein Teubner

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