Tunesien

Tunesien: Idylle aus der Retorte

Nicht das wirkliche Tunesien, aber dennoch schön zum Bummeln: der Boulevard von Yasmine Hammamet. Foto: gsg

Yasmine Hammamet entstand vor 20 Jahren auf dem Reißbrett

In den Gassen wimmelt es von Jasmin-Verkäufern, die mit duftenden Blumensträußchen gute Geschäfte machen. Früher steckten sich junge Männer die Blüten hinters Ohr, um zu zeigen, dass sie heiraten wollen. „Yasmine“ gilt als Symbol für Tradition und Wohlgefühl. Heute steht ihr Name für eines der größten Projekte der tunesischen Tourismusindustrie. Nördlich vom Golf von Hammamet schufen engagierte Hoteliers ein hochmodernes Ferienzentrum: Yasmine Hammamet. Auf 277 Hektar entstanden 45 Hotels mit 20.000 Betten sowie ein Casino, eine Medina, ein Golfplatz und ein luxuriöser Yachthafen.

Das gesamte Projekt wurde von privaten Investoren finanziert. Die meisten der Nobelanlagen liegen direkt am knapp vier Kilometer langen Sandstrand. Vertreten ist, was in der Hotellerie einen Namen hat: Iberostar, Holiday Inn, Interconti und Clubs wie Magic Life, Aldiana und Club Med. Die einheimische Kette Hasdrubal glänzt mit einem riesigen Thalasso-Areal und einem Haus mit der weltgrößten Suite, die es sogar ins Guinnessbuch der Rekorde schaffte. Die künstliche Stadt setzt auf Tradition: Das Design von Minaretten, Basaren und Moschee erinnert an Baustile in Damaskus, Istanbul oder Marrakesch, die Fassaden der Villen und Wohnhäuser an das Blau von Sidi Bou Said. An der 1,5 Kilometer langen Strandpromenade drängeln sich Boutiquen, Restaurants, Cafés, Galerien, Diskotheken und Beach Clubs.

Einen Kindertraum erfüllte sich wohl Abdelwaheb Ben Ayed beim Bau der Medina. Der Geschäftsmann mit Sinn für Tradition und Freizeitspaß investierte mehr als 100 Millionen Euro in seine „arabische Welt“. Mächtige Stadttore gewähren Einlass in einen Komplex mit Souks, Restaurants, türkischem Hamam und Krimskramsläden, der in der Hochsaison täglich Tausende von Touristen anzieht. Zur Medina gehört auch ein Kongresszentrum, in dem unter anderem schon Jahrestagungen von RTK, Schmetterling und DRV stattfanden.

Kinder finden ihren Spaß im nahe gelegenen „Carthagoland“, einem Vergnügungspark à la Disney. Bewacht wird das Areal von Hannibals Kriegern aus Pappmaschee. Der Besuch des Parks ist wie ein Schnellgang durch die Historie Tunesiens. Von der Schiffsreise des karthagischen Seefahrers Hanno, den punischen Kriegen, der Eroberung von Tunis durch Rotbart bis zu Byzantinern und Andalusiern reicht das Spektrum dieses spielerisch präsentierten Geschichtsunterrichts. Ganz nebenbei wurde kurzerhand auch der berühmte Prachtzug des Herrschers Bey von der Wüste ans Meer versetzt. Der „Lézard Rouge“ ist nur eine von vielen Attraktionen des Vergnügungsparks.

Ähnlich wie Yasmine Hammamet entsteht derzeit ein anderes, aber kleineres Projekt auf dem Reißbrett. Nach dem Vorbild von Port El-Kantaoui wird zehn Kilometer südlich in Essaloum ein Ferienort gebaut, der in wenigen Jahren über 1.500 zusätzliche Betten verfügen soll. Dass zum Konzept auch ein Thalasso-Zentrum, ein Golfplatz und eine Marina gehören, versteht sich von selbst.
Günter von Saint-George

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