Botswana

Botswana: Planschende Hippos

Nehmen gerne in der Gruppe ein Bad: die Nilpferde.

Eine Flussfahrt auf dem Chobe River

Langsam bricht die Dämmerung über dem Chobe River herein. Fotos: ah

Noch liegt das namenlose Flussschiff mit Wellblechdach und eigener Bar an diesem sonnigen Spätnachmittag am Hotelsteg. Ein neuer Anstrich würde dem Kahn nicht schaden, denke ich. Sekunden später gleiten wir schon über die glatte Wasseroberfläche des Chobe River, passieren verschiedene Safari-Lodges, die am Ufer liegen.

Die ersten Tiere tauchen auf. Fischadler fliegen über uns hinweg, Antilopen verschnaufen zwischen riesigen Termitenhügeln. Das Schiff hat den Chobe-Nationalpark erreicht, der 1967 als erster Nationalpark Botswanas gegründet wurde. Hier leben unter anderem Löwen, Paviane, Zebras und Giraffen. Menschen dürfen den Park tagsüber besuchen – wohnen dürfen hier nur Tiere.

Halb im Wasser, halb an Land lümmelt ein Krokodil. Unser Guide Mbala bittet darum, die Füße nicht im bis zu vier Meter tiefen Wasser baumeln zu lassen. Denn das mögen die auf den ersten Blick wie ausgestopft wirkenden Krokodile. Sollte ein Tourist in den Chobe plumpsen, setze er sich am besten mit einem Messer gegen die bis zu fünf Meter langen Tiere zur Wehr, erklärt der junge Botswaner. Ob mein Schweizer Taschenmesser da was ausrichten könnte? Ich betrachte die Wasseroberfläche des Chobe nun etwas skeptischer.

Wir sind im so genannten Caprivi-Zipfel unterwegs. In diesem schmalen Landstrich bildet der 1.500 Kilometer lange Chobe River die Grenze zwischen Botswana und dem hier nur 100 Meter entfernten Namibia. In der Ferne tauchen braune Buckel an der Wasseroberfläche auf: Die Nilpferd-Kolonie nimmt gerade ein Bad. Das ist putzig: Baby-Nilpferde planschen mit ihren Eltern in Ufernähe. Die Großen schnaufen und die Kleinen quieken – die reine Hippo-Idylle. Und wenn das kleinste Nilpferd-Baby dann noch mit den Ohren wackelt, kennt das Entzücken an Bord keine Grenzen.

Bei Flaschenbier aus Namibia – Windhoek Lager – und Gin Tonic geht die entspannte Flussfahrt weiter. Im Minutentakt ziehen wir an wilden Tieren vorbei. Wie bestellt wirkt der Besuch einer Elefantengroßfamilie, die passend zum Sonnenuntergang am Chobeufer auftaucht und sich gegenseitig Wasser auf die Häupter spritzt. Und wieder Krokodile.

Mbala berichtet, dass Krokodile bis zu zwei Jahre ohne Fressen auskommen können: „Sie speichern ihr Fett im Schwanz, der ein Drittel der Körperlänge des Tieres einnimmt.“ Seine Erklärung wird durch eine Dame in unserer Gruppe gestört, die am Flussufer einen Leoparden entdeckt haben will. Nach intensiver Suche mit Ferngläsern werden wir fündig. Ein junger Leopard liegt auf einem dicken Ast eines Mahagonibaumes und lauert auf eine Antilope. „Ihr könnt froh sein. Manche Fotografen bleiben bis zu drei Monate hier, um einen Leoparden zu sehen, und haben kein Glück“, weiß Mbala.

Die Sonne sinkt tiefer, der Himmel ist tiefrot. Während sich die Gräser auf den Inseln des Chobe River im Wind wiegen, wird der rote Feuerball vom Horizont verschluckt. Nach drei Stunden endet die Flussfahrt. Am abendlichen Hotelbüfett gibt es ein Kroko-Wiedersehen: Der Chefkoch empfiehlt heute Baby-Krokodilschwänze. Wer darauf keinen Appetit hat, kann auf Antilopen-Lasagne oder Warzenschwein-Steaks ausweichen.
Arne Hübner

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