Südafrika

Stadien als Touristenattraktion

You're welcome: Wer will, kann das Fußballstadion in Durban erklimmen und die Aussicht genießen. Foto: Werner Gordes

Die Spielstätten nach der Fußball-WM

"Weiße Elefanten" nennt man in Afrika eine nutzlose Schönheit. Die Südafrikaner würden gerne darauf verzichten, dass die Spielstätten der Fußball-WM 2010 so getauft werden. Doch der Widerstand ist schwierig. Fünf der zehn WM-Stadien wurden erst im Jahr 2009 eröffnet und zusammenfassend lässt sich sagen: Das Land kann so viele große Stadien, wie es jetzt besitzt, einfach nicht gebrauchen. Auch wenn die Südafrikaner versuchen, die Stätten mit Fußball- und Rugby-Turnieren, Konzerten und anderen Großveranstaltungen sowie geführten Stadientouren zu beleben.

Zumindest in Durban und Kapstadt sind die Stadien indes auch zur Touristenattraktion geworden. Urlauber können sich das Moses Mabhida Stadion in Durban, Teil des King-Park-Sportzentrums, von ausgebildeten Führern zeigen lassen. Die Besichtigungstour umfasst auch den VIP-Bereich, die Präsidenten-Lounges und das Pressezentrum. Als Höhepunkt geht's per Cable Car auf den Stahlbogen, der das Stadion überspannt. Wer möchte, kann diesen auch zu Fuß erklimmen und den Blick auf die Stadt und den Indischen Ozean genießen. Eine 90-minütige Intensivexkursion kostet rund sieben Euro, eine Überblickstour rund zwei Euro. Der Preis für die Cable-Car-Tour beträgt umgerechnet rund sieben Euro. Infos zum zweitgrößten Stadion der WM 2010 unter www.2010durban.co.za.

Das Greenpoint-WM-Stadion in Kapstadt liegt zu Füßen des Signal Hill inmitten des neu gestalteten Green Point Common. Im Februar ist hier die Band U2 aufgetreten, rund 70.000 Besucher wurden bei dem Konzert gezählt. Drei- bis viermal am Tag wird ein geführter Rundgang angeboten, der 90 Minuten dauert und pro Person umgerechnet rund fünf Euro kostet. Bei der Besichtigungstour geht es in das Besucherzentrum, wo ein Modell und Fotos die Bauarbeiten und die WM dokumentieren.

Anschließend betritt man die Zuschauerränge, um einen Blick auf das Spielfeld werfen zu können. Auffallend ist die Verschiedenfarbigkeit der Sitzplätze in diversen Grauabstufungen. Der Grund: Um den Fernsehzuschauer nicht leere Tribünen zeigen zu müssen, wird dieser optische Trick genutzt. Im Fernsehen erscheint es dann so, als wäre das Stadion voll besetzt. Nach den Zuschauerrängen werden die VIP-Räume besucht. Von dort die Besucher in die Katakomben geführt, wo sie den Pressebereich, die Polizeistation mit Minigefängnis und die Umkleideräume der Mannschaften sehen. Schlusspunkt ist der Zutritt auf den Heiligen Rasen.

Um das Stadion herum wurde ein Bio-Diversitypark gebaut, der von den Einheimischen, die sehr stolz auf ihre Stadien sind, auch intensiv genutzt wird.Und in einigen Jahren werden die Stadien noch einmal so richtig voll: 2017 wird der Fußball-Afrika-Cup in Südafrika stattfinden. Und das Land hat sich um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2020 beworben. Darüber wird das IOC allerdings erst im nächsten Jahr entscheiden.
Rivka Kibel

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