Botswana

Fastfood für die Löwen

Wie die Orgelpfeifen: Elefanten in Chobe-Nationalpark. Foto: ah

Botswana: Mit dem Geländewagen auf Safaritour im Chobe-Nationalpark

Im Morgengrauen hält der Allrad-Jeep vor der Lodge. Bibbernd schwingen wir uns in den offenen Geländewagen, der Ranger verteilt Decken. Die Safari beginnt wie eine Butterfahrt für Senioren. Doch als das Fahrzeug auf den Highway biegt und die Geschwindigkeit erhöht, erweisen sich die kratzigen Decken bei dem Fahrtwind als sehr nützlich.

Auf der Schnellstraße Richtung Chobe-Nationalpark begegnen uns Paviane, und eine Herde Büffel kreuzt die Straße. Um sechs Uhr morgens öffnet der Park die Tore und dämpft das Tempo: Auf seinen staubigen Pisten sind maximal 40 Stundenkilometer erlaubt. Die hügelige Landschaft ist geprägt von kahlen Teak- und Mahagonibäumen. "Hier war eine Elefantengruppe unterwegs, die sich an den Blättern satt gefressen hat", erklärt der Ranger. Der Chobe-Nationalpark glänzt mit seiner Elefantenpopulation: Nach der letzten Erfassung leben über 120.000 Dickhäuter in dem 10.000 Quadratkilometer großen Park - das sind mehr als in ganz Südafrika.

Einerseits ist diese Zahl ein Segen für den Park, schließlich möchte jeder Besucher eine Elefantenherde sehen. Andererseits sind die Tiere ein Fluch: Sie fressen sehr viel. Die Bäume und Büsche des Nationalparks haben kaum Zeit, sich zu regenerieren. Nach wenigen Metern treffen wir auf die Übeltäter: Eine Gruppe von 20 Elefanten marschiert an unserem Geländewagen vorbei.

Wir fahren tiefer in den Park hinein. Plötzlich springen aus einem Gebüsch Antilopen über die Piste. Impalas, konkretisiert der Guide. Die Schwarzfersenantilopen sind im 1967 gegründeten Nationalpark weit verbreitet. "Fastfood für Löwen", witzelt der Ranger und bremst. Im Sand zeigt er uns eine frische Löwenspur. Die Tatze eines ausgewachsenen männlichen Tieres ist deutlich zu erkennen.

Die Weite Afrikas breitet sich auf der endlosen scheinenden Steppe vor uns aus. Linker Hand entdecken wir ein Dutzend Giraffen. 200 Meter vor ihnen halten wir, beobachten die eleganten Paarhufer mit den langen Hälsen.Dann möchte eines der Tiere die Piste queren. Langsam pirscht es in unsere Nähe. Aus der Gegenrichtung kommt im selben Augenblick ein anderer Jeep. Die Giraffe ist verunsichert, macht aber kurz entschlossen einen Satz über die Piste.

Wir machen uns auf den Rückweg. Über Funk erhält der Ranger eine Nachricht: Im Westen des Parks wurden Löwen gesehen. Er gibt Gas. Zehn Minuten später erreichen wir den Spot. Die Insassen von vier Geländewagen halten bereits mit Kameras und Ferngläsern Ausschau nach den Raubkatzen. Da, im Dickicht, 400 Meter vor uns, sind zwei Löwinnen und drei Jungtiere zu sehen. Die Kleinen spielen auf einem Baumstamm, und die Löwenmamas fauchen in unsere Richtung. Wir halten Abstand.
Arne Hübner

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