Marokko

Nachhaltigkeit auf Arabisch

Nicht nur die Landschaft, sondern auch die Landwirtschaft wird in Marokko grün. Fotos: rh

In Marokko hat der ökologische Gedanke Fuß gefasst

Felicitas Christ ist eine Kämpfernatur. Und ein wenig auch eine Abenteuerin. Denn ihren Kampf für nachhaltigen Tourismus führt die süddeutsche Bio-Gärtnerin nicht in ihrem Geburtsland. Sondern in Marokko. Im Frühjahr 2004 nahm sie in Essaouira Marokkos erstes Biohotel in Betrieb.

Das dreigeschossige Haus im Herzen der Altstadt birgt auch den ältesten Hammam des Küstenstädtchens. Lange Zeit war er ein Heilbad der Gnaoua-Medizin. Nach umfangreicher Restaurierung wird er nun mit Hilfe einer modernen thermischen Solaranlage erhitzt. Auch die Fußbodenheizung in den dreizehn Gästezimmern von "Lalla Mira" basiert auf Sonnenkraft. Zudem ließ Madame Féli, wie sie inzwischen fast alle nennen in Essaouira, einen Grauwasserkreislauf installieren. Matratzen, Decken und Kissen der Betten sind mit allergikerfreundlichem Kapok befüllt.

Das - öffentliche - Restaurant im Erdgeschoss des kleinen Hotels bietet eine einfache und gesunde Küche mit Produkten aus lokaler, kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Wer mag, kann den einen oder anderen Erzeuger bei den von Madame Féli organisierten Ausflügen kennen lernen. Oder auch eine Frauenkooperative besuchen.

Von der Idee bis zur Verwirklichung ihres Bio-Hotels musste Christ einige Hürden überwinden; drei Jahre gingen dabei ins Land. Inzwischen aber sind nachhaltiger Tourismus und ökologisches Gedankengut auch in Marokko keine Fremdworte mehr. Madame Féli hat "Nachahmer" gefunden, wie etwa den Franzosen Alain Djouad-Guiber, der im Nationalpark Sousse sein Vier-Zelt-Hotel "Khaima" eröffnet hat mit Schilfrohr-Duschen und Trocken-WC's; andere Bauherren und Investoren besinnen sich auf die historischen Lehmbauweise.

Auch das Königreich selbst unternimmt deutliche Anstrengungen in Sachen Nachhaltigkeit. So wurde mit der Einrichtung von zehn Nationalparks der Grundstein für aktiven Naturschutz gelegt. Zudem läuft seit einigen Jahren das Nationale Aktionsprogramm zur Bekämpfung der Wüstenneubildung. Das Thema erneuerbare Energien nimmt ebenfalls immer breiteren Raum ein in den Zukunftsplänen des Landes. Wind und Sonne spielen dabei die Hauptrolle.

Fünf Standorte für die Errichtung von solarthermischen Kraftwerken hat der marokkanische Staat inzwischen fest gelegt. Das Bauerndorf El-Gara zeigt bereits, was die Kraft der Sonne leisten kann: In den Häusern, die bislang mit Kerzenlicht und Gaslampen auskommen mussten, brennen dank der Installation von Solarzellen nun elektrische Lampen. Und Handys können dort auch endlich aufgeladen werden.

Von dem kräftigen Atlantiklüftchen profitieren inzwischen nicht nur die Surfer etwa in Essaouira. Sondern es treibt auch moderne Windräder an. Immer mehr Anhänger findet zudem die Rückbesinnung auf die organische Landwirtschaft (produits beldi): Ohne Düngemittel und per Hand werden dabei Gemüse, Obst und Getreide angebaut. Außer dem Team von Madame Féli verarbeitet zum Beispiel auch das "Earth Cafe" in Marrakesch diese Produkte - ergänzend zu den Erzeugnissen von der eigenen Bio-Farm im Haouz-Tal.
Rita Henss
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