Sao Tome & Principe

Nur die Ruhe

Goldgelber Strand im Bom Bom Island Resort auf Principe.

Auf den afrikanischen Inseln geht es sehr gemächlich zu

Die Einheimischen amüsieren sich über die Fotos einer Touristin. Fotos: jw

Senhor Joao lächelt sanft. „Morabeza“, willkommen, sagt er und blickt in die Runde der Gäste, die er auf Principe begrüßt. Er arbeitet als Fahrer und Guide für das Bom Bom Island Resort. Die Fahrt dorthin führt im Jeep über lehmige, holprige Feldwege durch den Regenwald. Links und rechts stehen Holzhäuser auf Pfählen, Graupapageien krächzen, Kinder spielen fangen, Frauen waschen Wäsche im Fluss, ein Baby auf den Rücken gebunden. Menschen gehen gemächlich die Straße entlang und heben die Hand zum Gruß.

Gegrüßt wird man hier von fast jedem. „Bom diiiia!“, sagt einer dann auf Portugiesisch, guten Tag, was gefühlte drei Minuten dauert. Leve, leve, langsam, so lautet das Motto der Insulaner. Die Inselrepublik Sao Tome und Principe ist nach den Seychellen der zweitkleinste Staat Afrikas. 250 Kilometer vor der Küste Gabuns liegt sie im Golf von Guinea nahe am Äquator und protzt mit unberührter Natur.

Das Bom Bom Island Resort scheint wie aus einem karibischen Traum. Zum feinen Restaurant auf einer kleinen Insel führt ein Holzsteg übers Meer. „Das ist fast unanständig schön!“, sagt einer der neu eintreffenden Hotelgäste. Türkis schimmert der Atlantik, gelblich der feine Sand der beiden Strände im Resort, Hibiskusblüten hängen herab. Den Palmen bewachsenen Strand entlang zieht sich nur eine Fußspur: die eigene.

Zwischen Felsen lässt es sich herrlich schnorcheln und bunte Papageienfische beobachten. Rundherum wirkt alles unberührt. Dabei wohnt man in luxuriös ausgestatteten Rundhütten, die nach ökologischen Gesichtspunkten eingerichtet sind. Denn Ökologie heißt das Zauberwort: „Die Natur auf Principe soll erhalten bleiben!“, betont Senhor Joao.

Dazu gründete der Südafrikaner Mark Shuttleworth die Firma HBD, Here be dragons. Der Name ist Programm: „Hier sind Drachen“ schrieben britische Seefahrer einst auf die noch unentdeckten Flecken ihrer Landkarten. Weitere fünf Resorts sind an Principes traumhaften Stränden geplant, auch sie nach umweltverträglichen Gesichtspunkten. So paradiesisch wie sie ist, soll die Insel bleiben.

Mit Senhor Joao fahren wir zur Roca Sundy, wo er einst geboren wurde. Rocas gibt es viele auf Principe: Plantagen, errichtet von den ehemaligen portugiesischen Kolonialherren, die mit ihren zig verfallenden Gebäuden in portugiesischer Kolonialarchitektur einer Stadt gleichen. „Da habe ich gearbeitet“, sagt Senhor Joao stolz und deutet auf eine Säge. Und dass HBD plane, hier wieder eine Kakaoplantage zu errichten.

Schließlich komme von hier der beste Kakao der Welt. Wir sehen viele Kakaopflanzen auf einer Wanderung durch den Regenwald. Baumriesen staken in den Himmel, eine Brotfrucht fällt krachend zu Boden. Der Gipfel des Pico Papagaio, auf den hinauf man wandern kann, ist von Nebel verhüllt und wirkt verwunschen.

Auf der Roca Paciencia wird Vanille und Kaffee angebaut. Im tropisch-schwülen Klima wächst alles wie von selbst und neben Kakao, Kaffee und Kokosnuss gibt es Fisch satt. Das nutzt der ambitionierte Chefkoch der Omali Lodge auf Sao Tome, Lubomir Stanisic, und zaubert kulinarisch hochwertige Menüs aus einheimischen Zutaten. Man speist mit Blick aufs Meer. Langsam natürlich. Auf Sao Tome heißt das: tranquilo. Wer auf die Inseln kommt, sollte Respekt vor den Menschen und der Natur im Gepäck haben. Damit die Drachen auch noch in zwanzig Jahren hier sind.


Judith Weibrecht

Buchungsinfos
Veranstalter: zum Beispiel One World Reisen mit Sinnen, Olimar und Ikarus Tours
Flüge: TAP Air Portugal fliegt via Lissabon nach Sao Tome
Unterkünfte: Bom Bom Island Resort Hotel auf Principe und Omali Lodge auf Sao Tome Informationen im Internet unter www.bombomprincipe.com und unter www.omalilodge.com

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