Marokko

Das Paradies ist ein Tal

Blütenpracht in der Auberge Le Panomaric im Paradise Valley.

Was Touristen bei einem Tagesausflug ab Agadir erleben können

Shop der Frauenkooperative für Argan-Öl. Fotos: pfi

Wer knapp 15 Kilometer nördlich von Agadir in Aourir rechts in Richtung Imouzzer abbiegt, um über eine recht staubige Straße zu den Wasserfällen im Landesinnern zu gelangen, der kommt direkt ins Paradies. Genauer gesagt, ins Paradise Valley.

Dort wächst zwar nicht der Baum der Erkenntnis, aber sonst vieles, was man am Rande der Wüste nicht erwartet: Palmen, Oliven-, Mandel- und Arganbäume. Seine grüne und bunte Vielfalt verdankt das Tal, das offiziell „Asif Tamrhakht“ heißt, dem Flüsschen Tamrhakht, das sich hier seinen Weg bis zum Meer sucht.

In den 1970er-Jahren war das Tal im Vorland des Atlasgebirges ein Hippie-Refugium. Die Hippies sind weg, die Schönheit ist geblieben: Stundenlang kann man hier am Fluss entlangwandern und in den natürlichen Pools baden. Der Weg über die kurvenreiche Bergstraße führt immer wieder an Cafés und Restaurants vorbei, die zum grünen Tee mit frischen Pfefferminzblättern, zu Tajine, Couscous und Harrira einladen. Wer mag, kann seinen Tee oder Kaffee quasi mitten im Flussbett trinken, denn einer der Cafébesitzer stellt Tische und Stühle direkt dort auf, wenn der Tamrhakht nicht allzu viel Wasser führt.

Wer sich eine längere Auszeit im Paradies wünscht, morgens mit Vogelgezwitscher aufwachen und auf einer Terrasse mit einem überwältigenden Ausblick auf das Paradise Valley frühstücken will, kann hier auch übernachten. Eines der Gästehäuser ist die Auberge Le Panoramic. Die sechs Gästezimmer sind schlicht eingerichtet, im Restaurant stehen hässliche Plastikstühle. Dafür ist der Blick großartig – und quasi vor der ‧Zimmertür befindet sich ein Swimmingpool (http://auberge.lepanoramic.a3w.fr).

Hinter dem Paradise Valley wartet das Örtchen Imouzzer mit seinen Wasserfällen (Les Cascades). Diese reduzieren sich nach einem schneearmen Winter jedoch oft auf ein schmales „Fällchen“, während der vom Wasser blankgeputzte Felsen trocken und kahl in die Sonne ragt. Trotzdem kann man in den drei kleinen Seen unter dem Fall baden. Was man hier auf jeden Fall braucht, sind starke Nerven, um den Verkäufern von selbstgemachten Holzkästchen und anderen Andenken zu trotzen.

Was sich im Paradise Valley zu kaufen lohnt, sind Thymian- und Lavendel-Honig sowie Argan-Öl. Arganien wachsen nur in diesem südlichen Teil Marokkos, das wertvolle Öl wird in vielen Frauen-Kooperativen produziert. Es wird in der Gastronomie, aber auch für Kosmetikprodukte genutzt.

Auf dem Rückweg nach Agadir kann man in Aourir rechts nach Taghazout fahren. Der Ort ist zwar kein Geheimtipp mehr, bei Surfern aber immer noch sehr beliebt. Das Örtchen selbst zeichnet sich dadurch aus, dass es hier einiges (noch) nicht gibt: keine Hotels, keinen Alkohol und kein Bezahlen mit Kreditkarte. Hier gilt: cash only.

Diese Tage sind jedoch gezählt: Derzeit entsteht an dem viereinhalb Kilometer langem Strand das Ressort Taghazout Bay. Es ist Teil des Ende 2010 von der Regierung vorgestellten Tourismuskonzepts „Azur 2020“. Geplant sind ein Golfhotel, vier Fünf- und zwei Vier-Sterne-Hotels, ein Surfcamp und ein Eco-‧Resort mit insgesamt 7.446 Betten, dazu ein 18-Loch-Golfplatz. Bis 2017 soll das Resort (www.taghazoutbay.ma) fertiggestellt sein.
Stefanie Pfingsten

Kommentar schreiben