Dubai

Dubai Mall: Haie, Hosen und Hamburger

Die Dubai Mall ist gleichzeitig ein riesiges Aquarium.

Die Dubai Mall ist gleichzeitig ein riesiges Aquarium.

Wo beim Shoppen nicht das Einkaufen zählt, sondern die Unterhaltung

Wem die Dubai Mall zu stylish ist: Im Souk kann man auch bei „Aldi“ einkaufen.

Wem die Dubai Mall zu stylish ist: Im Souk kann man auch bei „Aldi“ einkaufen.<br>Fotos: hs, wikimedia

Früher, da konnten die Haie zuschauen, wenn jemand eine Jeans anprobierte. Früher, da waren die Mantarochen Zeuge, wenn jemand ablegte. Der Panoramablick aus den Umkleidekabinen eines Modehauses der Dubai Mall in das unmittelbar angrenzende Zehn-Millionen-Liter-Aquarium hinein und zurück sollte der Clou sein: Das, da waren sich die Macher sicher, würde die Leute scharenweise in das Kleider-Kaufhaus Wand an Wand locken.

Sie lagen nicht falsch – nur blieben die Kunden zu lange: in den Umkleidekabinen. Sie zogen einfach den Vorhang hinter sich zu, setzen sich auf den Hocker in der Kammer und ließen sich vom Blick durchs 75 Zentimeter dicke Spezialglas ins angrenzende Riesen-Aquarium verzaubern.

Exakt 32 ausgewachsene Tiger-Haie ziehen dort ihre Runden, zahllose Rochen scheinen durchs sattblaue Wasser zu fliegen. Ein Tunnel aus ultragehärtetem Acrylglas führt über den vermeintlichen Meeresboden quer durch das Aquarium. Von dort aus, das war wohlüberlegt, haben die Besucher freilich keinen Einblick bis in die Umkleidekabinen des spektakulär platzierten Ladens gleich nebenan. Die Diskretion ist gewahrt.

Dubai lebt von Gigantismus. Alles, was Weitererzählwert hat, ist am Golf gefragt, denn es zieht Besucherscharen aus aller Welt an: am besten zum Einkaufen. Seit die Dubai Mall mit 1.200 Geschäften auf drei Etagen als das seinerzeit größte Kaufhaus der Welt eröffnet wurde, zählt das Aquarium mittendrin zu den Besuchermagneten – obwohl zwischendurch mal das Becken leckschlug und Wassermassen die Umgebung in Windeseile fluteten.

Der Zwischenfall hat die Aufmerksamkeit nur noch mehr gesteigert, dem Ganzen sogar einen zusätzlichen Thrill verliehen. Menschen blieben sämtlich unverletzt, längst ist die Scheibe geflickt. Und angeblich ist bei der Panne nicht ein einziger Fisch zu Schaden gekommen.

Shopping in Dubai lebt von der Inszenierung, von den Rekorden, ausgerechnet von einem Eislauf-Ring in Olympia-Abmessungen mitten in derselben Mall, vom größten Gold-Basar der Welt ebenfalls in diesem Mega-Kaufhaus. Erbaut für das Guinnessbuch – und um noch mehr Leute zum steuerbegünstigten Einkaufen in das Emirat zu locken.

In der Weltrangliste der größten Einkaufszentren ist die Dubai Mall inzwischen aus den Top Ten gerutscht, was die Ladenfläche angeht. Ein Unding. Deshalb wird auf Geheiß des Herrschers Scheich Mohammed Abhilfe geschaffen. Eine neue Weltrekord-Mall ist bereits in Planung – größer als alles, was es in China und sonstwo gibt.

Platz eins hält die Dubai Mall jedoch nach wie vor, was die Zahl der Besucher angeht: 65 Millionen Menschen kommen jedes Jahr zum Einkaufen hierher, zum Essen und Trinken in 120 Restaurants und Cafés, zum Schlittschuhlaufen, zum Karussellfahren und natürlich für einen Blick in das mit fast 1.000 Quadratmetern größte Bonbongeschäft der Welt.

Nur die Umkleidekabinen mit vermeintlichem Meerblick gibt es in der Dubai Mall inzwischen nicht mehr – um die Kauflust zu fördern. Wo einst der Blick zu den Haien war, stapeln sich heute in einem raumhohen und sehr breiten Regal leichte Pullover. Seit dem Umbau laufen die Geschäfte des Ladens besser, weil die Leute wieder Augen für die Waren haben, um die es geht. Und nicht für Haie, Rochen, Meereszauber.
Helge Sobik