Myanmar

Pindaya: Buddha über Buddha

Goldene Pracht: Die Buddha-Ansammlung reicht zurück bis ins 18. Jahrhundert

In den Pindaya-Höhlen südlich von Mandalay türmen sich über 8.000 Figuren des Religionsgründers

Die Pindaya Höhlen liegen im grünen Hochland Myanmars in der Nähe des Inle-Sees. Fotos: pra

Andächtig streckt der junge Mönch einen Selfie-Stick vor sich hin, doch das Auge der Kamera ist nicht auf ihn gerichtet, sondern auf die Figur ihm gegenüber: einen Buddha. Links und rechts daneben noch ein Buddha, darüber und darunter weitere Figuren. In aller Ruhe schreitet er die Reihe ab, macht Aufnahme für Aufnahme von den zahlreichen Kunstwerken.
Eine meditative Übung mit dem Handy? Jeder Klick ein Punkt auf dem Karma-Konto? Sollte sich der Burmese vorgenommen haben, sämtliche Buddhas zu fotografieren, dann wird er lange beschäftigt sein. Über 8.000 Statuen des Religionsgründers stehen in den Höhlen von Pindaya – nach jüngsten Zählungen sind es 8.094.
Statuen in großer Vielfalt
Dieses Heiligtum ist selbst im tiefreligiösen Myanmar mit seinen zahllosen prachtvollen Tempeln und Pagoden etwas Besonderes. Nicht nur wegen der Rekordzahl an Buddhas – die Shwedagon-Pagode in Yangon etwa soll auf „nur“ 3.800 kommen. Hier im geheimnisvollen Halbdunkel der Tropfsteinhöhle türmen sich die Figuren auch in einzigartiger Vielfalt – aus Holz, Bronze, Stein oder Keramik, mehrere Meter hoch oder fingernagelklein.
Buddha ist nicht gleich Buddha – es gibt viele unterschiedliche Stile und Traditionen in der Darstellung, und in Pindaya sind sie in seltener Mannigfaltigkeit zu besichtigen. Bis ins 18. Jahrhundert reicht die Sammlung zurück, die durch immer neue Stiftungen der Gläubigen beständig wuchs und immer noch wächst.
Wer die Tropfsteinhöhle betritt, trifft zunächst auf eine goldüberzogene Stupa, wie sie in Myanmar vielerorts zu sehen sind – meist jedoch unter freiem Himmel. Die 15 Meter hohe Pagode, umringt von Gläubigen, Touristen und prächtig vergoldeten Buddhas, ist aber erst der Eingang in eine fernöstliche Zauberwelt. 
In den folgenden Höhlen trifft man auf immer neue Kaskaden von Figuren, die goldschimmernd zwischen Stalagmiten und Stalaktiten die Felswände herabfließen. In dem Labyrinth aus Felskammern, gewundenen Gängen und Treppen eröffnen sich immer neue Wege.
Der Retter der sieben Feen
Wie es zu dieser surrealen Ansammlung von blicklosen Buddhas kommt? Dazu gibt es wie meist in Myanmar mehr Legenden als Fakten. Eine Riesenspinne soll einst sieben Feen oder Prinzessinnen in der Höhle gefangen gehalten und den Eingang mit ihrem Netz versperrt haben. Ein Prinz kam ihnen zu Hilfe und tötete das Ungetüm
Wie der Retter die Spinne mit Pfeil und Bogen angreift, ist heute als große Kunststoffskulptur vor dem Aufgang zur Höhle zu sehen. Vom Fuß des Berges führt eine steile, überdachte Treppe zum Eingang, doch wie vielerorts an Myanmars Touristenattraktionen erleichtert ein wenig dekorativer Aufzugturm die Mühe des Aufstiegs.
Von oben eröffnet sich ein schöner Ausblick auf das grüne Hochland der Shan-Region, in der Pindaya liegt. Die Landschaft ist hier wesentlich reizvoller als im kargen Kernland Myanmars mit Bagan und Mandalay. Die Höhlen sind rund 60 Kilometer vom berühmten Inle-See entfernt, und fast alle Rundreisen durch Myanmar machen auf dem Weg von Flughafen Heho einen Abstecher dorthin.
Klaus Pranger
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