Australien

Feuervögel und Termiten

Tess Atie führt Touristen durch den Litchfield-Nationalpark.

Northern Territory: Tess Atie präsentiert den Litchfield-Park auf Aborigine-Art

Bei den Wangi Falls darf man nur baden, wenn sie als krokodilfrei erklärt wurden. Fotos: cb

Australiens Northern Territory ist viermal so groß wie Deutschland. Knapp 30 Prozent seiner Viertelmillion Bewohner sind Ureinwohner, unter ihnen Tess Atie, die mit ihrem Unternehmen Indigenous Tours Touristen durch den Litchfield-Nationalpark führt und ihnen Busch-Food serviert. „Ich fühle mich wie ein wandelndes Museum“, sagt die ehemalige Park-Rangerin auf dem Weg von Darwin zu Orten, wo ihre Familie einst Zinn ab- und Mangos angebaut hat.

„Pin-up-Girl“ von Tourism Australia möchte die als indigener Champion ausgezeichnete Tess nicht sein. Vielmehr versucht sie sich an der Balance zwischen eigener Kultur und Mainstream. Sie kritisiert von der Wohlfahrt lebende Aborigines, die weder lesen noch schreiben können. Eine Gleichberechtigung der Ureinwohner, die von Pachtzahlungen der Nationalparks profitieren, liege in weiter Ferne, meint sie, Aborigines stelle in Darwin so gut wie niemand ein.

Sie bedauert, dass Litchfield als Nationalpark, nicht als ihre Heimat betrachtet wird. Baden unter den Wangi oder Florence Falls zählt zu den Höhepunkten. Aber nur, wenn die Ranger die Seen als krokodilfrei erklärt haben. Eindringlich schildert Tess, wie ihr Schwager ihre Schwester beim Trinken am Bamboo Creek vor einem Krokodil gerettet hat, indem er dem Reptil beide Daumen in die Augen rammte. Eine alte Zinnmine nebenan ernährte von 1906 bis 1950 acht Europäer und Aborigine-Familien. An der Woolaning-Quelle, betrieben Tess‘ Großeltern von 1949 bis 1970 eine Sägemühle. Dort arrangiert sie ein Picknick am Bach, während Greg die eisenhaltige Quelle präsentiert.

Buschfeuer begrüßt Tess als Voraussetzung satten Grüns. Sie zeigt auf Keilschwanzweihen, habichtartige Greifvögel, die mit Hilfe der Brände kleine Tiere jagen. Sogar lodernde Zweige nutzten die „Feuervögel“ zum Aufscheuchen. Flache Termitenhügel sind Tess‘ Kompass, weil deren heiße Sonnenseite auf der Südhalbkugel nach Norden zeigt.

Die ersten Europäer seien in Australien verhungert, weil sie nicht wussten, was essbar war. Sie empfiehlt Yamswurzeln oder das säuerliche Sekret vom Hinterteil grüner Ameisen. Dreck von einem nicht flachen Termitenhügel, Tess‘ besonderer Leckerbissen „süßer als Schokolade“ schmeckt zwar aromatisch-mineralisch – aber leider auch nach Sand.
Christian Boergen

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