Cook-Inseln

„Dass du lange leben sollst“

Fröhlichkeit und Freundlichkeit sind auf den Cook Islands allgegenwärtig. Foto: David Kirkland

Die Inseln sind wahrscheinlich das schönste Stück Südsee, was besonders für Aitutaki gilt

Blumenkränze werden um den Hals gelegt und verstäuben einen Duft, wie er wohliger und exotischer gar nicht sein kann. Freundliche Menschen lachen einen allerorten an, auch die Autovermieterin am kleinen Airport, natürlich mit Blume im Haar: „Den Schlüssel können Sie immer stecken lassen. Aber parken Sie das Fahrzeug nie unter einer Kokospalme!“

Als ob einer der 71 Cook-Islands-Götter seine Macht demonstrieren möchte, donnert dann keine zehn Sekunden später und auch keine 50 Meter weiter eine große grüne Kokosnuss dumpf ins Gras und hinterlässt zur Erinnerung einen kleinen Krater. „Kia Orana“ heißt auf den Cook Islands nicht nur „Guten Tag“, sondern auch: „Dass du lange leben sollst.“

Die Hauptinsel Rarotonga ist kreisrund und mit 30 Kilometern Strand gesegnet. Dem schönsten Strand, Muri Beach, vorgelagert, geben die vier Inseln Tapu, Oneroa, Koromiri und Taakoka wohl ein Klischeebild der Südsee ab. Und trotzdem: Rarotonga ist nicht das schönste Eiland im Archipel, hat aber als Haupt‧insel die beste Infrastruktur mit Bungalows für etwa 100 Euro die Nacht bis zum gehobenen Vier-Sterne-Resort. 14.000 der nur etwa 18.000 Insulaner leben auf Rarotonga.

Die Cook Islands bestehen aus 13 bewohnten und unzähligen unbewohnten Inseln. Und die schönste unter allen, womöglich sogar weltweit, ist Aitutaki. Sie wirkt wie das mittlerweile zugebaute Bora Bora (Französisch-Polynesien) vor 60, 70 Jahren. Bis heute besitzt jede Familie ihr Stück Land und die Traumlagune gehört allen.

Was nach idealer Besitzverteilung und Südsee-Sozialismus klingt, ist in der Realität Monarchie. Sie sorgt dafür, dass diese Inselperle kein Spielball der Begierde von großen Hotelketten wird. Das Geld fließt direkt in die Kassen der Familien, die die Lodges betreiben.

Die vier Araki, die Insel-Chefs, werden aber nicht gewählt. Ihr Ehrenamt wird vererbt, die Krone traditionell aus einer Kokosnuss geschnitzt. Der erste Europäer, der Aitutaki betrat, war 1789 Captain Bligh, Kommandant der berühmten „Bounty“. Wen wundert es, dass nur wenige Tage nach dem Besuch im Paradies die Mannschaft meuterte.

Auf One Foot Island, einer der rund 20 Inseln, die zur Aitutaki Lagoon gehören, ist am meisten los: Täglich setzen Dutzende von Leuten ihren Fuß in den Sand dieses für einen Inselwitz als Vorlage durchaus tauglichen Eilands. Jede Lagoon Cruise macht dort Halt.

Ergänzend bietet sich ein Besuch auf Atiu an, einer Insel ohne Atoll und auch ohne Lagune. Doch den Abschied von der Postkarten-Südsee tauscht man gerne gegen Südpazifik-Alltag ein. Durchschnittlich wird Atiu jeden Tag von nur von sechs Touristen besucht. Und nur alle zwei Monate kommt das Versorgungsschiff.

Natürlich hat Atiu Strände, zwölf Stück, jedoch alle so flach, dass man nur planschen kann. Aber wenn man einen besetzt hat, kommt auch kein anderer Tourist oder Einheimischer dazu. An diesem Tag gehört einem der Strand auf jeden Fall alleine, mit all den Muscheln, die anderswo gar nicht mehr ‧angeschwemmt werden.

Jochen Müssig

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