Spanien

Kanaren: Ein tönendes Denkmal

Agüimes repräsentiert das ländliche Gran Canaria.

Agüimes repräsentiert das ländliche Gran Canaria.

Agüimes auf Gran Canaria setzt erfolgreich auf sanften Tourismus

Standbilder wie dieser Esel sind überall in den Gassen zu finden.

Standbilder wie dieser Esel sind überall in den Gassen zu finden. Fotos: cd

Der Osten Gran Canarias gilt als die öde Seite der Insel. Außer Flughafen, Windgeneratoren und Windsurfern scheint es hier nichts von Bedeutung zu geben. Doch nur zehn Kilometer südlich des Aeropuerto de Gando zweigt eine Landstraße von der Autobahn ab, die den Urlauber in wenigen Minuten in eine andere Welt bringt.

Agüimes, Hauptort der gleichnamigen Gemeinde, ist schon von weitem an seinen Ton in Ton prunkenden pastellenen Fassaden erkennbar. Das geschmackvolle Ortsbild ist nicht durch Zufall entstanden. Die Gemeindeverwaltung lässt jedem Bürger kostenlos in regelmäßigen Abständen die Fassade streichen – allerdings nur, wenn man bereit ist, am künstlerischen Gesamtentwurf mitzuwirken. In Cremebeige, Gelb, Gelbrosa und Rosabraun leuchten die perfekt restaurierten Anwesen und machen Agüimes zum Schmuckstück des Ostens.

„Municipio Piloto de Dinamizacion Turistica“ künden große Schilder bereits lange vor dem Städtchen an. Was sich hinter dieser Losung der „Dynamisierung“ eines ländlichen Tourismus verbirgt, zeigt sich, wenn man durch die Gassen von Agüimes schlendert. Statt Neonreklamen finden sich liebevoll bemalte Beschriftungen an den Fassaden. Wie Puppenhäuser wirken die uralten Anwesen. Ein Häuschen ist so schmal, dass es nur über eine Tür im Erdgeschoss und ein Fenster in der einzigen Etage darüber verfügt. Überall in den Gassen und auf den Plätzen sind Denkmäler aufgestellt: das Eselchen, das liegende Kamel, die Bonbongeberin, die Liebenden oder die Cellistin, aus deren Sockel die passende Musik ertönt. All diese Standbilder kommen ohne erhöhenden Sockel aus, sie sind zum Anfassen gedacht. Gedichte und Lieder in Form von Azulejos, kunstvoll gefliesten Keramikbildern, erzählen von der Geschichte des Örtchens, in dessen Mitte sich die mit ihrem Kuppeldach orientalisch anmutende Pfarrkirche San Sebastian erhebt.

Vielsprachig werden Besucher auf Schildern im Ort willkommen geheißen. Zwei charmante kleine Landhotels und etliche rustikale Apartments bieten Reisenden Quartier, die nichts mit den Bettenburgen der Südküste anzufangen wissen. Den Gästen geboten werden soll die „angemessene Vorzüglichkeit eines Ortes, der viele Jahrhunderte Geschichte hat“, lässt der Bürgermeister in einem Grußwort an die Besucher wissen lässt. Wer einen Geheimtipp in Sachen sanftem Tourismus auf Gran Canaria sucht, ist hier an der richtigen Adresse. Und in die Schlucht des Barranco de Guayadeque ist es nur ein Katzensprung. Übrigens: Die Kirche von Agüimes ist so malerisch, dass es sie auf Gran Canaria zweimal gibt. Das Double steht im Ferienort Meloneras als Mittelspunkt der Anlage Gran Hotel Lopesan Villa del Conde im Stil eines kanarischen Dorfes.

Claudia Diemar