Spanien

Spanien: Bei Römern und Mauren

Das Hotel Palacio del Marques de la Gomera war früher ein Kloster.

Das Hotel Palacio del Marques de la Gomera war früher ein Kloster. Foto: gs

Eine Stippvisite in Sevillas Hinterland

Da Andalusiens Urlauberhochburg Nummer eins Sevilla an manchen Tagen aus den Nähten platzt, mühen sich die Werber, den Touristen die Schönheiten des Hinterlandes nahezubringen. „Urlaub in der Region“ heißt die Devise in der Provinz Sevilla, lässt sich Andalusiens Kapitale doch von dort gut in einem Tagesausflug erobern.

Zum Beispiel von Carmona aus, zwanzig Autominuten von Sevilla entfernt. Spät am Nachmittag trifft man sich an der Plaza de Arriba, wo die Kneipenwirte ihre Tische und Stühle im Freien aufgestellt haben, und lässt es sich bei Tapas, Bier, Wein oder Sherry gutgehen. Oder noch besser bei einem der lokalen Anisliköre, die im Gegensatz zu den meisten in Spanien hier nicht ganz so süß sind.

Gässchen und alte Kirchen laden zum Bummeln. Und als Wohnstatt locken Hotels, die bei gleicher Leistung oft nur halb so teuer sind wie in Sevilla. Hoch über dem Stadtrand liegt Carmonas Parador, von dem man weit in die Ebene blicken kann: auf die alte Römerbrücke, die wie die Thermen und die archäologisch berühmte Nekropole an die Anfänge der Stadt erinnert, von der schon römische Kaiser schwärmten. Eine alte Römerbastion bildet auch den Grundstock des mächtigen Stadttores, im Sommer oft Kulisse spektakulärer Hochzeiten. Maurische Bögen an manchen Gebäuden freilich verraten, dass die Römerherrschaft nicht ewig währte.

Ähnlich verlief die Geschichte auch im nahe liegenden Ecija. Hier stieß man beim Bau der Tiefgarage vor dem Rathaus kürzlich auf die Gräber vieler hundert Mauren, jenem Volk, das von hier aus Spanien eroberte, ehe es die Christen Jahrhunderte später in blutigen Kämpfen wieder vertrieben. Genau 38 Kirchtürme sind heute das Wahrzeichen Ecijas, das sich stolz „Stadt der Türme“ nennt. Den besten Überblick erhält man vom Rathausturm über der Touristeninformation. Beim Bummel durch die Gassen fällt der Blick auf Barockpaläste wie den des Marques de Penaflor, der mit 59 Metern Länge den größten Balkon Europas um sein Haus baute, oder den Palacio de los Granados, ein renoviertes Boutique-Hotel.

Beschließen könnte man die Tour in die Provinz Sevilla im Südosten, in Osuna, wo die Spuren der Römer noch heute am Stadtrand sichtbar sind. Mehr Eindruck aber machen die Zeugen christlicher Kultur, mehr als ein Dutzend Klöster, Einsiedeleien und Kirchen, deren schönste heute als Museum dienen. Sehenswert sind auch die Hinterlassenschaften der Herzöge, feine Villen und Paläste. In einem kann man gar stilgerecht wohnen. Im Palacio del Marques de la Gomera, einem Vier-Sterne-Hotel in einem alten Kloster, hat jedes Zimmer eine individuelle Note.

Günter Schenk