Spanien

Kanaren: Herrenhäuser und seltsame Kirchen

Agulo gilt als der schönste Ort La Gomeras.

Agulo gilt als der schönste Ort La Gomeras. Foto: aze

La Gomera: Die reizvollsten Orte der Insel liegen im Norden

Der fruchtbare Norden La Gomeras lockt mit mindestens so grandiosen Schluchten wie der Süden mit noch wilderen, meerumtosten Steilküsten, aber auch mit tropisch üppigen Tälern, wo man sich geradewegs im Garten Eden wähnt. Neben den landschaftlichen Attraktionen laden in dieser etwas stärker besiedelten Inselhälfte auch hübsche kleine Dörfer zum Bummeln ein.

Als unbestrittene Inselschönheit gilt der Ort Agulo, der hoch über dem Meer vor einer roten Felswand klebt. Wenn sich die häufig anwabernden Passatwolken auflösen, hat man einen schönen Blick hinüber nach Teneriffa zum Gipfel des Teide. Vom einstigen Reichtum der Bananenbarone zeugen stattliche Herrenhäuser, die sich in den kopfsteingepflasterten Gassen aneinanderreihen.

Um 1900 florierte der Bananenexport, und die Großgrundbesitzer residierten entsprechend stilvoll. Aber auch mit Kirchenneubauten wurde geprotzt – und dem Zeitgeschmack entsprechend entstanden aufwändige Gotteshäuser in eigenwilligem Stilmix, dem Eklektizismus. Die größte und exotischste Kirche von allen, San Marcos in Agulo, schmückt sich sogar wie eine Moschee mit fünf weißen Kuppeln und heißt im Volksmund auch „La Mezquita“. Eher bescheiden wirkt mit ihren Spitzbögen und einem wehrhaften Turm dagegen die Iglesia San Juan Bautista in Vallehermoso. Der kleine Ort ist aber für etwas ganz anderes berühmt: Hier reifen die besten roten Chilischoten, die den Grundstoff für die Soße Mojo Rojo liefern. Zur Erntezeit im Spätsommer hängen sie zum Trocknen an vielen Hauswänden.

Üppig blüht und gedeiht es auch im wasserreichen Tal von Hermigua, wo Papayas, Mangos, Avocados und Bananen wachsen. Dort, wo der langgezogene Ort ein kleines Zentrum bildet, lohnt die Iglesia Nuestra Senora einen Stopp. Hier mischen sich Pseudo-Gotik mit Pseudo-Barock und Pseudo-Renaissance zu einem schönen Kirchenbau. Im stilvoll restaurierten Herrenhaus am Kirchplatz ist heute das Casa de la Cultura untergebracht. Ein Abstecher führt zum Ortsteil El Convento mit einem ehemaligen Dominikanerkloster – die Barockaltäre und die kunstvoll geschnitzten Mudejar-Holzdecken sind echt! Schön auch das Kunsthandwerkszentrum Los Telares in einem alten Gutshaus im typisch kanarischen Stil mit Holzbalkonen.

Auch wenn es im Norden häufiger regnet als im Süden, sollte man sich einen Spaziergang auf dem Panoramaweg Camino Forestal de la Meseta am Rand des Nebelwalds nicht entgehen lassen.

Monika Zeller