Deutschland

In den See stechen

Links, rechts, links, rechts! Und bloß nicht reinfallen, lautet die Devise beim Stehpaddeln. Foto: mc

Stehpaddeln ist ein gesunder Wassersport, für den in Deutschland viele Gewässer infrage kommen

Die tun’s ja im Stehen! Das mag sich manch einer denken, wenn er zum ersten Mal einen Stehpaddler sieht. Die Wahrscheinlichkeit dafür wird immer höher. Denn Stehpaddeln (oder Stand-up-Paddling) breitet sich auch auf deutschen Gewässern aus.

Etwa in der Ostsee. Oder auf dem Bodensee. Und natürlich auf vielen Gewässern von Oberbayerns Ferienregionen. Das Stand-up-Paddling kann sogar mit einer Städtetour kombiniert werden: In Hamburg eignen sich die Außenalster und die Kanäle der Hafencity, Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene werden angeboten.

Auch in Berlin wird fleißig im Stehen gepaddelt. Die Hauptstadt mit ihren Seen und Seitenarmen von Havel und Spree ist „SUP-Zone“, wie Insider sagen. SUP ist eine branchenübliche Abkürzung für das Stand-up-Paddling. Die Paddelbretter sind etwas breiter und klobiger als ein Surfbrett.

Man braucht weder Wind noch Wellen um vorwärts zu kommen. Ein paar gekonnte Schläge und schon gleitet man dahin. „Mit dir kann man gleich aufs Wasser“, urteilt Nina nach einer kurzen Musterung meiner Gestalt. Nina ist Stand-up-Paddling-Instruktorin vom Sailingcenter in Bad Wiessee am Tegernsee. Ohne Umschweife drückt sie mir ein Paddel in die Hand. Nina will, dass ich gleich den Sprung ins kalte Wasser wage. Freilich nur im übertragenen Sinne. Denn beim Stehpaddeln will man möglichst auf dem Brett bleiben. Die alpenfrischen Temperaturen des oberbayerischen Tegernsees wirken motivierend aufs Stehvermögen.

„Die Qualität der Boards hat sich deutlich verbessert“, sagt Stefan Eder vom Sailingcenter am Tegernsee. Umrahmt vom formschönen Wallberg, barocken Zwiebelkirchtürmen und den zwei Spitzgiebeln eines bekannten Brauhauses im Uferörtchen Tegernsee macht das Paddeln doppelt Spaß. „Stehpaddeln ist wie Spazierengehen auf dem Wasser“, sagt Nina. Dennoch fühle ich mich anfangs, als stünde ich auf ‧einem Wackelpudding. „Immer schön durchziehen“, ruft Nina. Mit abwechselnden Schlägen. Links, rechts, links, rechts.

Zwischenbilanz nach 20 Minuten: Ich bin standhaft geblieben und in die Schläge hat sich ein gewisser Rhythmus eingeschlichen. Es beginnt, Spaß zu machen. Da erhöht Nina die Schlagzahl: Zeit für den so genannten J-Schlag. Einen einseitigen Paddelschlag. Er ermöglicht das Geradeausfahren ohne ständig die Seiten zu wechseln.

Im Hintergrund johlt eine Hochzeitsgesellschaft im Bootshaus. Während die Gäste das J(a)-Wort feiern, übe ich fleißig den J-Schlag. Aus dem Augenwinkel beobachte ich, wie die Hochzeitskapelle eintrifft. Die Mannsbilder, ihre Bäuche in derbe Krachlederne gezwängt, schleppen Tuba und Pauke in den Saal. Ich gebe unterdessen weiter den Stehgeiger – und werde es garantiert wieder mal im Stehen tun.
Martin Cyris

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