Deutschland

Be-Schnupperkurs

Auch die Hunde scheinen richtig viel Spaß an der Schlittenfahrt zu haben.

Im Bayerischen Wald lernen Anfänger, wie man einen Hundeschlitten lenkt

Den meisten Hunden kann es gar nicht schnell genug gehen. Einer sieht hingegen noch ganz entspannt aus.

Musher Thomas Gut stellt seine Teams zusammen. Fotos: mc

Mei oh mei! Du fährst mi ja übern Haufen!“ Der Hundeboss grantelt. Weil meine Vierbeiner haargenau auf ihn zulaufen statt haarscharf an ihm vorbei. Es ist eben noch kein Schlittenhundelenker vom Himmel gefallen.

Unweit des Arbers, in Frauenau im Bayerischen Wald, betreibt Thomas Gut eine Schlittenlenkschule für Anfänger und Fortgeschrittene. Ergehört zu Deutschlands erfahrensten Schlittenhundeführern, im Fachjargon Musher genannt. Mushing ist das gekonnte Lenken eines Hundegespanns. Und das will gelernt sein. Denn es ist weitaus komplizierter und anstrengender, als es in gemütlichen TV-Dokumentationen rüberkommt. „Das hier ist keine Passagierfahrt“, raunzt Gut hart aber herzlich in seinen langen Bart, „das ist echter Sport.“

Für die Hunde ist es sogar Hochleistungssport. Deshalb gibt es für sie vor dem Start eine kräftige Suppe. Die Schüler dürfen sie verteilen, um sich mit den Hunden vertraut zu machen. Man solle konsequent die Kommandos wiederholen, empfiehlt Gut. „Trainierst du die Hunde nicht richtig, trainieren sie dich – aber richtig“, grinst er.

Mit zwei Dutzend ungeduldigen Huskys geht es zum Startplatz am Großen Arber. Es ist nasskalt. Ein Hundewetter. In der Tat, die Tiere können es kaum erwarten loszulaufen. Ich bekomme einen Vierzylinder, besser: ein Vierergespann. Es folgt eine Einweisung. Lenken, Bremsen, Ankern des Schlittens im Schnee und richtiges Verhalten in engen Kurven.

Jetzt gilt’s. Die ersten Meter überstehe ich schon mal aufrecht. Mein Führungshund erweist sich als zuverlässiger Boss im Gespann. Auf dem Trail befolgt die Hündin namens Silver sogar meine Kommandos. Das ist sehr von Vorteil, denn der Trupp gerät öfter ins Stocken.

Eine Teilnehmerin testet recht häufig die Feuchtigkeitsresistenz ihrer Kleidung. Nun, der Bayerische Wald ist gewiss auch von unten sehr hübsch anzusehen. 14 Kilometer haben wir dazu Gelegenheit. Ob von unten oder aufrecht auf den Kufen stehend: Der Wald ist herrlich verschneit. Nicht zufällig wird er auch Bayerisch-Sibirien genannt. Beste Bedingungen fürs Mushing also.

Und fürs Auge. Entlang der Strecke kilometerweit wildrauschende Bäche, dunkler Tann und uralte Fichten mit mächtigen Stämmen. Mein Vierbeinerteam läuft in einem ausgeglichenen Tempo – das Erfolgsgeheimnis beim Mushing. „Wenn die Hunde ausgepowert werden, haben sie schnell keine Lust mehr“, sagt Gut.

Zurück am Ausgangspunkt. Das haben wir für den Anfang ganz gut hinbekommen, mein Team und ich. Zum Dank gibt’s für jeden Husky einen Fleisch-Snack. Und für die Teilnehmer eine Urkunde.
Martin Cyris
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