Großbritannien

Ein Weltmeister für Bond

Erik Lorincz sorgt dafür, dass beim Schütteln der Cocktails auch bloß nichts schiefgeht.

Erik Lorincz sorgt dafür, dass beim Schütteln der Cocktails auch bloß nichts schiefgeht.

London: Der Bartender vom Savoy passt auf, dass in 007-Filmen richtig geschüttelt und nicht gerührt wird

Arbeitsplatz des Bartenders und Schauplatz einiger Bond-Filme: das Savoy in London

Arbeitsplatz des Bartenders und Schauplatz einiger Bond-Filme: das Savoy in London. Fotos: jm

„Mein Name ist Lorincz. Erik Lorincz. Ich habe die Lizenz, Bond zu beraten.“ So könnte er sich vorstellen, der Head Bartender der American Bar im altehrwürdigen The Savoy in London. Macht er aber nicht. Dazu ist Erik viel zu smart. Vielmehr lässt er wie nebenbei und ganz geflissentlich seine Gäste wissen, dass er es ist, der schaut, dass ein Schauspieler in Bond-Streifen auch wirklich wie ein Barmann agiert, richtig schüttelt, richtig mixt, richtig garniert, richtig serviert, in „Skyfall“ und jetzt auch im neuen Bond-Streifen „Spectre“.

Dabei bietet Erik seinem Gast vielleicht einen Sazerac oder einen Malecon an. Der Unterschied zwischen beiden Cocktails ist zum einen die Basis – Cognac beziehungsweise Rum – und zum anderen der Preis: Zwischen 5.000 und 15 Pfund liegen immerhin 4.985 Pfund oder rund 7.150 Euro Differenz. Vom 157 Jahre alten Sazerac-Cognac gibt es weltweit nur noch zwei verbliebene Flaschen, aus denen Eric noch 14 Cocktails mixen kann. Über den Malecon sagt er: „Die Mischung ging mir durch den Kopf, als ich in Havanna auf dem Malecon spazieren ging. Es musste ein Drink sein, der tanzen konnte.“ Der Malecon tanzte Eric sogar zum Weltmeister der Bartender im Jahr 2010.

„Die Szene im Zugabteil, da war’s echt happig! Wie will man sauber in ein Martini-Glas einschenken, wenn es andauernd ruckelt und zuckelt?“ Die Macher um Regisseur Sam Mendes und die Superstars Daniel Craig, Christoph Waltz sowie Monica Bellucci seien allesamt sehr freundlich gewesen, erzählt Erik, lässt sich aber keine Anekdote entlocken. „Beratergeheimnis ...“, sagt der gebürtige Slowake und lenkt gleich ab: „In Bratislava sah ich eine Ausschreibung für einen Cocktail-Wettbewerb. Ich meldete mich an und kam dann nicht mehr von der Bar weg.“ Die Menschen an der Bar, die Drinks, das alles sei ganz fantastisch, „und wenn man die Seele eines Hotels ausloten möchte, geht man ja auch an die Bar“.

Der heute 35-Jährige eröffnete in Bratislava seine erste Bar, ging erst nach Prag, dann nach London, setzte sich gegen 360 Bewerber durch und kam ins Savoy, kreierte Cocktails für die Queen und wurde Weltmeister.

Frisch gekürt kredenzte er bei der Skyfall-Premiere eine Abwandlung des bereits legendären Bond-Cocktails Vesper-Martini aus „Casino Royale“. Und auch sein Arbeitgeber spielte in Form des Savoy-Hotels in Ian Flemings Büchern schon früher eine Rolle, beispielsweise in „Dr. No“ und „Diamantenfieber“.

Dann erzählt der Bond-Bartender doch noch ein kleines Geheimnis. „Martini-Cocktails sollten eigentlich immer vorsichtig gerührt und nicht heftig geschüttelt werden. Denn das Schütteln kann den Geschmack beeinträchtigen“, erklärt Erik. „Der Schnapskenner Fleming hat dies wahrscheinlich gewusst. Aber ‚geschüttelt, nicht gerührt‘ klingt im Film einfach viel besser als ‚gerührt, nicht geschüttelt‘.“
Jochen Müssig

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