Italien

Amalfiküste: Kurven, Büsten, Blicke

Der Dom in Amalfi

Der Dom in Amalfi

An der Amalfitana wird Italien wieder zu einem Traumziel

In Vietri sul Mare endet die Amalfitana.

In Vietri sul Mare endet die Amalfitana.<br>Fotos: jm

Strada Statale 163, wie langweilig das klingt! Amalfitana dagegen, da geht das Herz auf! Man scheint die Limonen förmlich zu riechen, das Azurblau des Himmels zu sehen und das Dolce far niente zu fühlen.

Dabei ist beides schlicht das Gleiche: Die SS 163 ist die Amalfitana, Italiens bekannteste und wohl auch schönste Küstenstraße, die auf knapp 50 Kilometern südlich von Sorrent beginnt und in Vietri sul Mare endet.

50 Kilometer lang ein Stück Italien, als das Land für die Deutschen noch ein Traum war und nicht ein Reiseziel wie viele andere: Deutsche Fräulein saßen in einem Boot bei strahlender Sonne und wurden besungen von einem liebeshungrigen Italiener mit schwarzem Haar und rot-weißem Ringel-T-Shirt. Das Leben war heiter und unbeschwert, kein Wölkchen trübte den Himmel.

Häuser wie Schwalbennester
So ein Tag ist heute. Aber in Amalfi, etwa in der Mitte der Amalfitana, mutiert die Straße trotz prachtvollem Dom mit farbiger Mosaikfassade, Häusern, die wie Schwalbennester an den Felsen kleben, und la Grotta dello Smeraldo schnell zur SS 163: Zwei Kugeln Eis für zwei macht zwölf Euro. Schluck! Ist dieses kleine Stückchen Paradies eine Touristenfalle?

Jein. Ja, weil die Kosten sehr hoch sind, ob das nun die Spaghetti mit Muscheln oder das unverschämt teure Zimmer mit Balkon zum Meer sind. Nein, weil die Fahrt, abgesehen von Benzin und Mietwagenkosten, umsonst ist und weil etwa der Blick von der Villa Cimbrione unbezahlbar ist – und für Nicht-Hotelgäste trotzdem nur sieben Euro Eintritt kostet.

Serpentine folgt auf Serpentine
Schon 1850 wurde diese kurvenreiche und meist recht schmale Straße mit ihren Ausblicken auf die steil abfallende Küste und den Golf von Salerno eingeweiht. Bis zu 100 Meter über dem Meer verläuft sie, teilweise in die Felsen gehauen, sich Bucht um Bucht vorkämpfend, Orte wie Positano, Amalfi und Ravello miteinander verknüpfend. Wobei Ravello, das etwas im Hinterland liegt, über zahlreiche Serpentinen angefahren wird. Und nach 15 Minuten Fußweg ist dann auch das Sahnehäubchen erreicht: die Villa Cimbrione.

Eine Zypressenallee führt schnurgerade zu einem Tempelchen und weiter zum Belvedere, einer Aussichtsplattform mit Balustrade und mit genauso verwunschen dreinblickenden wie verwitterten Marmorbüsten. Sie blicken den Besucher an und zeigen dem Meer ihren Rücken, hinter dem es senkrecht nach unten geht. Der Blick reicht weit die Straße entlang und sogar bis Capri.

Hier glaubt man, was auch die Statistik besagt: Die Amalfiküste ist die wärmste in Italien, wenn man die kühlen Wintermonate, die sich an diesem windgeschützten Küstenstreifen häufig als recht mild geben, ins Jahresmittel einbezieht.

Und hier versteht der Besucher, warum die Amalfiküste auch Weltkulturerbe ist. Wenngleich nicht ganz, denn die Ortschaft Maiori wurde explizit nicht aufgenommen, weil das 1950er- bis 1960er-Jahre-Ortsbild, entstanden nach dem verheerenden Hochwasser von 1954, keine Würdigung fand. Dort ist die Amalfitana eben einfach nur die Strada Statale 163.

Jochen Müssig

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