Rumänien

Bukovina: Besuch bei den Dienern Gottes

Sucevita ist die wohl schönste Klosterkirche in der Bukovina. Die „Stufenleiter der Tugenden“ an der Nordfassade ist weltbekannt

In den Moldau-Klöstern können Touristen auch übernachten

Der Gottesmann Antonius spricht Deutsch und freut sich über die Besucher im Kloster Neamt. Fotos: Heidrun Lange

Mitten in der einsamen Bergwelt im Nordosten Rumäniens können Besucher biblische Szenen im Freien lesen. Klöster oder Klosterkirchen gibt es genug. Moldauische Fürsten haben im 15. und 16. Jahrhundert für jeden Sieg gegen die „Ungläubigen“ eine Kirche oder ein Kloster gestiftet. Die schönsten stehen in der Bukovina. Vom Sockel bis unters Dach sind die Außenwände einiger Gotteshäuser mit Fresken bedeckt. Guter Startpunkt einer Besichtigungstour ist der Landkreis Suceava.

Der Gottesmann Antonius schreitet über das mehrere Hektar große Gelände des Klosters Neamt, vorbei an der schlichten Kirche, die mit bunten Mosaiksteinen verziert ist. Wir sollen ihm ins Innere der Kirche folgen. Heilige, Mönche, Märtyrer, fromme Frauen und Engel strahlen von den Wänden. Die Ikone der Mutter Gottes aus dem Jahre 665 ist weltbekannt. Antonius entpuppt sich als begabter Erzähler und Zuhörer. Warum er ins Kloster gegangen ist? „Gott hat uns das Leben auf der Erde geschenkt, um uns auf das ewige Leben vorzubereiten“, sagt er, und seine Augen leuchten.

Verlassen Klosterbesucher die mächtigen Mauern, beginnt rumänischer Alltag. Ein Bauer trägt die Sense auf der Schulter, gefolgt von seiner Frau, die den Rechen unter dem Arm hat. Es geht aufs Feld. Pferdefuhrwerke rumpeln vorbei, voll beladen mit Heu.

Kurz vor dem Klosterdorf Agapia wird es ruhiger. Rund um das Kloster, das seit der Gründung im 16. Jahrhundert vor allem adligen Frauen ein Leben hinter Konventmauern bot, stehen über 320 Häuser, die zum Klosterdorf gehören. Einige sind zwischen 150 und 200 Jahre alt. In den Vorgärten zupfen Nonnen verwelkte Blätter von den Blüten. Auf den ersten Blick wirkt das, als sei dies ihre Hauptbeschäftigung im Kloster. Doch der Eindruck täuscht. In der Nonnenschule erlernen die jungen Frauen Sticken, Weben und Kirchenmalerei. Einige bieten in ihren Häusern Übernachtungsmöglichkeiten an.

Auch im Nonnenkloster Sucevita können Urlauber im Sommer übernachten. Es ist das einzige Gotteshaus in Rumänien, dessen Innen- und Außenwände vollständig mit Wandmalereien versehen sind und das deshalb auf der Unesco-Weltkulturerbeliste steht. Trotz Hitze und Kälte, Wind und Regen haben die Fresken seit über 500 Jahren den Glanz ihrer Farben nicht verloren.

Ein Prachtexemplar an Farben und biblischer Erzählkunst ist die „Stufenleiter der Tugenden“ an der Nordfassade, die eine Leiter zum Himmelstor zeigt. Als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco stehen auch die im Kloster ausgestellten Schätze der Fürstenfamilie Movila, Stifter des Klosters. Kaftane, Decken und Grabtücher, fein mit Gold- und Silberfäden verziert, werden von Nonnen restauriert und haben so ebenfalls Hunderte von Jahren überstanden.

 

Veranstalter

Die Infrastruktur ist mittlerweile gut auf Touristen eingestellt, es gibt kleine Pensionen und Hotels. Auch einige Klöster bieten Übernachtungen an. Veranstalter mit Rundreisen zu den Moldauklöstern sind unter anderem Dertour, Gebeco, Marco Polo Reisen, Studiosus, Neckermann Reisen und Wikinger.

Heidrun Lange

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