Norwegen

Bergen: Feuchte Schönheit des Nordens

Bei Sonnenschein zieht es die Menschen sofort nach draußen

Die Stadt im westnorwegischen Fjordland betört auch bei schlechtem Wetter

Alles so schön bunt hier: Bergen präsentiert stolz seine Hansehäuser und das Hanseatische Museum. Fotos: cd

Nein, den Schirm sollte man bei einem Besuch in Bergen besser nicht vergessen. Denn die zweitgrößte Stadt Norwegens gilt als regenreichster Ort Europas. Mehr als 2.500 Millimeter Niederschlag und durchschnittlich fast 250 Regentage pro Jahr machen die Hafenstadt im Südwesten Norwegens zum eher feucht-kühlen Reiseziel. Doch die Küstenmetropole ist zugleich eine der schönsten Städte Skandinaviens. Gemütliche Bars und Cafés sowie 30 Museen bieten genug Beschäftigung bei schlechtem Wetter. 

Fast 400.000 Einwohner leben im Großraum der Universitätsstadt, die auch als „Tor zu den Fjorden“ bezeichnet wird. Bergen hat einen Flug‧hafen, ist mit der Bergen-Bahn direkt mit der Landeshauptstadt Oslo verbunden und zudem Start- oder Endpunkt der Hurtigruten-Schiffsreisen. Kein Wunder also, dass Bergen über 7.000 Hotelbetten in mehr als 30 Häusern aller Kategorien zu bieten hat.

Bereits im Mittelalter war der Naturhafen für Handelsschiffe von großer Bedeutung. Bis auf das 12. Jahrhundert gehen viele noch heute erhaltene Gebäude wie die Hakonshalle oder der Rosenkrantzturm zurück. Das wichtigste touristische Kapital der Stadt aber sind die Bryggen, auch Tyske Bryggen genannt, was so viel wie „deutsche Anlegebrücken“ meint. 

Die ehemaligen Kontore und Lagerhäuser der Hanse-Kaufleute, die bei mehreren Stadtbränden nicht verschont blieben, wurden nach jeder Zerstörung originalgetreu wieder aufgebaut. Als Beispiel hanseatischer Baukunst in Skandinavien gehören sie daher bereits seit 1979 zum Unesco-Welterbe.

Mehrere Hundert der bunten Holzhäuschen reihen sich am Wasser und bieten auch bei schlechtem Wetter eine farbenfrohe Kulisse. In dem einstigen Lagerlabyrinth haben sich heute Künstler und Galerien eingemietet. Ein Hansemuseum klärt über die ruhmreiche Geschichte auf und bildet sichere Zuflucht vor dem nächsten Guss oder einem winterlichen Schneetreiben. 

Das Kunstmuseum findet sich ebenfalls mitten im Zentrum an einem idyllischen kleinen See. Von der Renaissance bis zu zeitgenössischen Werken kann man bei grauem Wetter in Farben schwelgen und etwa Werke von Kandinsky, Klee, Miro, Munch und Picasso bewundern. 

Ebenfalls sehenswert ist das Meeresaquarium, das als eines der schönsten Europas gilt und auch sehr gut per Boot von den Bryggen aus erreichbar ist.

Wenn die Sonne dann doch plötzlich scheint, strömt ganz Bergen nach draußen. Die Rasenflächen von Parks und Gärten sind belagert. Auf Booten werden Hängematten gespannt, um dem Licht zu huldigen. Der Sonnenuntergang vom Hausberg Floyen aus wird zum glutroten Spektakel. Wie frisch gewaschen präsentiert sich Bergen im klaren Licht des Nordens.

Claudia Diemar