Norwegen

Cooler Klang

Terje Isungset testet sein Horn aus Eis

Norwegen: Der Skiort Geilo an der Bergenbahn bietet im Winter ein außergewöhnliches Eismusik-Festival

Das Eismusik-Festival in einer Arena aus Schnee in Geilo statt

Geilo liegt zwischen Oslo und Bergen und ist ein bekanntes Skigebiet. Fotos: hb

Wenn sich der Vorhang der Nacht über den Berg senkt, kann das Spiel beginnen. Das Schlagzeug aus Eis produziert ein insektenhaftes Klicken, ein Schleifen und Schaben und Knacken. Warme Laute sind in der Luft, rund wie von Vibraphon, Gong und Marimba, oder metallisch hart wie vom Xylophon. Eine Eisprinzessin streichelt ihre Harfe, ein Geiger streicht über die Saiten seiner glitzernden Fiedel. Dann ertönt, als trompetete ein wieder zum Leben erwecktes Mammut, ein Eishorn: Das Konzert mit Musikinstrumenten aus Eis ist zum Dahinschmelzen. 

Auf halber Strecke zwischen Oslo und Bergen liegt das Örtchen Geilo. Seit dem Jahr 1909 kommen Besucher mit der Bergenbahn hierher, im Sommer zum Wandern und im Winter zum Skifahren. Inzwischen hat sich Geilo in ein nettes kleines Wintersportziel verwandelt, mit 18 Liften und 550 Kilometern kostenloser Langlaufpisten. Einzigartig aber macht Geilo sein Eismusik-Festival. Immer zum ersten Vollmond des Jahres reisen Menschen aus aller Welt an, um ein Wochenende lang in einer Arena aus Schnee den coolen Klängen zu lauschen.

Wie lässt sich so was stimmen?

Poetisch klingt die Eismusik. Mal tönt sie melancholisch, dann tanzt sie vor Lebensfreude. Die Instrumente entstehen vor Ort direkt vor den Konzerten. Spezialisten helfen bei der diffizilen Konstruktion von Eis-Gitarre, Eis-Fiedel oder Eis-Harfe. „Eis reagiert anders als Holz oder Metall. Beim ersten Mal wusste ich gar nicht, ob sich die Saiten richtig verankern und korrekt stimmen lassen“, sinniert Sidsel Walstad, Solo-Harfinistin des Norwegischen Rundfunkorchesters. „Es ist auch eine Herausforderung, ein Instrument zu benutzen, das man nur kurz Probe spielen darf. Das Risiko, es zu zerstören, wäre sonst zu groß.“ 

Kunst für ein Konzert

Nils Okland streicht über seine Hardangerfiedel. „Sie in den oberen Lagen ohne Griffbrett zu spielen, ist schwierig. Ich traue mich nicht, richtig zuzudrücken.“ Besonders fragil sind indes die Stäbe, Platten und Quader des Eis-Schlagzeugs: Ein Windhauch kann sie aneinanderstoßen lassen und zerschmettern. Wie die Instrumente tönen, bestimmt auch die Natur: Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind verändern die Klangfarbe.

„Von 100 ähnlich aussehenden Stäben, die ich aus dem Eis für meine Schlaginstrumente schnitze, klingen vielleicht fünf. Der Rest ist stumm“, sagt Terje Isungset, der Gründer des Festivals. „Ich weiß immer noch nicht genau, woran das liegt. Nur eines ist sicher: Mit Kunsteis klappt es nicht.“

Sein Eishorn hat Isungset aus 2.500 Jahre altem Gletschereis geformt. Die Zeit zerrinnt zwischen seinen Fingern: „Es schmilzt durch meine Atemluft und hält nur ein Konzert.“ Zwar hat der Norweger schon einmal versucht, ein Eishorn zu retten, indem er Wasser anfrieren ließ, um das Mundstück wieder zu verengen. Doch der Klang war weg. Ein Funken Magie steckt eben in jedem großen Instrument.

 

Info zu Geilo
Das Ice Music Festival 2017 findet vom 9. bis 11. Februar statt, Tickets gibt es vor Ort. Hotels in Geilo bietet Dertour, Ferienhäuser kann man bei Novasol und TUI buchen. Gäste von Color Line erhalten Rabatt auf den Skipass.
www.icemusicfestival.no.

Helge Bendl